Mit heftiger Kritik hat die Politik auf den Einstieg von Sat1 in die Tour de France-Berichterstattung reagiert.
Der sportpolitische Sprecher der CDU, Riegert, bezeichnete den Entschluss des angeschlagenen Privatsenders als "unsolidarisch", da der Tour-Ausstieg von ARD und ZDF nach der positiven A-Probe des T-Mobile-Profis Patrik Sinkewitz das richtige Zeichen gewesen sei. Außerdem sei zu befürchten, dass ein privater Sender nicht ganz so kritisch über das Doping-Problem berichte.
Die gleiche Sorge hat auch SPD-Sportpolitikerin Freitag. Die Entwicklung sei "eine Katastrophe und das falsche Signal". "Wenn jetzt ein Sender nahtlos in die Lücke springt, dann ist das ein Zeichen, dass er Doping toleriert." Deutliche Worte fand auch Freitags Grünen-Kollege Hermann: "Ich halte die Entscheidung für einen Skandal. Man kann auch von den privaten Sendern erwarten, dass sie ethische Maßstäbe bei ihrer Programmauswahl ansetzen und nicht nur auf den schnellen Profit achten", sagte Herrmann und warnte: "Ansonsten entsteht der Eindruck, dass sie zu Doping-Sendern werden."
Lediglich FDP-Politiker Parr begrüßte den Wiedereinstieg des Fernsehens in die Tour. "Ich halte nichts von einem Total-Boykott. Damit schaden wir diejenigen, die für einen Neuanfang stehen."
Zuvor hatte der wegen der Absetzung mehrerer Boulevard-Magazine in die Schlagzeilen geratene Sender Sat1 überraschend die Rechte an der Tour de France übernommen. Schon die 11.Etappe von Marseille nach Montpellier wurde live übertragen.
Dies bedeutet wohl das endgültige Aus für ARD und ZDF bei der diesjährigen Tour. Den Übertragungsteams der Öffentlich-Rechtlichen droht der Verlust sämtlicher Akkreditierungen.