Olympia 2018: Lob für Pyeongchang

Südkorea zahlt, München kämpft

19.05.2011 | 15:28 Uhr
Die IOC-Mitglieder sind sich einig: Die Münchner Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 ist stark, die vom südkoreanischen Favoriten Pyeongchang auch. Nichts entschieden also. Nur über den französischen Außenseiter Annecy spricht kaum einer. Am 6. Juli fällt die Entscheidung.
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Starke Argumente: Kim Yu-Na wirbt für Südkorea darum, dass die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang stattfinden. (Foto: dpa)

Pyeongchangs neue Finanzoffensive von mehr als einer halben Milliarde Dollar im Dreikampf um die Olympischen Winterspiele 2018 konnte selbst Münchens umschwärmte Frontfrau Katarina Witt nicht weglächeln. Die Südkoreaner haben in Lausanne ihre Favoritenrolle bestätigt - trotz der erneuten Steigerung von München 2018. Auch am zweiten Tag des technischen Briefings lobten viele der stimmberechtigten IOC-Mitglieder das deutsche Großprojekt. Und gaben Pyeongchangs Auftritt sogar Bestnoten.

"Mehr und mehr sind wir tatsächlich eine echte Alternative", resümierte Katarina Witt, Bewerbungschef Bernhard Schwank betrachtet das Rennen inzwischen sogar als "absolut offen". Im Foyer des feudalen Palace-Hotels verdichtete sich am Tag nach den 45-Minuten-Präsentationen der drei Kandidaten das Stimmungsbild. Die Aufwärtstendenz der Münchner Olympia-Macher 48 Tage vor der Vergabe der Spiele am 6. Juli in Durban wurde bemerkt, der "fehlerlose Auftritt" der Südkoreaner, wie IOC-Marketing-Chef Gerhard Heiberg bemerkte, allerdings auch.

Das Herz, nicht der Kopf entscheidet

"Pyeongchang hat zum ersten Mal Emotionen gezeigt. Das war sehr gut", betonte der Norweger, der aber auch Katarina Witt für eine effektive Stimmensammlerin hält: "Sie ist sehr gut, sehr gut vorbereitet. Natürlich ist sie für ein paar Stimmen gut. Am Ende entscheiden IOC-Mitglieder nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herz." Sein Schweizer Kollege Denis Oswald sieht es ähnlich: "Die Südkoreaner waren nicht typisch asiatisch, sondern sehr relaxed und sehr emotional. Eine sehr starke Bewerbung. Am Ende kann aber auch so eine Person wie Katarina Witt den Unterschied ausmachen."

Der Präsident des Internationalen Ruderverbandes Fisa, gleichzeitig Mitglied der IOC-Exekutive, wird in Durban nicht mitabstimmen, um sich nicht Vorwürfen der Befangenheit auszusetzen. Die Ethik-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees hatte ermittelt, weil die Fisa einen Vertrag mit dem südkoreanischen IOC-Top-Sponsor Samsung abgeschlossen hatte.

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Trachtenmädchen, Bierkrüge und Brezeln

Die zahlreichen Lobbyisten der drei Kandidaten redeten in der Hotelhalle auf die IOC-Mitglieder ein. Ein Stockwerk tiefer ließen sich interessierte IOC-Funktionäre anhand von Modellen die Konzepte von München, Pyeongchang und dem französischen Außenseiter Annecy erklären. Am bayerischen Stand mit Trachtenmädchen, Bierkrügen und Brezeln herrschte großer Andrang, "Das Echo ist sehr ermutigend. Unsere Botschaften sind angekommen", erklärte der deutsche IOC-Vize Thomas Bach.

Pyeongchangs Funktionäre sorgten unterdessen mit neuen Investitionen von mehr als einer halben Milliarde Dollar für Aufsehen. Ein Kommunikationsbudget in Höhe von 80 Millionen Dollar stehe für Sport-Propaganda in Asien bereit. "Damit wollen wir das Wintersport-Bewusstsein in ganz Asien erhöhen", meinte Sprecherin Theresa Rah. Vor fünf Wochen hatte Südkoreas Regierung bereits bekanntgegeben, von 2012 bis 2018 500 Millionen Dollar in die zweite Phase ihres Sportförderprogramms "drive the dream" investieren zu wollen.

Die Münchner müssen auf der Zielgeraden des Bewerbungsmarathons eher auf ihre Überzeugungskraft bauen - und auf den Faktor Witt hoffen. "Katarina Witt verkörpert Exzellenz, aber ich würde ihr Charisma nicht überbewerten. Kein IOC-Mitglied lässt sich durch Charme überzeugen", meinte der Russe Witali Smirnow. "Ich bin seit 40 Jahren im IOC, und ich weiß, dass ich nichts weiß", philosophierte der 76-Jährige, "aber ich würde meinen deutschen Freunden sagen, kämpft weiter."

Verwendete Quellen: Sven Busch, dpa