Mittwoch, 06. Juni 2007
Doping und die Folgen: T-Mobile verklagt Ärzte
T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton hat den kompletten Rückzug der Uniklinik Freiburg aus allen Bereichen des deutschen Leistungssports scharf kritisiert und plant rechtliche Schritte wegen Vernachlässigung der ärztlichen Pflichten. Die Abberufung aller Freiburger Mediziner im Zuge der Doping-Geständnisse der langjährigen Telekom-Teamärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich nannte der US-Amerikaner im sid-Gespräch "unverantwortlich" und kündigte ein entsprechendes Vorgehen gegen die Klinikleitung an.
"Ich halte das für eine völlig überzogene Reaktion, deshalb werden wir auf jeden Fall dagegen vorgehen. Unsere Anwälte sind bereits mit dem Fall beschäftigt", sagte Stapleton im Tour-Trainingslager seiner Mannschaft in Toulouse. Seine Fahrer hätten vor drei Wochen plötzlich ohne medizinische Betreuung dagestanden, was erhebliche Risiken mit sich gebracht hätte, kritisierte der Rennstall-Chef: "Die Ärzte hatten eine vertragliche und ethische Verpflichtung unseren Fahrern gegenüber und haben ihre Patienten ohne Vorwarnung im Stich gelassen."
Nach dem Bekanntwerden der Verwicklung von Schmid und Heinrich in systematisches Doping beim Team Telekom Mitte der 90er Jahre hatte Freiburg seine Mediziner unter anderem von mehreren Radrennen zurückgezogen, um zunächst das gesamte Ausmaß der Verwicklung seiner Angestellten in den Doping-Skandal zu überprüfen. So mussten die T-Mobile-Athleten während der zweiten Giro-Hälfte, bei der Bayern-und der Katalonien-Rundfahrt sowie der Tour de l'Aude der Frauen ohne gewohnte ärztliche Unterstützung auskommen. Beim Kanadier Michael Berry sei eine verschleppte Lungenentzündung die Folge gewesen, führte Stapleton als Beispiel an.
In der Vorbereitung auf die in vier Wochen beginnende Tour de France arbeitet der Bonner Rennstall derzeit notdürftig mit zwei Ärzten zusammen, die nicht aus Freiburg stammen. Bis zum Tourstart am 7. Juli sollen zwei weitere Mediziner zur Unterstützung hinzukommen. Stapleton bestätigte, dass es bereits Angebote anderer Kliniken für die Zusammenarbeit ab der kommenden Saison gebe.
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