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Besiegte die Deutschen bei der EM 2012 in Warschau fast im Alleingang: Doppeltorschütze Mario Balotelli.
Besiegte die Deutschen bei der EM 2012 in Warschau fast im Alleingang: Doppeltorschütze Mario Balotelli.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 29. Juni 2016

Dreimal Halbfinale, einmal Finale: Es gibt doch ein Italien-Trauma

Deutschland gegen Italien, das ist ein Fußball-Klassiker, der für die DFB-Mannschaften fast immer mit großen Schmerzen verbunden war. Ein Rückblick auf die bisherigen Spiele bei EM- und WM-Turnieren.

WM-Vorrunde, 31. Mai 1962, Santiago: Italien - Deutschland 0:0

Uwe Seeler versucht den italienischen Schlussmann Lorenzo Buffon zu überwinden.
Uwe Seeler versucht den italienischen Schlussmann Lorenzo Buffon zu überwinden.(Foto: imago/United Archives International)

Italien: Buffon - Losi, Robotti - Maldini, Salvadore, Radice - Rivera, Ferrini, Altafini, Sivori, Menichelli

Deutschland: Fahrian - Nowak, Schnellinger - Schulz, Erhardt, Szymaniak - Sturm, Haller, Seeler, Schäfer, Brülls Schiedsrichter: Morgan (Kanada)

Die Zuschauer pfiffen aus Leibeskräften. Zunächst gegen die Italiener, die sich mit harscher Kritik am Ausrichter Chile unbeliebt gemacht hatten, dann gegen beide Mannschaften, die destruktiven Fußball boten. Die deutsche Elf brachte es immerhin durch Uwe Seeler zu einem Lattenschuss, zweimal verweigerte der kanadische Schiedsrichter der Mannschaft von Sepp Herberger einen möglichen Elfmeter. In der zweiten Hälfte beschränkten sich beide Teams nur noch darauf, Tore zu verhindern.

WM-Halbfinale, 17. Juni 1970, Mexiko-Stadt: Italien - Deutschland 4:3 (1:1, 1:0) n.V.

Boninsegna bejubelt seinen Treffer gegen Deutschland.
Boninsegna bejubelt seinen Treffer gegen Deutschland.

Italien: Albertosi - Burgnich, Cera, Rosato (90. Poletti), Facchetti - Bertini, Mazzola (46. Rivera), de Sisti - Domenghini, Boninsegna, Riva

Deutschland: Maier - Vogts, Schulz, Schnellinger, Patzke (66. Held) - Seeler, Beckenbauer, Overath - Grabowski, Müller, Löhr (52. Libuda)

Tore: 1:0 Boninsegna (8.), 1:1 Schnellinger (90.), 1:2 Müller (95.), 2:2 Burgnich (99.), 3:2 Riva (104.), 3:3 Müller (110.), 4:3 Rivera (111.)

Von einem Jahrhundertspiel war zunächst wenig zu sehen. Beide Mannschaften boten bei rund 50 Grad im Glutkessel des Azteken-Stadions von Mexiko-Stadt eher Rasenschach. Die unglaubliche Verlängerung, die das Spiel legendär machte, erzwang ausgerechnet der Italien-Legionär Karl-Heinz Schnellinger mit dem Ausgleich in der 90. Minute. Danach spielten sich die völlig erschöpften Akteure in einen Rausch und machten die Partie zum "besten WM-Spiel aller Zeiten". Gerd Müller brachte die deutsche Mannschaft zwischenzeitlich in Führung, am Ende triumphierten die Italiener.

WM-Zwischenrunde, 14. Juni 1978, Buenos Aires: Deutschland - Italien 0:0

Spiel ohne Gewinner: Kalle Rummenigge beim 0:0 gegen Italien im Juni 1978.
Spiel ohne Gewinner: Kalle Rummenigge beim 0:0 gegen Italien im Juni 1978.

Deutschland: Maier - Vogts, Rüssmann, Kaltz, Dietz - Bonhof, Flohe (69. Beer), Hölzenbein - Zimmermann (54. Konopka), Fischer, Rummenigge

Italien: Zoff - Gentile, Scirea, Bellugi, Cabrini - Benetti, Antognoni (46. Zaccarelli), Tardelli - Causio, Rossi, Bettega Schiedsrichter: Maksimovic (Jugoslawien)

Die Zuschauer in Buenos Aires bekamen wenig zu sehen: Dichter Nebel hing über der argentinischen Hauptstadt. Die deutsche Mannschaft, die schon in der Vorrunde zweimal 0:0 gespielt hatte, beschränkte sich auf die Defensive und gelegentliche Konter. Im Mittelpunkt stand Sepp Maier, der nicht nur mit seinem 16. WM-Spiel einen Torwartrekord aufstellte, sondern auch mit mehreren Glanzparaden eine Niederlage verhinderte. Der Punkt nutzte dem Team von Helmut Schön am Ende wenig, durch die Schmach von Cordoba gegen Österreich (2:3) in der zweiten Finalrunde verspielte die deutsche Mannschaft die Chance auf einen Platz unter den ersten Vier.

WM-Finale, 11. Juli 1982, Madrid: Italien - Deutschland 3:1 (0:0)

Schumacher, Briegel, Breitner, Fischer, Rummenigge: Die DFB-Elf war 1982 gespickt von Stars. Gegen Italien hatte sie trotzdem keine Chance.
Schumacher, Briegel, Breitner, Fischer, Rummenigge: Die DFB-Elf war 1982 gespickt von Stars. Gegen Italien hatte sie trotzdem keine Chance.(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Italien: Zoff - Gentile, Scirea, Collovati, Cabrini - Conti, Oriali, Bergomi, Tardelli - Rossi, Graziani (8. Altobelli, 89. Causio)

Deutschland: Schumacher - Briegel, Karlheinz Förster, Stielike, Bernd Förster - Dremmler (63. Hrubesch), Kaltz - Littbarski, Breitner - Fischer, Rummenigge (70. Hansi Müller) Schiedsrichter: Coelho (Brasilien)

Tore: 1:0 Rossi (57.), 2:0 Tardelli (69.), 3:0 Altobelli (81.), 3:1 Breitner (83.)

Nach der "Schande von Gijon", dem Nichtangriffspakt beim 1:0 gegen Österreich, sowie der Attacke von Toni Schumacher gegen den Franzosen Patrick Battiston im Halbfinale hatte das deutsche Team wenig Sympathien. In der ersten Halbzeit hatte die Mannschaft von Jupp Derwall Glück, als Antonio Cabrini einen Elfmeter verschoss. Danach setzte sich Technik gegen Kampfkraft durch: Paolo Rossi wurde mit seinem sechsten Tor endgültig zum Star der WM. Als Paul Breitner - als bislang einziger Deutscher - auch in seinem zweiten WM-Finale traf, war längst alles entschieden.

EM-Gruppenphase, 10. Juni 1988, Düsseldorf: Deutschland - Italien 1:1 (0:0)

Andreas Brehme feiert sein 1:1-Tor gegen Italien.
Andreas Brehme feiert sein 1:1-Tor gegen Italien.

Deutschland: Immel - Herget - Kohler, Buchwald - Berthold, Littbarski, Matthäus, Thon, Brehme (74. Borowka) - Völler (82. Eckstein), Jürgen Klinsmann. - Trainer: Beckenbauer.

Italien: Zenga - Franco Baresi - Bergomi, Ferri, Maldini - Donadoni, De Napoli (87. De Agostini), Giannini, Ancelotti - Mancini, Vialli (89. Altobelli). - Trainer: Vicini Schiedsrichter: Keith Hackett (England England)

Tore: 0:1 Mancini (53.), 1:1 Brehme (56.)

Das Eröffnungsspiel. Italien war überlegen, ging in der 53. Minute durch Roberto Mancini, heute Meistermacher von Manchester City, in Führung. Andreas Brehme glich mit einem Freistoß aus - Italiens Torhüter Walter Zenga hatte den Ball zu lange festgehalten. Ansonsten: keine besonderen Vorkommnisse.

EM-Gruppenphase, 19. Juni 1996, Manchester: Italien - Deutschland 0:0

Bei der EM 1996 spielte beide Teams wieder unentschieden, hier duellieren sich Paolo Maldini und Jürgen Klinsmann in der Luft.
Bei der EM 1996 spielte beide Teams wieder unentschieden, hier duellieren sich Paolo Maldini und Jürgen Klinsmann in der Luft.

Italien: Peruzzi - Costacurta, Mussi, Maldini, Carboni (76. Torricelli) - Fuser (81. Di Livio), Albertini, Di Matteo (67. Chiesa), Donadoni - Casiraghi, Zola. - Trainer: Sacchi.

Deutschland: Köpke - Freund, Sammer, Helmer - Strunz, Häßler, Eilts, Ziege - Möller (89. Bode) - Bobic, Klinsmann. - Trainer: Vogts Schiedsrichter: Guy Goethals (Belgien)

Das große Spiel von Andreas Köpke. Der heutige Bundestorwarttrainer entschärfte Großchancen in Serie, hielt sogar einen Elfmeter von Gianfranco Zola (9.) - Italien war draußen, Deutschland Gruppensieger und auf dem Weg zum Titel. Über Kroatien und England ging es ins Finale gegen Tschechien, dann kam Oliver Bierhoff, der heutige Manager der Nationalmannschaft, mit seinem Golden Goal.

WM-Halbfinale: 4. Juli 2006, Dortmund: Deutschland - Italien 0:2 (0:0) n.V.

Besonders bitter: die Niederlage in der letzten Minute der Verlängerung bei der Heim-WM.
Besonders bitter: die Niederlage in der letzten Minute der Verlängerung bei der Heim-WM.(Foto: imago/Kolvenbach)

Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Schneider (83. Odonkor), Kehl, Ballack, Borowski (73. Schweinsteiger) - Klose (111. Neuville), Podolski. Trainer: Klinsmann

Italien: Buffon - Zambrotta, Materazzi, Cannavaro, Grosso - Perrotta (104. Del Piero), Pirlo, Gattuso, Camoranesi (91. Iaquinta) - Totti - Toni (74. Gilardino). Trainer: Lippi Schiedsrichter: Benito Archundia (Mexiko)

Tore: 0:1 Grosso (119.), 0:2 Del Piero (120.+1)

Das abrupte Ende des Sommermärchens. Italien war besser, brachte aber den Ball nicht ins Tor - und dann kam Andrea Pirlo. Ein Pass wie ein Kunstwerk, als alle aufs Elfmeterschießen warteten, und Fabio Grosso drehte den Ball um Jens Lehmann herum. Das 0:2 durch Alessandro Del Piero war ganz egal. Italien holte fünf Tage später den Titel, Deutschland tröstete sich damit, eine unglaubliche WM auf die Beine gestellt zu haben.

EM-Halbfinale, 28. Juni 2012, Warschau: Deutschland - Italien 1:2 (0:2)

Deutschland: Neuer - Boateng (71. Thomas Müller), Hummels, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger, Khedira - Kroos, Özil, Podolski (46. Reus) - Gomez (46. Klose). - Trainer: Löw

Italien: Buffon - Balzaretti, Barzagli, Bonucci, Chielini - Pirlo - Marchisio, Montolivo (64. Motta), De Rossi - Balotelli (70. Di Natale), Cassano (58. Diamanti). - Trainer: Prandelli Schiedsrichter: Stéphane Lannoy (Frankreich)

Tore: 0:1 Balotelli (20.), 0:2 Balotelli (36.), 1:2 Özil (90., Handelfmeter)

An diesem Abend wurde Mario Balotelli zum Deutschland-Schreck. Der danach bei keinem Verein glücklich gewordene Stürmer erzielte schon vor der Pause zwei Tore und feierte das zweite mit einer Bodybuilder-Pose. Ernsthaft hoffen durfte das DFB-Team danach nicht mehr, das Anschlusstor von Mesut Özil per Handelfmeter fiel erst in der Nachspielzeit. Italien verlor das Finale gegen Spanien sang- und klanglos mit 0:4.

Quelle: n-tv.de