Louis van Gaal weiß spätestens jetzt, dass öffentliche Kritik beim FC Bayern nur von unten nach oben verpönt ist.
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Donnerstag, 19. November 2009
"Muss Delegieren lernen": Bayern-Spitze kritisiert van Gaal
Absage an einen Alleinregenten, Verzicht auf das 4-3-3-System, Appell für eine sympathischere Außendarstellung - die Führungsspitze von Bayern München hat Trainer Louis van Gaal deutlich kritisiert und seine Zukunft beim deutschen Rekordmeister damit infrage gestellt."So ein großes Unternehmen, wie es der FC Bayern geworden ist, lässt sich nicht mehr allein von einer Person führen. Louis van Gaal ist der Meinung, dass er alles selbst regeln muss", sagte Manager Uli Hoeneß der "Bild".
Bayern-Manager Uli Hoeneß sieht "eine gewisse Problematik" zwischen van Gaal und Stürmer Luca Toni.
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Bestes Beispiel sei der Streit zwischen van Gaal und Weltmeister Luca Toni, den der niederländische Coach alleine führen wolle: "Aber alles schafft ein einzelner nicht." Auf die Frage, ob van Gaal oder Toni im nächsten Sommer noch beim FC Bayern seien, gab es kein Treuebekenntnis von Hoeneß für den Coach: "Schwierig zu sagen. Im Moment gibt es eine gewisse Problematik zwischen Trainer und Spieler." Bis zur Winterpause gebe es noch fünf Bundesliga- und zwei Champions-League-Spiele, die müsse man abwarten: "Ich kann nicht immer sagen: Es ist alles super, wenn wir Achter sind."
Außendarstellung suboptimal
Bayern-Präsident Franz Beckenbauer fügte im Stil eines Schulmeisters hinzu, dass der 58 Jahre alte "Tulpen-General" van Gaal lernen müsse, "Vertrauen und Verantwortung zu delegieren". Er wolle in der Öffentlichkeit die unterhaltsame Seite nicht zeigen, "weil er gerne als Autoritätsperson dasteht" – deshalb präsentiere er sich konsequent, kompromisslos, oft knochentrocken und verspiele damit Sympathien.
Unnötigerweise, wie Hoeneß findet, weil der Niederländer eigentlich ganz anders sei: "Es gibt einen Louis van Gaal, den die Öffentlichkeit aus den TV-Auftritten kennt. Und einen, den ich kennenlerne am Freitagabend, wenn er die Vorbereitung auf das Spiel abgeschlossen hat", sagte der Manager - und riet dem 58- Jährigen zu einer regelrechten Charme-Offensive. "Da trinkt er spanischen Rioja-Rotwein und ist total unterhaltsam. Diese Art und dieses Lächeln muss er nur mal in der Öffentlichkeit rüberbringen."
Plädoyer für 4-4-2
Hoeneß untergrub in dem Interview auch die fachliche Autorität des ehemaligen Champions-League-Gewinners, der ein 4-3-3-Spielsystem bevorzugt. "Wir haben mit van Gaal vor dem Robben-Transfer klar besprochen, dass man mit diesen Spielern auch 4-4-2-spielen kann. Wir wollen 4-4-2 spielen", sagte Hoeneß. Der 25-Millionen-Euro-Transfer von Robben sei nur abgewickelt worden, weil der Niederländer im Gespräch mit van Gaal versichert habe, auch im rechten Mittelfeld zu spielen.
Arjen Robben kann auch in einem 4-4-2-System spielen, glaubt Hoeneß.
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Eine mögliche Lösung für die Zukunft sei laut Hoeneß, dass Trainer, Vorstand und alle weiteren Beteiligten erkennen müssten, dass sie kooperieren müssen: "So eine geballte Kompetenz hatte Louis van Gaal bislang in keinem seiner Klubs. Vielleicht tut er sich damit im Moment noch ein bisserl schwer." Die Vereinsspitze wolle ihm mit ihrem Wissen nur helfen und ihm einen Teil "der großen Verantwortung hin und wieder abnehmen".
Keine Neuzugänge im Winter
Der Manager, der bei der Jahreshauptversammlung am 27. November auf den Präsidentenposten wechseln soll, schloss Neuverpflichtungen in der Winterpause aus: "Nein, wir werden mit Sicherheit keinen Spieler kaufen. Eher den einen oder anderen unzufriedenen Spieler abgeben, wenn er gehen will."
Der an der Patellasehne verletzte Superstar Franck Ribery sei am vergangenen Dienstag unter Vollnarkose an den Zähnen behandelt worden. In der kommenden Woche soll der Franzose laut Hoeneß ins Training zurückkehren.
sid/dpa
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