Presse lästert über Trainer

"Defensiv unfähige" Engländer lassen Druck auf Tuchel steigen

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27.09.2026 | 12:42 Uhr
Thomas Tuchels Engländer haben Weltmeister Spanien in einem spektakulären Nations-League-Spiel am Wickel. Am Ende verlieren die Three Lions auch, weil Bayern-Star Harry Kane einen Elfmeter verschießt. Die Kritik am deutschen Trainer nimmt zu.

Thomas Tuchel nahm immer wieder einen Schluck aus seiner Wasserflasche. "Es ist nicht das Ergebnis, das wir wollten", sagte der Trainer der englischen Fußball-Nationalmannschaft nach diesem spektakulären 2:3 (2:1) gegen Spanien, das auch ihn persönlich ein paar Nerven gekostet haben dürfte. "Wir müssen damit leben, uns davon erholen, daraus lernen." Und das möglichst schnell. Denn schon am Dienstag geht's in Tschechien weiter.

Tuchel ist durch die Auftakt-Niederlage in der Nations League auf der Insel noch mal stärker unter Druck geraten. Die Partie gegen den Weltmeister habe zwar Spaß gemacht, urteilte der "Telegraph". "Aber wann wird Tuchel endlich die englische Abwehr in Ordnung bringen?", hieß es in dem Blatt auch. In Prag sollten sich die Three Lions eine solche Anzahl an individuellen Schnitzern nicht erlauben, wollen sie am Ende nicht einen kompletten Fehlstart hinlegen.

England erleidet "neuen Einbruch"

Der hohe Unterhaltungswert des Spiels im Wembley-Stadion war am Samstag das eine, die mitunter erschreckende Abwehrleistung der Engländer das andere. Zumindest werde diese Niederlage die Fans nicht ihr Leben lang verfolgen, prophezeite "The Athletic" in einem Kommentar. Vielmehr vermittle sie einen Eindruck, wohin die Reise unter dem deutschen Trainer noch gehen könnte. Und doch weckte sie eben auch Erinnerungen an das Halbfinal-Aus bei der WM im Sommer. Von einem "neuen Einbruch" schrieb "The Guardian".

Im Juli in Atlanta war den Engländern die Partie gegen Argentinien im Lauf der zweiten Halbzeit völlig entglitten - und der Titeltraum geplatzt. Gegen Spanien drehten sie einen frühen Rückstand nun zunächst in ein 2:1, verschossen in Person von Harry Kane dann aber einen Foulelfmeter zum möglichen 3:1 - und verloren schließlich noch mit 2:3. "Leider bin ich ausgerutscht, mein linker Fuß hat nachgegeben, aber so ist das Leben eines Stürmers", sagte Kane.

Skandal um ManCity für Tuchel kein Thema

Das Malheur des Stürmerstars vom FC Bayern München war ein Wendepunkt der Partie. "Ich glaube, in dem Moment wäre es der entscheidende Schlag gewesen", sagte Tuchel. So aber habe seine mitunter furios spielende Mannschaft das Momentum verloren. Und letztlich auch das Spiel. Man habe "zu viele große Fehler in entscheidenden Bereichen gemacht", urteilte er.

Dass gerade die Profis von Manchester City durch den Finanzskandal um den englischen Topclub abgelenkt worden sein könnten, glaubte Tuchel nicht. Er könne sich vorstellen, dass die Spieler darüber geredet hätten. Mehr aber nicht. "Wir haben bei der Weltmeisterschaft ein gutes Niveau erreicht, konnten aber nicht über die gesamten 90 Minuten konstant gute Leistungen abrufen", analysierte Kapitän Kane bei ITV Sport. "Heute war es dasselbe."

Tuchels DNA-Debatte fliegt ihm um die Ohren

Womöglich habe sich Tuchels Team von den Diskussionen über die englische DNA vor dem Spiel beeinflussen lassen, mutmaßte die "Daily Mail". "England findet seine DNA: defensiv unfähig", kommentierte der "Telegraph". Es sind Anspielungen an eine in England umstrittene Aussage des 53-jährigen Tuchel.

Der hatte das WM-Aus gegen Argentinien unter anderem damit erklärt: "Ich denke, dass Ballbesitz eine wichtige Rolle spielt. Es ist aber vielleicht nicht so in unserer DNA wie in der spanischen DNA oder der argentinischen oder der brasilianischen DNA, das Spiel mit dem Ball zu kontrollieren."

Der Auftritt gegen die nun seit 39 Spielen unbesiegten Spanier zeigte: Es geht voran mit Tuchels Engländern. Und dennoch würde eine weitere Niederlage in Tschechien den Coach in arge Nöte bringen. Tuchel selbst weiß, dass er liefern muss. "Wir müssen das, was wir gut gemacht haben, auf demselben Niveau fortführen und unsere eigenen Fehler reduzieren und abstellen", forderte er. Und nahm einen weiteren Schluck aus seiner Wasserflasche.

Verwendete Quellen: ntv.de, Christoph Lother und Jörg Soldwisch, dpa