
Der deutsche Fußballmeister VfL Wolfsburg hat Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner ein längeres Engagement in Aussicht gestellt. "Im Moment ist geplant, dass er wieder die zweite Mannschaft übernimmt, aber im Fußball ist alles möglich", sagte VfL-Manager Dieter Hoeneß bei der Vorstellung des 57 Jahre alten bisherigen Amateurtrainers der Wolfsburger. "Wir müssen wieder Boden unter die Füße bekommen. Wir sind der Auffassung, dass er das kann."
Wer auf Dauer Nachfolger des am Montag entlassenen Armin Veh wird, ist nach wie vor unklar. Einen Tag nach dem Rauswurf des früheren Stuttgarter Trainers, der mit seinem missglückten Engagement in Wolfsburg nun das zweite Mal in seiner Karriere bei einem Meisterteam gescheitert ist, hat der VfL weder einen konkreten Plan noch Eile.
Gerüchte um Schuster und Stevens
"Wir werden uns die Zeit nehmen, die nötig ist, um diese Entscheidung zu treffen", sagte Hoeneß, der gerne bis zum Saisonende warten würde. "Idealerweise würden wir den Nachfolger gerne aus einem Kandidatenkreis auswählen, der größer ist als der Kreis derer, die aktuell auf dem Markt sind."

Vor allem Bernd Schuster, den lokale Berichterstatter immer wieder ins Spiel gebracht hatten, bezeichnete Hoeneß als "Wunschdenken der Medien". Der ehemalige Trainer von Real Madrid gilt als Freund von Aufsichtsratschef Francisco Garcia Sanz. Auch über andere große Namen wie Guus Hiddink oder Marco van Basten sollen die Bosse von VfL-Eigentümer VW demnach nachdenken. "Wir haben über einige Namen gesprochen", räumte Hoeneß ein, konkrete Gespräche mit Kandidaten habe es aber noch nicht gegeben.
Wolfsburger Zeitungen berichteten dagegen, dass Huub Stevens, mit dem Hoeneß bei Hertha BSC zusammenarbeitete, bereits kontaktiert worden sei. Doch der derzeitige Coach von Red Bull Salzburg ist wohl frühestens im Sommer verfügbar. Spätestens dann würde Köstner wieder in das zweite Glied rücken. "Dann geh ich wieder zur Zweiten. Da habe ich kein Problem mit", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi.
Guter Coach beim falschen Team
Für ihn sei es "überhaupt keine Frage" gewesen, als er am Montag aufgefordert wurde, aus dem Trainingslager des Regionalliga-Teams aus Norditalien zurückzukehren. "Da gab es kein Nachdenken", sagte Köstner, dem die Begeisterung für den Job anzumerken war. "Ich kämpfe um die Sache." Hoeneß gab ihm unmissverständlich mit auf dem Weg, was der VfL nun von ihm erwarte. "Ich glaube, dass mal wieder etwas Zug und eine klare Ansprache notwendig sind", befand Hoeneß. Offenbar hat es genau in diesem Bereich unter Veh zuletzt gemangelt.
Über den VfL-Absturz unter dem einstigen Stuttgarter Meistercoach Veh wollte der Manager dagegen nicht mehr sprechen. "Armin Veh ist ein sehr, sehr guter Trainer, nur hat er hier keinen Erfolg gehabt." Den soll nun Köstner zurück bringen. "Wir brauchen einfach die Ergebnisse", sagte er. Kein leichtes Unterfangen angesichts der kommenden vier Gegner HSV, Bayern München, Leverkusen und Schalke 04.
Rever und Rafinha an der Angel
Nicht bis zum Saisonende warten will der VfL mit der Verstärkung seiner löchrigen Defensive. Ein Kandidat zur Stabilisierung der nach Hertha zweitschlechtesten Abwehr der Liga ist der brasilianische Innenverteidiger Rever vom Erstligisten Gremio Porto Alegre. Nach übereinstimmenden Medienberichten in Brasilien bieten die Niedersachsen fünf Millionen Euro für den 1,93 Meter großen Hünen. Gremios Fußball-Direktor Luiz Onofre Meira bestätigte ein Angebot des VfL, aber nicht die Summe.

Laut Meira locken die Wolfsburger den 25-Jährigen mit einem Fünf-Jahres-Vertrag. Das Problem: Der Brasilianer wäre keine sofortige Verstärkung für die instabile VfL-Abwehr, da er sich im Spiel am Wochenende einen Handbruch zugezogen hat und deshalb mindestens drei Wochen pausieren muss.
Zur Hängepartie wird für die Wolfsburger hingegen der Transfer von Außenverteidiger Rafinha vom Ligakonkurrenten Schalke 04. Mit dem Brasilianer soll zwar bereits Einigkeit bestehen, die Verhandlungen mit den Gelsenkirchenern ziehen sich jedoch weiter hin. "Die Wahrscheinlichkeit, dass er kommt, ist unabsehbar. Wir sind nicht bereit, Summen von 10 bis 14 Millionen Euro zu zahlen", sagte VfL Manager Dieter Hoeneß der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung".

