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Wutanfall? Wertschätzung? Joseph Guardiola beschäftige sich nach Apbfiff jedenfalls intensiv mit seinem Jungstar Joshua Kimmich.
Wutanfall? Wertschätzung? Joseph Guardiola beschäftige sich nach Apbfiff jedenfalls intensiv mit seinem Jungstar Joshua Kimmich.(Foto: imago/Team 2)

Kuriose Szenen nach BVB-Gipfel: Kimmich lässt Guardiola liebevoll wüten

Das Spiel ist aus, der FC Bayern hat 0:0 beim BVB gewonnen - und Josep Guardiola steht auf dem Dortmunder Rasen, redet ewig auf Jungstar Joshua Kimmich ein, gestikuliert, erklärt, herzt, schimpft. Was wie ein Wutanfall wirkt, ist Zeichen höchster Wertschätzung.

Kühn hatte Joshua Kimmich sämtlichen BVB-Angriffen getrotzt - aber Sekunden nach dem Abpfiff kam ein Wirbelwind auf ihn zugestürmt, gegen den Pierre-Emerick Aubameyang im Sprint nur ein Lufthauch ist. Wie wild redete Pep Guardiola auf den 21-Jährigen ein. Er stieß ihn vor sich her, er legte die Hände um seinen Hals, zog ihn wieder heran, seine Hände zuckten auf und ab, hin und her. Stirn an Stirn setzte es für Joshua Kimmich eine Taktik-Lektion höchster Intensität.

Was wie ein Wutanfall des Trainers von Bayern München aussah, war ein Ausdruck großer Wertschätzung. "Ich liebe diesen Jungen! Er hat alles, er kann alles, er gibt alles", schwärmte Guardiola, "Wahnsinn, Wahnsinn." Er wolle, sagte er und stach einen Zeigefinger nach oben, den Journalisten einen Ratschlag geben: "Sagt nie wieder, dass er nicht in der Innenverteidigung spielen kann! Er kann jeden Spieler der Welt verteidigen." Und, Ende des Hohelieds, typisch Guardiola: "Mit diesem Spieler kannst Du gehen wherever you want."

"Er kritisiert öfter"

Kimmich ließ den deutsch-englischen Redeschwall des katalanischen Fußball-Lehrers artig über sich ergehen. Jedes Wort habe er nicht verstanden, wohl aber was Guardiola ihm sagen wollte: "Er kritisiert öfter. Er ist einfach nie zufrieden, will immer das Maximale herausholen", sagte der 21-Jährige. Das sei auch gut, "damit man sich immer weiter verbessert".

Trotz aller Bescheidenheit: Selbstverständlich kam nach Kimmichs in der Tat exzellenter Leistung die Frage, die kommen wusste. Matthias Sammer beantwortete sie. "Bei ihm kommen zwei Dinge infrage: Die EM oder Olympia", sagte der Sportvorstand. "Wir sind mit allem einverstanden." Joachim Löw wird im Stadion nicht nur ob dieser Empfehlung aufgemerkt haben. Kimmich spielte intelligent, abgeklärt, er hatte 121 Ballkontakte, die beste Passquote im Team (94 Prozent) und die zweitbeste Zweikampfbilanz (64 Prozent). Es ist keine Kunst, zu vermuten, dass der Bundestrainer ihn im Notizbuch vermerkt hat.

"Männlein des Abends"

Selbst ist Joshua Kimmich, er besteht auf "Josua", kein Mann großer Worte. Er ist bescheiden, zurückhaltend, fast schüchtern. "Es ist wichtig, auf Fehler angesprochen zu werden. Das hilft", sagte er. Ansonsten beschränkte er sich auf wenige nichtssagende Sätze zum 0:0 im Topspiel. Auch bei Facebook, Twitter oder Instagram produziert Kimmich sich im Gegensatz zu vielen Teamkollegen nicht. Die "Süddeutsche Zeitung" nannte ihn "Männlein des Abends", auch, weil er Marco Reus eine Riesenchance vom Fuß stibitzt hatte. Das passte. Einiges spricht dafür, dass der beim VfB Stuttgart und später bei RB Leipzig ausgebildete Junge aus Rottweil bald eine Stütze dieser Münchner Weltklassemannschaft sein wird. Oder von zweien, wenn es für die Nationalmannschaft reicht.

Löw, der ein "irres Tempo und eine unglaubliche Geschwindigkeit im Spiel" sah, hält die Tür offen: Spieler der Marke Kroos, Müller, Neuer müsse er nicht beobachten, sagte er zuletzt. Er beobachte jene, die "künftig eine Rolle spielen könnten". Beim FC Bayern gibt es da einen.
Wobei Kimmich auch nicht unfehlbar ist: Im Champions-League-Hinspiel verkorkste er seine bravouröse Leistung mit zwei Fehlern, was Juventus Turin ein Comeback zum 2:2 ermöglichte. Egal, sagt Guardiola: "Er will lernen. Er lernt." Thomas Tuchel raunte dem Spanier zu: "He's a very good guy."

Quelle: n-tv.de

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