Montag, 24. Oktober 2011
Wachablösung in Englands Fußball?: Manchester City bremst Euphorie
Trotz des historischen 6:1-Erfolgs beim Stadtrivalen United treten sie bei Bayern Münchens Champions-League-Gegner Manchester City auf die Euphoriebremse. Britische Medien sprechen dagegen schon von einer Wachablösung an der Spitze der englischen Fußball-Eliteliga.
"Warum immer ich?": Mario Balotelli, Manchester City, jubelt mit dem Kollegen Edin Dzeko.
(Foto: REUTERS)
Weinende Fans, ein restlos bedienter Sir Alex Ferguson, und ein skurriler Torjubel von Gegner Mario Balotelli: Im 161. Derby gegen den Stadtrivalen City musste Manchester United eine historische Tracht Prügel einstecken, die im Fußball-Mutterland Eintrag in die Geschichtsbücher finden wird. Denn es war die höchste Derby-Pleite seit 1926, damals hieß es ebenfalls 1:6 gegen City. Mehr Heim-Gegentore kassierten die Red Devils vor 81 Jahren beim 4:7 gegen Newcastle United. Umgekehrt stellte das City-Starensemble seinen Premier-League-Rekord aus dem Vorjahr (6:1 beim FC Burnley) ein und schwang sich mit nunmehr fünf Zählern Vorsprung auf Titelverteidiger ManUnited zum Titel-Top-Favoriten auf.
"Für mich war dies mein schlimmster Tag im Fußball", erklärte Uniteds 69 Jahre alte Trainer-Ikone Ferguson geschockt. Mann des Tages bei den Triumphatoren aus dem Osten Manchesters war Balotelli. Der Stürmer traf zweimal (32./60. Minute). Ungewöhnlich fiel die Jubelpose des exzentrischen Italieners nach dem ersten Tor aus: Er präsentierte unter seinem Trikot ein T-Shirt mit der Aufschrift "Warum immer ich?". Es war eine Anspielung auf einen Vorfall im Hause Balotelli. Am Freitag hätten Feuerwerkskörper im Badezimmer beinahe einen Großbrand ausgelöst.
"Manchester City nun Titelfavorit"
Maradonas Schwiegersohn Sergio Agüero (69.), der eingewechselte Ex-Wolfsburger Edin Dzeko (89./90.+3) und der Spanier David Silva (90.+1) sorgten in der Schlussphase mit ihren Toren für das ManU-Debakel. "Mit sechs Treffern bei Manchester United zu gewinnen, ist einfach unglaublich", jubelte Dzeko. Britische Medien sehen nach der spielerisch wie taktisch brillanten Leistung der Citizens bereits eine Wachablösung im englischen Fußball. "Für die unterdrückten Menschen von Manchester City war es der Tag, an dem der Diktator beseitigt und seine Statue gestürzt wurde", schrieb "The Independent" mit viel Pathos, "nach vielen Jahren in der zweiten Reihe war es für City der Unabhängigkeitstag."
"The Guardian" befand: "Zu den Lehren aus dem Derby gehört, dass Manchester City nun Titelfavorit ist." BBC-Chefkommentator Phil McNulty glaubt hingegen: "United ist so aufgestellt, dass so eine Niederlage die Machtverhältnisse in der Stadt nicht gleich durcheinanderbringt." Auch Citys Coach Roberto Mancini war nach der Partie bemüht, die Euphorie zu bremsen: "United ist uns immer noch ein Stück voraus, wir können dies nur ändern, wenn wir einen Titel gewinnen."
Borussia Dortmunds Champions-League-Kontrahent FC Arsenal kam mit dem deutschen Nationalspieler Per Mertesacker zu einem 3:1-Heimerfolg gegen Stoke City. Die Gunners verbesserten sich mit dem vierten Heimsieg in Serie mit 13 Punkten auf den siebten Tabellenplatz. Auf Mertesacker prasselte in "The Daily Mirror" Lob ein: "Englische Spieler sollten Mertesackers Beispiel folgen. Er ist entschlossen, Arsenal zu helfen und hochmotiviert, in der Premier League auch seinen persönlichen Horizont zu erweitern."
Carsten Germann, dpa
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