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Mini-EM vor der richtigen Euro: UEFA hat eine abstruse Idee

Die Fußball-Europameisterschaft 2016 findet mit 24 statt 16 Teams statt, was der Qualifikation erheblich an Reiz nimmt. Um dennoch keine finanziellen Abstriche hinnehmen zu müssen, plant die UEFA vorab ein Mini-Turnier mit den besten EM-Qualifikationsteilnehmern. Nicht nur der DFB findet das unsinnig.

Die Euro 2016 in Frankreich findet erstmals mit 24 Mannschaften statt.
Die Euro 2016 in Frankreich findet erstmals mit 24 Mannschaften statt.(Foto: REUTERS)

Die Fußball-WM 2022 wurde vom Weltverband FIFA nach Katar vergeben, obwohl dort im Sommer Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius herrschen und die Bewerbung technisch gesehen die schlechteste war. Nun wird in Zürich seit fast einem Jahr gegrübelt, wie man sich aus der Misere befreien kann, um Fans und Spieler doch noch vor der sengenden Hitze zu bewahren. Objektive Gründe, warum er für Katar als Ausrichter einer Sommer-WM gestimmt hat, kann kein FIFA-Funktionär nennen - obwohl gleich 14 von ihnen für den Wüsten-Zwergstaat als Ausrichter waren.

Auch das europäische Pendant der FIFA, die Europäische Fußball-Union, plagt ein selbstverschuldetes Problem. Grund ist die im September 2008 getroffene Entscheidung, die Zahl der EM-Teilnehmer ab 2016 um acht auf dann 24 zu erhöhen. Das verwässert nicht nur die Europameisterschaft, die im Vergleich zu WM-Endrunden bislang durch qualitativ hochwertigere Spiele aufgefallen ist. Es entwertet vor allem die Qualifikation, da es nun fast jeder zweite der 53 Teilnehmer auch zur EM schafft.

Dass Spannung verloren geht, interessiert die UEFA dabei nur aus einem Grund: sie fürchtet finanzielle Verluste. Das bestätigte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Durch die Aufstockung werde "auch die Vermarktung der EM-Qualifikation ein Stück weit schwieriger." Das ist ein Problem, da die UEFA durch die Einführung der TV-Zentralvermarktung der europäischen EM- und WM-Qualifikationen garantierte Millionen-Summen an alle 53 Mitglieder zahlen muss.

Denkmodelle auf Management-Ebene

Um Abhilfe zu schaffen und mehr Einnahmen zu generieren, wurden auf der "Management-Ebene der UEFA (...) einige Denkmodelle" erstellt, wie es Niersbach formuliert, und beim jüngsten Treffen auf Zypern diskutiert. Zumindest die Idee einer Mini-EM zeigt deutlich, dass sie von Funktionären an Schreibtischen ersonnen wurde. Sie glänzt durch Praxisferne, denn sie sieht vor, wenige Monate vor der eigentlichen Europameisterschaft ein Turnier der Gruppensieger aus der Qualifikation und des Gastgebers auszutragen. Jener Teams also, die wenige Monate später bei der richtigen Europameisterschaft ebenfalls zu den Favoriten zählen dürften.

Bei DFB-Teammanager Oliver Bierhoff hat zwar per Fernstudium Betriebswirtschaftslehre studiert und nach 25 Semestern auch erfolgreich abgeschlossen. Anklang findet das rein profitorientierte Denkmodell einer Mini-EM bei ihm nicht, sagte er der "Sport Bild": "Ich halte ein solches Turnier für nicht sinnvoll, da gerade diese Mannschaften sechs Monate später als Höhepunkte bei der EM aufeinandertreffen sollen." Außerdem nutze man die offenen Termine gern für selbst organisierte Länderspiele, die dann den nationalen Verbänden schöne Einnahmen bescheren.

Niersbach glaubt nicht daran, dass sich die Mini-EM durchsetzen wird. Nicht nur der DFB, auch andere Verbände seien diesbezüglich äußerst skeptisch. Deshalb glaube er, "dass es in der Qualifikation zur EM 2016 keine Veränderungen geben wird". Nötig wären sie nur aus finanziellen Gründen. Im Gegensatz zur Hitze-WM 2022 der FIFA ist es für die UEFA nämlich kein Problem, EM und EM-Qualifikation einfach wie gehabt und beschlossen durchzuführen.

Quelle: n-tv.de

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