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Warnt die Liga: Hans-Joachim Watzke.
Warnt die Liga: Hans-Joachim Watzke.(Foto: picture alliance / dpa)

BVB-Chef: "Da kollabiert das System": Watzke wettert gegen Werksklubs

Leverkusen: mindestens 25 Millionen Euro. Wolfsburg: rund 100 Millionen Euro. Dortmund und Frankfurt warnen vor Werksklubs, die sich auf externe Finanzspritzen stützen. "Bis in die 2. Liga" schöben diese Klubs Traditionsvereine wie Köln. BVB-Chef Watzke sieht einen möglichen Zusammenbruch des Systems Bundesliga.

Die Traditionsklubs sind besorgt. Weitere Firmen-Millionen wie in Wolfsburg oder Leverkusen könnten zu einer Gefahr für die gesamte Fußball-Bundesliga werden, glaubt Dortmunds Vereinschef Hans-Joachim Watzke und warnte vor noch mehr Werksvertretungen in der obersten deutschen Spielklasse.

"Wir können nicht noch drei Mannschaften gebrauchen, die vor 25.000 Zuschauern spielen und auswärts nur 500 Zuschauer mitbringen. Da kollabiert das System, da ist es vorbei mit der Roadshow im Ausland", erklärte der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung in einer Podiumsdiskussion des "Sport Business Summit".

Unter dem Motto "Clash der Kulturen: Was Werksclubs und Traditionsvereine eint und was sie auseinander bringt" diskutierten Vertreter von Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg teilweise heftig und konträr. Traditionsvereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder der 1. FC Köln, die immer ausverkaufte Stadien haben, würden "durch die Werksklubs um drei Plätze zurückgeschoben - bis in die 2. Liga", beklagte Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Auch 1899 Hoffenheim mit Mäzen Dietmar Hopp habe eine Sonderrolle.

Millionen über Jahre

Hopp hatte über mehrere Jahre Dutzende Millionen Euro in seinen Heimatverein gepumpt. So gab Hoffenheim vor dem Aufstieg in die 1. Bundesliga mehr für Spielertransfers aus als nahezu alle Erstligavereine. Die Vorgehensweise führte teilweise zu harscher Kritik, manche sahen in Hoffenheim die Unterwanderung der "50 + 1"-Regel, nach der kein Investor die Mehrheit der Anteile an einem deutschen Klub halten darf.

Wenn jetzt etwa noch Audi sein Engagement in Ingolstadt intensivieren würde und Red Bull in Leipzig die Anstrengungen für einen Erstligaklub verstärke, könnte noch andere Klubs herausgedrängt werden, fürchtet Bruchhagen: "Wollen wir das?" Watzke ergänzte mit Hinweis auf den besonderen Status, den schon jetzt Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg durch die Zuschüsse ihrer Mütter-Unternehmen genießen: "Ich warne davor, die Reihe noch auszuweiten."

Einem gewissen Geldbetrag würde eine gewisse Leistung gegenüberstehen, bemerkte Thomas Röttgermann, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg: "Der Deal mit dem VfL ist für VW ein genialer Deal." Wolfsburg zahlt seinen Spielern sehr hohe Gehälter. Zuletzt hatte eine Liste für Aufsehen gesorgt. Demnach verdient etwa Mittelfeldspieler Diego 8,2 per annum - ohne Prämien. Volkswagen soll seinem Werksklub mit 100 Millionen Euro pro Jahr unter die Arme greifen.

Leverkusen kontert Frankfurt

Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Geschäftsführung von Bayer 04, verwies auf erbrachte Leistungen: Die 25,2 Millionen Euro pro Jahr wären weniger, als andere Vereine von Hauptsponsoren kassieren würden. Der Leverkusener Etat sei in der Liga auf Platz fünf oder sechs angesiedelt, "wir machen mit den 25,2 Millionen einen guten Job", meinte Holzhäuser. "Ich bezweifle gar nicht, dass es Neider gibt", fügte er flapsig hinzu. Aber Eintracht Frankfurt würde seit Jahren Sponsorengelder vom Flughafenbetreiber Fraport kassieren, an dem die Stadt Frankfurt und das Land Hessen Anteile besitzen. "Das ist auch eine Art Finanzdoping durch die öffentliche Hand", meinte Holzhäuser.

Was der Leverkusener nicht erwähnte: Bayer 04 kassiert seine Einnahmen für Trikotwerbung wohl zusätzlich zu dieser riesigen Summe. Zum Vergleich: Der FC Bayern München, vor Schalke mit 15 Millionen Euro pro Jahr der Bestverdiener mit Hauptsponsorverträgen, kassiert von der Deutschen Telekom in der laufenden Saison 23 Millionen Euro, inklusive Trikotwerbung.

BVB-Chef Watzke regte erneut eine andere Verteilung der TV-Gelder, der Haupteinnahmequelle der Profivereine, an, als derzeit festgelegt. Mindestens die Hälfte müsse weiter über sportlichen Erfolg vergeben werden. Doch auch andere Parameter wie Zuschauerzahl, TV-Quoten und landesweite Popularität sollten über die Höhe für den einzelnen Verein mitentscheiden. In Holland etwa werden diese Punkte mit berücksichtigt. Röttgermann hielt dagegen, es sei "immer eine Gefahr festzulegen", ob ein Verein gut oder schlecht sei. Es sei "völlig unmöglich", daraus ein Regelwerk abzuleiten.

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Quelle: n-tv.de

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