Blind in der Loipe

McKeever verwirklicht Traum

Vancouver-Olympics-Cross-Country-Skiing-McKeevers-Mission-OLY201-jpg5794877360857141035
McKeever leidet an Morbus Stargardt. (Foto: AP)
26.02.2010 | 10:48 Uhr
Als er erblindete, lief er einfach weiter. Brian McKeever kann auf eine beeindruckende Karriere im Behindertensport zurückblicken. Nun startet er als Langläufer über die Marathon-Strecke.

Brian McKeever war noch ein kleines Kind, als ihn sein Vater zum ersten Mal vor den Schatten beim Sehen warnte. Lange verschonten sie ihn, doch als der Kanadier auf die Universität ging, begannen plötzlich die Buchstaben an der Tafel vor seinen Augen zu tanzen. Binnen zwei Jahren ließ seine Sehkraft so stark nach, dass er für blind erklärt wurde. Am 28. Februar startet er als Langläufer über die Marathonstrecke von 50 km und kann die wohl inspirierendste Geschichte der Olympischen Winterspiele von Vancouver erzählen.

"Ich hoffe, den Leuten wird durch meine Story klar, dass die Kluft zwischen Behinderten und Nichtbehinderten, zwischen Paralympics und Olympia nicht so groß ist", sagt McKeever: "Bloß weil jemand eine Behinderung hat, heißt das nicht, dass er nicht hart trainieren kann oder extrem fit ist." Der 30-Jährige hat das allein dadurch bewiesen, dass er sich für das kanadische Olympia-Team qualifiziert hat.

Er lief einfach weiter

Alles begann vor zwölf Jahren. Brian McKeever war seine erste Junioren-Weltmeisterschaft gelaufen, sein Bruder Robin hatte es als Langläufer sogar zu den Winterspielen von Nagano geschafft. Plötzlich begann Brians Sehkraft zu schwinden, bei ihm wurde wie bei seinem Vater und seiner Tante Morbus Stargardt, eine genetisch bedingte Augenkrankheit, diagnostiziert.

Nachdem die erste Angst überwunden war, lief er einfach weiter. Als ihn ein Trainer fragte, ob er bei den Paralympics starten wolle, lachte er ihn zuerst aus. Doch dann erkannte Brian seine Chance. Er fragte seinen Bruder Robin, der gerade die Qualifikation für die Winterspiele 2002 verpasst hatte, ob er ihn als Begleitläufer unterstützen würde. Es war der Beginn einer großen Karriere im Behindertensport, denn Brian McKeever gewann viermal Gold bei den Paralympics.

Weitere News

Selbst Abfahrten möglich

Doch er hatte noch längst nicht genug und verwirklichte seinen olympischen Traum. Das war nur möglich, weil ihm rund zehn Prozent Sehkraft geblieben sind. "Es ist schwierig zu erklären, aber im Zentrum des Gesichtsfeldes ist alles milchig", sagt McKeever. Das, was er am Rande sieht, und seine lange Erfahrung auf der Loipe reichen aber aus, um selbst Abfahrten mit bis zu 70 Stundenkilometern zu bewältigen.

McKeever zu 90 Prozent blind

Brian McKeever wird über die 50 km keine Medaille gewinnen, aber sein Start zeigt, wie der menschliche Wille über viele Widrigkeiten siegen kann. "Dass ich blind bin, ist ein Teil von mir", sagt McKeever, "und ich mag mein Leben, wie es ist."

Verwendete Quellen: Lars Becker, sid