Abschied mit Tränen und Eskorte

Rodler hatte Angst vor der Kurve

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Mit seinem Vater sprach Nodar Kumaritaschwili noch vor dem Rennen über seine Angst. (Foto: picture alliance / dpa)
16.02.2010 | 11:11 Uhr
Nodar Kumaritaschwili wollte siegen oder sterben. Sein Vater kann nicht glauben, dass dieser Satz im Nachhinein solch eine Bedeutung bekommt. In einer kleinen Trauerfeier verabschieden sich Teamkollegen und Offizielle von dem tödlich verunglückten Rodler.

Ein brauner Sarg, ein grauer Leichenwagen - und als Kontrast die knallgelben Jacken von 14 Polizisten der Motorrad-Eskorte: Bei einer privaten Trauerfeier haben sich Freunde, Teamkollegen und Offizielle von dem tödlich verunglückten Rennrodler Nodar Kumaritaschwili aus Georgien verabschiedet. Insgesamt 50 Personen nahmen an der "kleinen und intimen Trauerfeier" teil, die nach georgischer Tradition am offenen Sarg stattfand. Noch einmal warf der Tod einen Schatten auf die Olympischen Winterspiele in Vancouver. Und wieder kam die Erinnerung an den schwarzen Freitag auf, als Kumaritaschwili auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler starb.

Nach der kurzen Zeremonie in einem Bestattungsinstitut der Olympia-Stadt wurde der Sarg mit dem Leichnam über Frankfurt/Main und München nach Georgien geflogen. In seiner Heimatstadt Borjomi soll Kumaritaschwili beigesetzt werden, der nur 21 Jahre alt wurde. Doch dann wird die Untersuchung zum Unfalltod längst nicht abgeschlossen sein - erst "in etwa zwei Monaten" soll der Bericht vorliegen, ließen die zuständigen Gerichtsmediziner der kanadischen Provinz British Columbia verlauten. "Die Gerichtsmedizin ist nicht dazu da, Fehler zu finden, sondern Empfehlungen zu geben, die die öffentliche Sicherheit erhöhen und Todesfälle in ähnlichen Situationen verhindern helfen", sagte Kate Trotter vom Regionalbüro des Coroners Service.

Saakaschwili dankt für Anteilnahme

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Dodo Kumaritaschwili kann den Tod ihres Sohnes noch immer nicht fassen. (Foto: picture alliance / dpa)

"Das war extrem schwierig und herzzerreißend", meinte John Furlong, Chef des Olympia-Organisationskomitees VANOC, nach der kurzen Andacht. Der Kanadier gehörte zu den zehn Sargträgern. Draußen vor dem Gebäude hätten viele Menschen "in Schock und Trauer" mit Blumen und Kerzen gestanden. Der Sarg wurde von einer Motorrad-Eskorte zur Trauerfeier und anschließend zum Flughafen begleitet. In Georgien soll der Sarg mit dem Leichnam vom Patriarchen Ilia II. empfangen werden.

Georgiens Staatspräsident Michail Saakaschwili bedankte sich bei allen Kanadiern für die Anteilnahme. "Ich habe viel über das Wesen der Kanadier gelesen, über die Art zu leben und mitzufühlen. Jetzt habe ich es aus erster Hand erfahren dürfen", sagte Saakaschwili: "Egal, wieviele Medaillen gewonnen werden, die Winterspiele von Vancouver werden als Spiele der Solidarität und Menschlichkeit in die Geschichte eingehen."

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"Entweder siegen oder sterben"

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Nodar Kumaritaschwili wurde wohl ein Fahrfehler zum Verhängnis. (Foto: AP)

Zuvor hatte der Vater des verunglückten Sportlers aus einem der letzten Gespräche mit seinem Sohn berichtet. "Er sagte mir, ich werde entweder siegen oder sterben", verriet David Kumaritaschwili in Georgien der US-Nachrichtenagentur Associated Press. "Das war eher jugendlicher Übermut", schränkte er ein. "Er kann das mit dem Tod nicht ernst gemeint haben."

Offensichtlich hatte sein Sohn bereits vor seinem Unfall starke Bedenken, auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler zu starten. "Er sagte mir, Papa, ich habe wirklich Angst vor der Kurve", erinnerte sich David Kumaritaschwili an die Worte des Athleten. Als ehemaliger Rennrodler habe er seinem Sohn gesagt: "Sei am Start einfach ein bisschen langsamer." Nodar habe ihm aber entgegnet: "Papa, was sagst Du mir da? Ich bin nach Olympia gekommen, um zu versuchen zu gewinnen."

Sotschi plant weniger Geschwindigkeit

Kumaritaschwili war am 12. Februar mit schätzungsweise 145 km/h während des Trainings gestürzt und aus der Bahn geschleudert worden. Er überlebte den verheerenden Unfall nicht. "Ich kann noch immer nicht ganz realisieren, dass er tot ist", sagte Vater David. Der 46-Jährige will sich die Bilder des Unfalls nie ansehen. An mangelnder Erfahrung kann es nicht gelegen haben, denn Nodar trainiere seit seinem 14. Lebensjahr. "Er ist auf Strecken in Frankreich, Österreich und Kanada gefahren." Jeder könne einen Fehler machen und sich ein Bein brechen. "Aber sterben?"

In drei Jahren sollen auch die Rodel-Weltmeisterschaften in Whistler stattfinden. Der Eiskanal für die Olympia-Bahn in Sotschi 2014 soll gleich so projektiert werden, dass Höchstgeschwindigkeiten wie im Whistler Sliding Centre erst gar nicht mehr erreichbar sind.

Verwendete Quellen: sid/dpa