Wirtschaft
Feuer aus dem Wasserhahn? Der preisgekrönte Dokumentarfilm "Gasland" zeigt die Gefahren des Frackings auf.
Feuer aus dem Wasserhahn? Der preisgekrönte Dokumentarfilm "Gasland" zeigt die Gefahren des Frackings auf.

Gas oder Gerstensaft: Deutsche Bierbrauer warnen vor Fracking

In deutscher Erde schlummern riesige Gasreserven. Würden sie gefördert, könnten sie über ein Jahrzehnt den heimischen Bedarf decken. Allerdings sehen die Bierbrauer dann ihre Existenz gefährdet.

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Die USA entdecken derzeit die heimische Öl- und Gasförderung. Experten sehen die größte Volkswirtschaft der Welt sogar im "Zentrum eines neuen Ölbooms". Möglich macht das die sich mittlerweile lohnende, aber umstrittene Förderung aus tiefem Gestein. Auch in deutschen Böden schlummern nicht zu verachtende Gasreserven. Ihre Förderung würde allerdings nach Ansicht der Brauer das deutsche Bier gefährden. Die Brauereien bräuchten eine sichere Versorgung mit qualitativ einwandfreiem Trinkwasser, schrieb der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, Peter Hahn, in einem Brief an sechs Bundesminister.

"Durch die Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten wie Kohleflözen oder Schiefergas, insbesondere mittels des sogenannten Frackingverfahrens, kann diese Sicherheit eingeschränkt oder gar beseitigt werden", warnte Hahn. "Von der Einbringung des Gesetzesentwurfs zum 'Fracking' sollte zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen werden."

Erdbeben möglich

Mithilfe der Fracking-Technologie können Gas und Öl aus tief liegenden Gesteinsschichten wie etwa Schiefer herausgelöst werden. Der Kunstbegriff ist die Kurzform der englischen Bezeichnung "hydraulic fracturing". Zu deutsch bedeutet dies so viel wie hydraulisches Aufbrechen von Gestein.

Bei der Technik werden Wasser, Sand und Chemikalien ins Gestein gepresst und somit Druck erzeugt. Dadurch sollen Öl und Gas freigesetzt werden. Kritiker bemängeln unter anderem den Einsatz von Chemikalien, die mit Grundwasser in Kontakt geraten könnten. Daneben sehen sie in zahlreichen notwendigen Bohranlagen einen Eingriff in die Natur. Andere befürchten sogar, dass dadurch Erdbeben ausgelöst werden könnten.

Altmaier gegen Fracking

Weil Bier zu großem Teil aus Wasser besteht, gilt dieses als entscheidend für die Qualität. Brauereien stellen in der Regeln große Anforderungen an die Wasserqualität. Welche Mineralstoffe im Wasser in welchen Anteilen enthalten sind, hat prägenden Einfluss auf den Geschmack des Bieres.

In der Koalition war lange über einen Gesetzentwurf zu Fracking gerungen worden. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lehnt die umstrittene Förderung von Schiefergas derzeit ab. Sie sei im Augenblick nicht vertretbar. In welchem Umfang Fracking künftig in der EU kommt, bleibt als Ergebnis des jüngsten EU-Gipfels Angelegenheit der Mitgliedstaaten.

Der Geschäftsführer des Brauereiverbandes Nordrhein-Westfalen, Jürgen Witt, erläuterte, der Einsatz von Chemikalien bei der Erdgas-Förderung gefährde Brunnen und Quellen der Brauereien.

Nach einer Untersuchung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover sind rund 1,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas in Deutschland technisch gewinnbar. Mit derzeit etwa 13 Milliarden Kubikmetern trägt die heimische Gasförderung etwa 14 Prozent zum deutschen Erdgasverbrauch bei. Der Rest wird importiert, vorwiegend aus Russland, den Niederlanden und Norwegen.

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Quelle: n-tv.de

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