Wirtschaft

Reaktion auf AtomsteuerEnergieriesen stoßen Bereiche ab

22.02.2011, 19:51 Uhr

RWE und Vattenfall planen mit milliardenschweren Verkäufen den Rückwärtsgang. So ist bei RWE eine Veräußerung von 75 Prozent der Hochspannungsnetztochter Amprion möglich. Auch Vattenfall will nicht-strategische Bereiche loswerden. Beide Konzerne wollen so die Belastungen durch die Atomsteuer abmildern.

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RWE sucht Partner für seine Hochspannungsnetztochter Amprion. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Energiekonzerne RWE und Vattenfall wollen angeblich die Belastungen durch die Atomsteuer mit milliardenschweren Verkäufen kontern. Es seien Beteiligungsverkäufe in einer Größenordnung von acht Milliarden Euro geplant, verlautete aus RWE-Aufsichtsratskreisen. Darin enthalten sei ein möglicher Verkauf von bis zu 75 Prozent der Hochspannungsnetztochter Amprion.

Der schwedische Konkurrent Vattenfall will sich offenbar von Geschäften im Wert von mehr als drei Milliarden Euro trennen. Der Staatskonzern habe bereits mehrere Finanzinstitute - darunter führend die Deutsche Bank - mit den Verkäufen von nicht-strategischen Bereichen beauftragt, hieß es.

Europas fünftgrößter Versorger will sich damit stärker auf seine Kernmärkte Schweden, Deutschland und die Niederlande konzentrieren. Mit den Verkäufen legt Vattenfall nach Jahren der Zukäufe bei der Auslandsexpansion den Rückwärtsgang ein und will so die Rentabilität des Unternehmens steigern. In Deutschland ist Vattenfall unter anderem an den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel beteiligt. Im Januar hatte Vattenfall einen Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland ausgeschlossen. Ein Vattenfall-Sprecher bestätigte, der Konzern prüfe, ob er sich von Anlagen in Ländern trenne, die nicht zum Kerngeschäft gehörten.

RWE erwartet sinkende Gewinne

RWE-Konzernchef Jürgen Großmann dürfte sich am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz zu geplanten Beteiligungsverkäufen und einem weiteren Sparprogramm äußern. RWE rechne allein für Amprion mit zwei Milliarden Euro, verlautete aus Finanzkreisen. Die Gespräche mit Interessenten liefen noch.

Das Dax-Unternehmen sucht seit Monaten finanzstarke Partner für seine deutsche Hochspannungsnetztochter. Diese könnten sich an den in den kommenden Jahren anstehenden milliardenschweren Investitionen beteiligen. Denkbar ist, dass der Konzern weitere Partnerschaften eingeht.

RWE hatte die Anleger im Herbst auf sinkende Gewinne vorbereitet. In den kommenden Jahren erwartet der AKW-Betreiber durch die ab 2011 geltende Atomsteuer durchschnittlich Belastungen in einer Größenordnung von 600 bis 700 Millionen Euro.

Auch Eon stößt ab

Die Konkurrenz von RWE hatte wegen der Atomsteuer bereits Maßnahmen angekündigt. Eon-Chef Johannes Teyssen hat die Anleger auf sinkende Gewinne eingestellt und will bis Ende 2013 Beteiligungen von 15 Milliarden Euro abstoßen.

Vor zwei Wochen hatte EnBW-Vorstandschef Hans-Peter Villis nachgelegt: Er will Minderheitsanteile im Wert von 1,8 Milliarden Euro verkaufen, die Investitionen um ein Drittel kürzen und ein Sparprogramm von über 300 Millionen auflegen.

Quelle: rts