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Radikale Energiewende: Eon gibt Atom, Kohle und Erdgas auf

Diese Entscheidung erschüttert die deutsche Energiewirtschaft: Der größte Energiekonzern des Landes trennt sich von seinem angestammten Kerngeschäft. Der strategische Kurswechsel bedeutet für Eon den Abschied von Erdgas, Kohle und Nuklearenergie. Eon-Chef Teyssen will den Neuanfang ohne Kündigungen meistern.

Der hochverschuldete Energiekonzern Eon überrascht Analysten und Aktionäre mit einem unternehmerischen Befreiungsschlag: Unter dem Druck der Energiewende gibt der Düsseldorfer Versorger radikale Maßnahmen bekannt, die das Dax-Unternehmen von Grund auf verändern werden.

Der größte deutsche Energiekonzern konzentriert sich künftig auf die Sparten Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen, wie Eon am Sonntagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte. Die neue Strategie solle jedoch "kein Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen" sein, betonte der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen.

Mit dem massiven Kurswechsel folgt Eon offenbar den Vorgaben der neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen im Heimatmarkt Deutschland. Der Eon-Konzern wird sich in seiner neuen Gestalt auf die drei Standbeine Ökostrom, Netz-Infrastruktur und einen Dienstleistungsbereich beschränken.

Das ist der Mann, der Eon in eine neue Richtung drückt: Johannes Teyssen, hier im Schaltraum eines Gaskraftwerks bei Ingolstadt.
Das ist der Mann, der Eon in eine neue Richtung drückt: Johannes Teyssen, hier im Schaltraum eines Gaskraftwerks bei Ingolstadt.(Foto: REUTERS)

Das frühere Hauptgeschäft mit Atom, Kohle, Erdgas und Energiehandel will Eon in mehreren Schritten komplett abgeben. Dazu werden die genannten Bereiche der konventionellen Energieerzeugung zusammen mit dem globalem Energiehandel sowie den Bereichen "Exploration und Produktion" mehrheitlich abgespalten und mittels Börsengang auf eigene Füße gestellt.

"Mutiger Neuanfang"

Der verbleibende Konzern besteht dann noch aus der Erzeugung von Ökostrom sowie dem Betrieb der Strom- und Gasnetze und dem Vertriebsgeschäft. Sämtliche Kapitalmarktverbindlichkeiten des bisherigen Konzerns verbleiben bei Eon. Dadurch und "die solide Finanzausstattung" für die neue Gesellschaft werde diese finanziell sehr robust sein, heißt es.

Aufsichtsratsvorsitzender Werner Wenning sagte laut einer am Sonntagabend verbreiteten Mitteilung: "Die drastischen Veränderungen der globalen Energiemärkte, technische Innovationen und wachsende, individuellere Kundenerwartungen erfordern einen mutigen Neuanfang. Das bisherige breite Geschäftsmodell von Eon wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht. Deshalb wollen wir uns radikal neu aufstellen."

Aufspaltung bis 2016

Die Grundlagen für die Börsennotierung des neuen Unternehmens sollen im kommenden Jahr geschaffen werden. Dafür werden unter anderem die Investitionen um 500 Millionen Euro auf 4,8 Milliarden Euro erhöht. Nach der Zustimmung der Hauptversammlung soll die Abspaltung dann im Geschäftsjahr 2016 durchgeführt werden. Den verbleibenden Minderheitsanteil will Eon mittelfristig über die Börse abgeben. Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sollen die Maßnahmen ausdrücklich nicht haben.

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Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert Eon eigenen Angaben zufolge unmittelbar auf den Preisverfall bei den Großhandelspreisen für Strom. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen.

Neue Zahlen am Sonntagabend

Wie Eon zeitgleich zum Strategiewechsel bekannt gab, reißt das bisherige Geschäft den Konzern im laufenden Jahr tief in die roten Zahlen. Wertberichtigungen insbesondere bei den südeuropäischen Geschäften und Kraftwerken von 4,5 Milliarden Euro werden zu einem "erheblichen Konzernfehlbetrag im Geschäftsjahr 2014 führen", heißt es in der Mitteilung weiter. In den ersten drei Quartalen waren bereits Abschreibungen in Höhe von rund 700 Millionen Euro aufgelaufen.

Eon schiebt einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro vor sich her. Daran ändert auch der Verkauf des gesamten Geschäfts in Spanien und Portugal an den australischen Investor Macquarie zu einem Unternehmenswert von 2,5 Milliarden Euro nicht grundsätzlich etwas. Neben dieser von Experten erwarteten Veräußerung prüft Eon auch den Verkauf des Geschäfts in Italien.

Zudem soll das Explorations- und Produktionsgeschäft in der Nordsee ebenfalls noch vor der Neuaufstellung überprüft werden. Trotz der hohen Abschreibungen bestätigte Eon sein Ziel, 2014 beim operative Ergebnis (Ebitda) zwischen 8,0 und 8,6 Milliarden Euro zu landen, 2013 hatte der Konzern noch 9,3 Milliarden Euro ausgewiesen.

Feste Dividende

Der sogenannte nachhaltige Konzernüberschuss - aus dem zahlreiche Sonder- und Bewertungseffekte herausgerechnet werden - soll von 2,1 auf 1,9 bis 1,5 Milliarden Euro sinken. Statt wie bisher davon 50 bis 60 Prozent an die Aktionäre auszuschütten, soll für die Geschäftsjahre 2014 und 2015 eine feste Dividende von 50 Cent je Anteilschein an die Aktionäre fließen. Im vergangenen Jahr hatten die Anteilseigner 60 Cent je Papier erhalten.

Der Aufsichtsrat genehmigte zudem den Verkauf von Eons Spanien-Geschäft für 2,5 Milliarden Euro an den australischen Investor Macquarie. Damit bestätigte der Konzern Informationen, die das "Wall Street Journal Deutschland" bereits in der vergangenen Woche aus dem Umfeld des Unternehmens erhalten hatte.

Quelle: n-tv.de

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