Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Wenn die Inflation zurückkehrt: Gold und Aktien retten vor Entwertung

Ein Gastbeitrag von Jürgen Mehrbrei

Vor allem das billige Öl sorgt dafür, dass es derzeit keine Inflation gibt. Dieser Sondereffekt läuft aber schon bald aus. Wenn die Verbraucherpreise wieder steigen, sind Sachwerte wie Aktien und Gold erste Wahl.

Deflatorische Tendenzen gelten zurzeit als eins der größten Risiken für die Finanzmärkte. Das Szenario sinkender Preise könnte sich jedoch schon bald als überholt erweisen. Denn die stark gesunkene Inflationsrate basiert maßgeblich auf dem Verfall der Ölpreise. Für die Verbraucher haben sich das Betanken des Autos und die Heizkosten spürbar verbilligt. Das produzierende Gewerbe profitiert ebenfalls von gesunkenen Energiekosten, was bei den Verkaufspreisen für Entspannung sorgt.

Der jüngste Absturz des Ölpreises fand fast vollständig in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres statt. Ab dem dritten Quartal 2015 wird die Vergleichsbasis aus dem Vorjahr also immer niedriger, der deflatorische Druck lässt nach. Die Preise für Rohöl haben sich sogar seit Jahresanfang wieder leicht erholt. Die Notierungen an den Terminmärkten signalisieren, dass die Preise für den wichtigen Energierohstoff auch in den kommenden Monaten wahrscheinlich weiter steigen werden.

Eurozone importiert Inflation

Dazu kommt, dass Öl in US-Dollar bezahlt wird. Der Greenback ist gegenüber dem Euro in den zurückliegenden Monaten stark im Wert gestiegen. Das ist beim Öl bzw. Benzin oder Heizöl bislang kaum zu spüren, weil deren Preise stärker gefallen sind als der US-Dollar aufgewertet hat. Andere Güter, die Euroland aus dem Dollarraum einführt, haben sich jedoch verteuert. Durch die schwache Gemeinschaftswährung importiert die Eurozone somit Inflation.

Jürgen Mehrbrei ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Unikat Vermögensverwaltung. Er ist u.a. für die ganzheitliche Kundenbetreuung, das Fondsmanagement, die Unternehmenssteuerung und das Risiko-Management verantwortlich.
Jürgen Mehrbrei ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Unikat Vermögensverwaltung. Er ist u.a. für die ganzheitliche Kundenbetreuung, das Fondsmanagement, die Unternehmenssteuerung und das Risiko-Management verantwortlich.

Der Basiseffekt beim Öl und die Abwertung des Euros könnten die Verbraucherpreise in Euroland also schon bald wieder steigen lassen. In Deutschland ist dies schon der Fall. Die Inflationsrate belief sich hier im April auf 0,4 Prozent. Die Europäische Zentralbank peilt einen Wert  von etwas weniger als zwei Prozent an. Um dieses Ziel zu erreichen, druckt sie jeden Monat 60 Milliarden Euro Papiergeld, dem kein entsprechendes Zusatzangebot an Waren und Dienstleistungen gegenübersteht. Wenn die Preise auch in der Eurozone tatsächlich wieder anziehen, könnte schon im Sommer darüber diskutiert werden, wann die EZB ihr Anleihekaufprogramm reduziert oder sogar ganz einstellt. Das würde voraussichtlich umgehend zu steigenden Zinsen führen.

Wenn die Verbraucherpreise und die Zinsen, die nichts anderes als Preise für geliehenes Geld sind, wieder anziehen, bieten Staatsanleihen ein ausgesprochen unattraktives Chancen/Risikoprofil. Schon heute weist rund ein Viertel der Staatsanleihen aus der Eurozone selbst nominal eine negative Rendite aus. Wenn die Zinsen steigen, kommen noch Kursverluste dazu. Als Alternative bieten sich Unternehmensanleihen mit mittelguter Bonität an, die auf US-Dollar lauten. Anleger, die auf Nummer sicher gehen und nicht auf einen weiter steigenden Dollar setzen möchten, können die Wechselkurse absichern. Eine gute Mischung bietet bspw. der Winbonds von StarCapital, der weltweit in überwiegend auf Euro lautende Anleihen investiert und bis zu maximal 20 Prozent Aktien im Portfolio hält.

Für etwas risikobereitere Anleger sind auf der Rentenseite außerdem Unternehmensanleihen in Hartwährungen aus den Emerging Markets interessant. Der ESPA Bond Emerging Markets Corporate erwirbt zum Beispiel schwerpunktmäßig Emissionen von Firmen aus Lateinamerika, Osteuropa und Asien, die aber auf US-Dollar oder Euro denominiert sind. Der Fonds schwankt vergleichsweise wenig und weist eine sehr stabile Wertentwicklung aus.

Inflation gut für Sachwerte

Zu den klassischen Profiteuren einer Geldentwertung zählen aber Sachwerte. Statistiken belegen, dass eine Inflationsrate von zwei bis sechs Prozent für Aktien das optimale Umfeld bietet. Meistens können die Unternehmen ihre Preise anpassen und so die Gewinnmargen stabil halten. Unter den reinen Aktienfonds ist u.a. der Vontobel Fund – Global Equity empfehlenswert.

Wenn die Preise und Zinsen steigen, legt häufig auch Gold zu. Zwar erhöhen sich dann die Opportunitätskosten des Edelmetalls, da es keine Zinsen abwirft. Mit zunehmender Geldentwertung gewinnt beim Gold aber die Funktion als Wertspeicher an Bedeutung. Wenn das Papiergeld immer weniger wert wird, tauschen es Anleger gerne in eine wertstabile Währung – und nichts anderes ist Gold.

Zu den wichtigen Sachwerten zählen natürlich auch Immobilien. Zumeist sind hier jedoch höhere Investitionen erforderlich, was Betongold für kleinere Vermögen häufig ungeeignet erscheinen lässt. Als Alternative bieten sich hier Fondslösungen wie der NN Global Real Estate oder der AXA Europe Real Estate an, die in REITs und andere Immobilienaktien investieren.

Die Aussage, dass derzeit noch keine Inflation herrscht, ist übrigens nur die halbe Wahrheit. Während die Preise für Konsumgüter zuletzt tatsächlich nicht gestiegen sind, haben sie sich für Sachwerte spürbar erhöht – Aktien und Immobilien sind in den zurückliegenden Jahren sehr viel teurer geworden. Dies gilt auch für Gold – zumindest in Euro gerechnet. Der Preis des Edelmetalls hat in den zurückliegenden zwölf Monaten um immerhin fast zwölf Prozent zugelegt.

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Quelle: n-tv.de

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