Wirtschaft

Batistas wankendes Imperium: Ölfirma braucht noch mehr Geld

Oleo e Gás Participações, ehemals OGX, befindet sich derzeit in der Insolvenz. Fast 6 Milliarden US-Dollar an Krediten stehen aus. Die Ölgesellschaft des Brasilianers Batista kurzfristig noch mehr Geld. Doch machen die Gläubiger dabei mit?

Die Gläubiger der in Not geratenen Ölgesellschaft des brasilianischen Unternehmers Eike Batista stehen erneut vor einer schwierigen Wahl. Sie müssen entscheiden, ob sie trotz ausstehender Kredite über 5,8 Milliarden US-Dollar kurzfristig weiteres Geld zuschießen, um das Unternehmen bis ins kommende Jahr am Leben zu erhalten - wohl wissend, dass es auf längere Sicht noch viel mehr Geld brauchen wird, um die Investitionen aufrechtzuerhalten.

Eike Batista
Eike Batista(Foto: picture alliance / dpa)

Oleo e Gás Participações - früher bekannt unter dem Namen OGX Petróleo e Gás Participações - hatte im Oktober Insolvenz angemeldet. Anfang der Woche hatte es sich mit einer Gruppe Großgläubiger auf ein vorläufiges Abkommen geeinigt, das seine Schulden vernichten würde. Im Gegenzug würden die Gläubiger Aktien des Unternehmens erhalten.

Nun teilte der Konzern jedoch auch mit, dass er weiteres Geld brauche, um die operativen Ausgaben im Jahr 2014 zu stemmen. Ohne frische Mittel sei ein Überleben fraglich. In der jüngsten Vereinbarung hatten die Gläubiger angedeutet, dass sie möglicherweise bereit sind, bis Ende Januar bis zu 215 Millionen Dollar zuzuschießen. Eine Verpflichtung gibt es aber nicht.

Es gebe keine festen Zusagen von Gläubigern für frisches Geld, sagt ein Insider, der mit den anhaltenden Gesprächen vertraut ist. Die Geldgeber versuchten vielmehr noch herauszufinden, ob Oleo e Gás überhaupt in der Lage sein werde, sich das nötige Kapital zu beschaffen, um ab 2015 seine Ölfelder entwickeln zu können. Insbesondere in den Jahren 2016 und 2017 stehen hohe Investitionen an. Kann es diese nicht selbst finanzieren, wird es strategische Partner brauchen.

Zu den aktivsten Anleihegläubigern während der Verhandlungen, die zu der vorläufigen Vereinbarung Anfang der Woche führten, zählte die Allianz-Tochter Pimco. Der weltgrößte Anleihefonds dürfte auch einer der größten Geldgeber in einer neuen Finanzierungsrunde sein, wie zwei Personen aus dem Umfeld der Verhandlungen berichteten. Pimco wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Große Fragezeichen hinter den Förderquoten

Um die Überlebenschancen von Oleo e Gás wirklich abschätzen zu können, bräuchte man mehr Klarheit über die Produktionsquoten auf dem einzigen noch aktiven Ölfeld des Unternehmens, sagen Insider. Das Feld Tubarão Martelo vor der Küste von Rio de Janeiro wurde im Dezember in Betrieb genommen. Im März dürfte das Unternehmen eine bessere Vorstellung über die Fördermenge haben, heißt es.

Die Risiken sind hoch. Schließlich waren enttäuschende Produktionszahlen der zentrale Auslöser für den Niedergang des Unternehmens. Das erste aktive Ölfeld, Tubarão Azul, konnte die erwarteten Fördermengen nicht annähernd erfüllen und wurde im August geschlossen. Oleo e Gás versucht nun angeblich, eine Öl-Plattform zu geringeren Kosten zu mieten, um die Produktion auf dem Feld im kommenden Jahr wieder anzufahren.

Das schwindende Vertrauen in Oleo e Gás hatte die Aktien- und Anleihekurse des Unternehmens im vergangenen Jahr in Rekordgeschwindigkeit abstürzen lassen. Beide sind jetzt nur noch wenige Cent wert. Im Oktober musste das Unternehmen schließlich vor einem Gericht in Rio de Janeiro Insolvenz anmelden - es war die bisher größte Firmenpleite in Lateinamerika überhaupt.
Laut der Übereinkunft mit den Gläubigern soll der Ölkonzern dem Insolvenzrichter nun bis spätestens 24. Januar einen Sanierungsplan vorlegen.
Sollte es Oleo e Gás gelingen, in den kommenden Wochen neues Geld aufzutreiben, sollte es laut den Unterlagen die Investitionen für Tubarão Martelo ebenso stemmen können wie jene in ein Ölfeld im Santos-Becken, das von Queiroz Galvão Exploração e Produção (QGEP) betrieben wird. Oleo e Gás schuldet QGEP Zahlungen in Höhe von 7,3 Millionen Dollar, weitere 16,4 Millionen Dollar stehen beim staatlichen brasilianischen Ölkonzern Petrobras aus.

Ex-Milliardär spielt künftig Nebenrolle

Laut Dokumenten, die das Unternehmen veröffentlicht hat, sollen die beiden Ölfelder Tubarão Martelo and Tubarão Azul ab der zweiten Hälfte kommenden Jahres Einnahmen erzielen. Allerdings dürfen allein für die Entwicklung von Tubarão Martelo sowie des Feldes, das QGEP betreibt, fast eine Milliarde Dollar zusätzlich nötig sein. Deshalb sucht Oleo e Gás für beide Felder nach neuen Partnern, die die Entwicklungskosten mittragen sollen. Außerdem besitze der Konzern die Option, auf Basis erwarteter Erträge aus Tubarão Martelo neue Kredite aufzunehmen, berichtet eine Person, die mit der Angelegenheit vertraut ist.

Nicht ausgeschlossen sei, dass die neuen Mehrheitsaktionäre ihre Anteile verkauften, wenn sich das Unternehmen als lebensfähig erweise, sagt ein anderer Insider. "Es sind Finanzunternehmen, die sich nicht am Management eines Öl- und Gasunternehmens beteiligen wollen."

Eike Batista, der einstige Multi-Milliardär und starke Mann bei Oleo e Gás wird in dem erneuerten Unternehmen nur noch eine Nebenrolle spielen. Sollte die Vereinbarung wie geplant in Kraft treten, würde sein Anteil von 50,16 auf rund 5 Prozent fallen. Batista war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Quelle: n-tv.de

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