Hoffen auf StaatshilfeOpel drückt aufs Tempo
Opel-Chef Reilly sucht demonstrativ den Schulterschluss mit NRW-Ministerpräsident Rüttgers. Noch für diese Woche sei ein Treffen angesetzt, heißt es.
Rund einen Monat vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen dringt der Opel-Konzern auf eine schnelle Entscheidung über Staatshilfen. Opel-Chef Nick Reilly werde noch diese Woche NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) treffen, berichtete das "Handelsblatt". Die Prüfung der Staatshilfen sei "auf der Zielgeraden" hieß es weiter. Die von Opel geforderten Hilfen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro müssten der Bund und die Opel-Standortländer bereitstellen. Allein im Bochumer Werk arbeiten rund 4600 Beschäftigte. Bochum galt zuletzt wiederholt als von der Schließung bedroht, Opel will den Standort trotz des Abbaus von knapp 4000 Stellen in allen deutschen Werken aber erhalten.
Ende März hatte der Bürgschaftsausschuss des Bundes über Opel beraten, aber keine Entscheidung getroffen. Es gebe noch eine Reihe offener Fragen, hieß es danach. Bund und Länder wollen vor allem verhindern, dass Hilfen deutscher Steuerzahler zur Opel-Mutter General Motors in die USA abfließen können. Neben dem Bund und NRW sind an den Gesprächen auch die übrigen Standortländer Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz beteiligt.
Die Lage bei Opel hatte sich in den vergangenen Monaten unter anderem wegen steigender Nachfrage nach den Modellen Insignia und Astra entspannt. Im polnischen Gleiwitz und im Stammwerk in Rüsselsheim werden deshalb Sonderschichten gefahren. In Rüsselsheim, wo auch das Entwicklungszentrum steht, solle zudem 250 Ingenieure eingestellt werden. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz nannte dies im Gespräch mit der "Automobilwoche" nicht ausreichend. "Wir brauchen mindestens noch einmal 500 neue Ingenieure im Jahresverlauf, weil die Programme sonst nicht zu schaffen sind." Allein durch Altersteilzeit würden 500 Entwickler in diesem Jahr ausscheiden.
Im Bochumer Werk wird dagegen weiter kurz gearbeitet, was im Betriebsrat auf Protest stößt. "Wir fordern eine faire Verteilung der Arbeit. Es kann nicht sein, dass ein Werk laufend Sonderschichten macht und dass wir in Bochum eine Woche pro Monate Kurzarbeit fahren", sagte der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel der "Automobilwoche"