Wirtschaft
Otto Beisheim nimmt sich am 18. Januar 2013 das Leben.
Otto Beisheim nimmt sich am 18. Januar 2013 das Leben.(Foto: picture-alliance / dpa)

Freitod nach schwerer Krankheit: Otto Beisheim bestimmt selbst

Von Diana Dittmer

Metro-Gründer Otto Beisheim hat jahrzehntelang selbst bestimmt, was als nächstes passiert. So hält er es auch mit seinem Todeszeitpunkt. Der 89-Jährige litt nach n-tv.de-Informationen an schweren Depressionen. Alles Geld konnte ihm seine Gesundheit nicht kaufen.

Der Freitod des tot aufgefundenen Mitgründers und Großaktionärs des Handelskonzerns Metro, Otto Beisheim, gibt Rätsel auf: Er war einer der reichsten Männer Deutschlands, er konnte sich alles leisten, ein Vorzeige-Unternehmer, der auf eine Bilderbuch-Karriere zurückblickte. Warum scheidet so ein Mann, der vermeintlich alles hat und erreicht hat, aus dem Leben? Am Ende scheint es sein Gesundheitszustand gewesen zu sein, der ihn verzweifeln ließ. Alles konnte er kontrollieren, nur seine Gesundheit nicht.

Laut "Bild"-Zeitung erschoss Beisheim sich mit einer Pistole. Informierten Kreisen zufolge soll ein Haushälter im Haus in Rottach-Egern am Tegernsee einen Schuss gehört und den 89-Jährigen wenig später tot in einem Badezimmer aufgefunden habe. Aus gut informierten Kreisen erfuhr n-tv.de, dass Beisheim schon lange unter schweren Depressionen litt, was sich mit den offiziellen Angaben der Otto-Beisheim-Gruppe deckt, die gemeldet hatte, der Handelsunternehmer habe "an einer nicht heilbaren Krankheit" gelitten und sei "aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben geschieden".

Eine Wirtschaftswunder-Legende

Metro-Chef Olaf Koch würdigte den Verstorbenen nach der Todes-Nachricht als Legende des deutschen Einzelhandels. Die unternehmerische Leistung des 1924 in der Nähe von Essen als Sohn eines Gutsverwalters geborenen Self-Made-Mannes ist untrennbar mit einer der wichtigsten Innovation im Handel verbunden: dem Prinzip "Cash and Carry" ("Bezahlen und Mitnehmen").

"Cash & Carry" - "Hin und weg" revolutionierte den Handel.
"Cash & Carry" - "Hin und weg" revolutionierte den Handel.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Beisheim, der als junger Mann eine kaufmännische Ausbildung in der Lederindustrie absolviert hatte, lernte "Cash and Carry" Anfang der 60er Jahre in den USA kennen. 1964 gründete Beisheim in Mülheim an der Ruhr erstmals einen Metro-Großhandelsmarkt für Wiederverkäufer nach US-Vorbild. Das Konzept, das an die Stelle der Warenlieferung an die jeweiligen Einzelhändler gegen Rechnung das Selbstabholen und sofortige Bezahlen setzte, wurde ein durchschlagender Erfolg.

Er machte es der Gruppe möglich, nach und nach die Mehrheiten bei Kaufhof (1986) und der Asko-Handelsgruppe (1992) aufzukaufen. Die Metro wurde zu einem der größten Handelsunternehmen weltweit. Beisheim, der viele Jahre geschäftsführender Gesellschafter der Metro SB-Großmärkte und späterer Verwaltungsratspräsident der Metro Holding war, blieb dabei im Hintergrund.

Der "Mann ohne Gesicht"

Trotz oder gerade wegen seines Erfolges war Beisheim durch und durch Privatmann. Er hielt es wie andere erfolgreiche Pioniere im Einzelhandel auch. Wie die Aldi-Gründer Albrecht zog er es vor, seinen Namen nicht in der Presse zu sehen oder zu hören. Deshalb wurde er auch der "Mann ohne Gesicht" genannt. Aus Angst vor Entführungen – sein Vermögen wurde laut Manager-Magazin 2006 auf rund 3,4 Mrd. Euro geschätzt - wechselte er öfter seinen Namen. Unter anderem soll er sich Luigi Fontana und Berrard Dutoit genannt haben. Negative Schlagzeilen gab es vor einigen Jahren über die angebliche Mitgliedschaft Beisheims während des Zweiten Weltkriegs in der "Leibstandarte Adolf Hitler" der Waffen-SS.

Das Beisheim-Center 2003 in der Bauphase.
Das Beisheim-Center 2003 in der Bauphase.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Einer breiteren Öffentlichkeit war sein Name erst wenige Jahre zuvor begegnet, als er im Jahr 2000 ein Areal am Potsdamer Platz in Berlin kaufte und dort für rund 435 Mio. Euro das Beisheim-Center baute - ein Komplex aus Hochhäusern im Stil der 20er Jahre, zu dem auch das Hotel Ritz-Carlton gehört.

Seit den 80er Jahren tat Beisheim sich auch als Mäzen hervor. So stiftete er 1993 der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Koblenz umgerechnet knapp 25,6 Mio. Euro - seitdem trägt die Privatuniversität den Namen "Otto Beisheim School of Management". In Bayern finanzierte Beisheim, der 1988 Schweizer Staatsbürger wurde, Schulprojekte und Kindergärten. Beisheims soziale und kulturelle Aktivitäten sind in zwei gemeinnützigen Stiftungen gebündelt, in die sein Erbe nun übergehen soll.

Verschwiegen bis zum Tod

Einen Tiefschlag musste Beisheim im Jahr 2007 einstecken, als ihn die Familien Schmidt-Ruthenberg und Haniel, mit denen er die Idee des "Cash & Carry"-Handels in Deutschland groß machte, ausbooteten. Die beiden Mitgesellschafter des Metro-Konzerns kauften heimlich so viele Aktien auf, dass sie mehr als 50 Prozent hielten. Beisheim verlor den Einfluss auf sein Lebenswerk. Er soll er aber niemals verbittert oder verärgert gewesen sein. Das berichten zumindest Weggefährten.

So bleibt Beisheim ein eher stiller Visionär und am Ende ein Mann, der geordnete Verhältnisse hinterlässt. In der Erklärung der Unternehmensgruppe heißt es: "Die Vermögenslage von Otto Beisheim ist seit langem klar geregelt und sieht vor, dass sein Erbe in die beiden gemeinnützigen Stiftungen Professor Otto Beisheim- Stiftung, Baar, und Professor Beisheim Stiftung, München, übergeht und somit sein kulturelles, karitatives und unternehmerisches Engagement weiterlebt." Beisheim hinterlässt keine Kinder. Seine Frau Inge, mit der er fast 50 Jahre verheiratet war und die einst die Schmuckabteilung der Düsseldorfer Metro geleitet hatte, starb bereits 1999. 

Quelle: n-tv.de

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