Neuer Fall Chodorkowski?Polizeirazzia bei Milliardärin
Der Machtkampf zwischen Russlands Präsidenten Medwedew und Moskaus geschassten Bürgermeister Luschkow geht in eine neue Runde. Bewaffnete Sicherheitskräfte stürmen die Büros des Bauunternehmens Inteko. das Luschkows Ehefrau und Milliardärin Elena Baturina gehört. Der Vorwurf lautet: Korruption.
Nach seinem Rauswurf aus dem Moskauer Rathaus spitzt sich die Lage für Ex-Bürgermeister Juri Luschkow zu: Die Moskauer Polizei hat ein Unternehmen der Ehefrau des entlassenen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, Elena Baturina, durchsucht. Die Razzia in der Baufirma Inteko stehe in Zusammenhang mit Ermittlungen zum "Diebstahl von 13 Mrd. Rubel“ (318 Mio. Euro) bei der Bank von Moskau, sagte eine Sprecherin des russischen Innenministeriums laut der Nachrichtenagentur Interfax.
Nach Angaben aus Unternehmenskreisen stürmten am Morgen maskierte und bewaffnete Polizisten in die Büros von Inteko, der größten Firma für öffentliche Bauaufträge in Moskau. Die Sicherheitskräfte hätten alle Zugänge gesperrt, die Mitarbeiter seien in einen Raum gesperrt worden. Derzeit würden Dokumente in der Buchhaltung beschlagnahmt, hieß es weiter. Wie die Polizei mitteilte, wurden wenig später weitere Büros durchsucht, darunter in der Bank von Moskau.
"Angeordnete Razzia"
Die Milliardärin Baturina erklärte, die Durchsuchungen hätten weder mit ihrem Unternehmen noch mit der Bank von Moskau zu tun. "Das ist einfach eine angeordnete Razzia und eine Form politischen Drucks“, wurde sie von Interfax zitiert. Nach Angaben von Ermittlern soll Baturinas tief verschuldete Inteko-Gruppe über eine Strohfirma 2009 einen Notkredit von fast 13 Mrd. Rubel bei der Bank von Moskau aufgenommen haben.
Luschkow war Ende September von Russlands Staatschef Dmitri Medwedew aus seinem Amt als Bürgermeister von Moskau entlassen worden. Ihm wurde vom Kreml Korruption vorgeworfen. Das Vermögen seiner Frau wird von der russischen Ausgabe des Magazins „Forbes“ auf 1,1 Mrd. Dollar (rund 810 Mio. Euro) geschätzt.
Fall Chodorkowski lässt grüßen
Das Vorgehen erinnert an den Fall des inhaftierten Ex-Ölunternehmers Michail Chodorkowski. Chodorkowski war mit seinem früheren Geschäftspartner Platon Lebedew wegen Diebstahls und Geldwäsche zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Es war nicht das erste Urteil gegen Chodorkowski. Er selbst vermutet politische Willkür dahinter, da er offen die Opposition in Russland unterstützt und sich so den Zorn Wladimir Putins zugezogen habe.