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Branche setzt Mindestlohn durch: Taxifahren wird bis zu 60 Prozent teurer

Nicht nur Fahrgäste zittern angesichts solcher Preissteigerungen: Taxifahren könnte in Deutschland zum Teil 60 Prozent teurer werden. Der Grund ist die Durchsetzung des Mindestlohns. Auch die Fahrer haben angesichts der Preis-Explosion allen Grund zur Sorge.

Taxifahren wird in Deutschland deutlich teurer. Die Verbände der Taxiunternehmen haben in Hunderten Deutschen Städten und Landkreisen Tarifanhebungen um bis zu 30 Prozent beantragt, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. In manchen Regionen, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, könnten es sogar bis zu 60 Prozent sein, sagte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes, Michael Müller, der Nachrichtenagentur dpa. "Wir müssen den Mindestlohn realisieren", begründete Müller. Einige Kommunen hätten die Erhöhungen bereits gestattet. Grund ist die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2015 von 8,50 Euro, der auch für die rund 200.000 angestellten Taxifahrer gilt. Derzeit kommen sie auf einen Stundenlohn zwischen 6,00 und 6,50 Euro.

Vorreiter bei den Tariferhöhungen ist dem Bericht zufolge Hamburg, wo Fahrgäste bereits seit Oktober etwa acht Prozent mehr bezahlen müssen. In Dresden sei bereits beschlossen, dass die Preise Mitte Dezember um etwa 20 bis 30 Prozent steigen. Taxifahren im Landkreis Calw werde schon im November rund 11 Prozent teurer. In Hannover und Duisburg sollen die Preise offenbar um etwa 25 Prozent steigen, in Stuttgart sollen es 20, in Bremen 15 und in Delmenhorst 30 Prozent sein.

In Berlin werden die Preise um rund 15 Prozent steigen. "Moralisch ist der Mindestlohn ja gerechtfertigt", sagt der Vorsitzende des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg, Detlev Freutel n-tv.de. "Aber in vielen Landkreisen und in Berlin trifft er auf ganz schwierige wirtschaftliche Verhältnisse." Er glaubt, dass viele Taxi-Unternehmer in seinem Verbandsgebiet Fahrer entlassen müssen. Bundesweit könnten 50.000 bis 70.000 Taxifahrer ihren Job verlieren, schätzt Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxiverbandes.

Den Verlust von Kunden - etwa an Konkurrenten wie das US-Unternehmen Uber, das über einen Smartphone-Dienst Fahrgäste an private Fahrer vermittelt - befürchtet das Taxigewerbe wegen höherer Fahrpreise zunächst nicht. "Bisher haben Tarifanhebungen nie zu einer Abwanderung von Kunden geführt", sagte Verbandspräsident Müller.

Quelle: n-tv.de

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