Wirtschaft
"Time" führte Hamm 2012 in der Liste der "einflussreichsten Persönlichkeiten".
"Time" führte Hamm 2012 in der Liste der "einflussreichsten Persönlichkeiten".(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Teure Scheidung: Tycoon muss Milliarde zahlen - und freut sich

Von Jan Gänger

Self-Made-Milliardär Hamm überweist seiner Ex-Frau zwar viel Geld, er dürfte über den Scheidungsdeal trotzdem richtig glücklich sein. Denn der Richter nimmt ihm seine erstaunliche Argumentation ab.

Harold Hamm ist einer der reichsten Männer der USA. Und er wird es auch bleiben. Das ist deshalb bemerkenswert, da der Öl-Tycoon gerade eine Scheidung hinter sich gebracht hat, die ihn den Großteil seines Vermögens hätte kosten können. Hat sie aber nicht.

Hamm müsse seiner Ex-Frau Sue Ann fast eine Milliarde Dollar zahlen, entschied der zuständige Richter. Das ist eine stattliche Summe, die 58-Jährige wird damit auf einen Schlag zu einer der reichsten Frauen der USA. Doch der 68-Jährige wird die Zahlung locker verschmerzen können. Laut "Forbes" ist er immerhin 18 Milliarden Dollar schwer.

Der Streit ums Geld hat eine bizarre Note. Im Kern ging es im Prozess um die Frage, was der Grund für Hamms Reichtum ist - Können oder pures Glück. Der Milliardär versuchte dabei den Richter davon zu überzeugen, dass er mit dem Erfolg seiner Firma nur wenig zu tun hat.

Das klingt nach einer gewagten These. Hamm hatte Continental Resources 1967 gegründet. Ihm gehören knapp 70 Prozent der Papiere der Firma, die an der Börse aktuell etwa 20 Milliarden Dollar wert ist. 2012 zählte ihn das "Time"-Magazin zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Die Ursache für Hamms ungewöhnliche Behauptung ist das Scheidungsrecht des Bundesstaates Oklahoma, in dem der Rechtsstreit ausgetragen wurde. Dieses macht die Ansprüche der Frau davon abhängig, inwieweit die Vermögenszuwächse des Mannes während der Ehe auf dessen Leistung beruhen. Hamm hatte daher großes Interesse daran, diese so klein wie möglich zu reden.

Dabei half ihm seine Firma offenbar kräftig. Die Nachrichtenagentur Reuters verglich die aktuelle Version der Internetseite des Unternehmens mit einer früheren Version - und fand 18 aufschlussreiche Änderungen.

Eine betrifft etwa eine wichtige Weichenstellung in der Firmengeschichte. Die Verlagerung des Förderschwerpunkts von Gas auf Öl erwies sich später als äußerst profitträchtiger Strategieschwenk. Die Continental-Website nennt nun ein Datum dafür: das Jahr 1985. Dies ist insofern von Bedeutung, als die Eheleute erst 1988 heirateten und Sue Ann demzufolge keinen Anspruch hat, von den Ergebnissen dieser weitreichenden Entscheidung zu profitieren.

Eine Continental-Sprecherin wollte sich zu den Änderungen nicht äußern. Hamm selbst hatte zuletzt ausgesagt, er habe kürzlich Ungenauigkeiten auf der Internetseite entdeckt und angewiesen, diese zu ändern.

Eine Streichung weisen die Jahresabschlüsse auf. Bis 2013 wurde Harold Hamm darin stets als "eine der treibenden Kräfte" hinter Continentals Aufstieg gepriesen, als ein Mann, der "das Unternehmen durch sein Führungsgeschick und sein kaufmännisches Urteil erfolgreich entwickelt" habe. Im Jahresabschluss 2014 tauchen diese Formulierungen nicht mehr auf.

Sue Ann pochte darauf, dass Hamm genau einer dieser "treibenden Kräfte hinter der Firma und ihrem Erfolg" war, wie es in einer von der "Dallas Morning News" zitierten Vollmacht heißt. Hamm sah nun aber "einfache Marktkräfte und simples Glück" am Werk. Nichts habe demnach "mit seiner Führung zu tun" gehabt, sagte Familienanwalt Brian Webb der Zeitung. Der Richter scheint dieser Meinung zugeneigt gewesen zu sein.

Rekord bleibt in Russland

Hamm hatte seine Ex-Frau in der von ihm gegründeten Firma kennengelernt. Sie hatte damals als Juristin für Continental gearbeitet. Die beiden heirateten 1988. Es war Hamms zweite Ehe. Die erste  ging zu Ende, nachdem Hamms Frau ihn beschuldigt hatte, er habe eine Affäre mit Sue Ann.

Von den insgesamt 995,5 Millionen Dollar bekommt Hamms zweite Ex-Frau ein Drittel sofort ausbezahlt. Den Rest muss der Milliardär in Monatsraten in Höhe von mindestens 7 Millionen Dollar begleichen.

Den Rekord für die teuerste Scheidung der jüngeren Geschichte hat Hamm damit nicht gebrochen. Den Titel hält der russische Oligarch Dmitri Rybolowlew, der seiner Frau 4,5 Milliarden Dollar überweisen musste.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen