Wirtschaft
Als die Blase am Immobilienmarkt platzte, gerieten Banken in große Schwierigkeiten.
Als die Blase am Immobilienmarkt platzte, gerieten Banken in große Schwierigkeiten.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wie es zur Eurokrise kam - Teil 1: US-Immobilienmarkt wird zur Zeitbombe

Von Jan Gänger

Ein Ende der Eurokrise ist nicht in Sicht. Euro-Länder hängen am Tropf, in weiten Teilen Europas herrschen Rezession und Massenarbeitslosigkeit. Die unberechenbaren Finanzmärkte hängen wie ein Damoklesschwert über dem Währungsraum. Wie sind wir da überhaupt hineingeraten?

Rettungspakete, Sparprogramme, Rezession: Die Krise in Europa beginnt nicht mit dem Euro, sondern mit dem US-amerikanischen Immobilienmarkt. Dessen Zusammenbruch führte zu einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, aus deren Erschütterungen dann die europäische Schuldenkrise wurde.

Zunächst wegen des Platzens der Dotcom-Blase und dann auch angesichts der Anschläge vom 11. September 2001 hatte die US-Notenbank Fed eine immer expansivere Geldpolitik betrieben, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu senken. Lag der Leitzins im Mai 2000 noch bei 6,5 Prozent, fand sich knapp drei Jahre später bei lediglich einem Prozent wieder. Selbst als die US-Wirtschaft bereits kräftig wuchs, hielt die Fed an ihrem lockeren Kurs fest. Denn obwohl sich die Konjunktur erholte, blieb die Arbeitslosigkeit vergleichsweise hoch.

Das billige Geld ermöglichte vielen US-Amerikanern, ein Haus zu kaufen. Die USA erlebten einen langjährigen Immobilienboom. Die Preise schienen nur eine Richtung zu kennen: aufwärts. Angesichts niedriger Zinsen und stetig steigender Immobilienpreise nutzen viele US-Amerikaner ihr Haus nun als regelrechte Geldmaschine. Viele Eigenheimbesitzer lösten ihre Kredite ab, um ihr Haus noch günstiger zu finanzieren. Andere erhöhten ihre Hypothek. Die Folge: ein Kaufrausch auf Pump.

Lizenz zum Gelddrucken

Davon profitierten auch die exportorientierten Länder in Europa und Asien. Zudem floss von dort viel Kapital in die USA, das den Immobilienmarkt weiter anfeuerte. Hinzu kam, dass Immobilienkredite auch ohne jegliche Sicherheiten vergeben wurden – die sogenannten Subprime-Darlehen waren geboren. Als Garantie galt einzig und allein die erworbene Immobilie. In der Finanzbranche wurde diese Praxis auch Ninja-Kredit genannt. No income, no job, no assets – kein Einkommen, kein Arbeitsplatz, kein Vermögen.

Das hinderte Immobilienfinanzierer und Banken aber nicht daran, diese Kredite als Lizenz zum Gelddrucken zu interpretieren. Die Wall Street erfand immer kompliziertere Finanzprodukte, sie bündelte Millionen von Subprime-Krediten, tranchierte sie und verkaufte sie weltweit an Investoren - auch in Deutschland. Die Rettung des deutschen Bankensektors wird den Steuerzahler später Milliarden kosten.

Noch fanden die hochkomplexen Produkte, die kaum jemand durchschaute, aber reißenden Absatz. Schließlich versprachen sie satte Gewinne. Wer vor den Folgen warnte, wurde ignoriert. Als Investorenlegende Warren Buffett über "finanzielle Massenvernichtungswaffen" schimpfte, hörte niemand auf ihn.

Wozu auch? Je mehr toxische Papiere die Investmentbanker verkauften, desto höhere Boni strichen sie ein. Dass ihre Kunden immense Verluste mit den Papieren erleiden konnten, war ihnen völlig egal. Haftbar waren sie schließlich nicht. Wer die Papiere kaufte, ließ sich von der Aussicht auf glänzende Gewinne blenden. Und beide Seiten konnten sich ja auf die Ratingagenturen berufen, die Giftpapieren Top-Bewertungen gaben.

Zusammenbruch von Lehman-Brothers naht

Das alles fand unter den Blicken der Banken- und Börsenaufsicht statt, die sich als wirkungslos entpuppten. Regulierung? Fehlanzeige. Komplizierte Finanzprodukte wurden von eigens gegründeten Zweckgesellschaften gekauft, deren einziger Zweck es war, dass die Banken ihre hochriskanten Spekulationen nicht in ihrer Bilanz aufführen mussten.

Die Politik griff nicht ein. Republikaner und Demokraten erfreuten sich an brummender Wirtschaft, sinkender Arbeitslosigkeit und einer stetig wachsenden Zahl von Hausbesitzern. Der "amerikanische Traum" schien Realität zu sein.

Das allerdings erwies sich als fataler Irrtum. 2006 ging der Häuserboom zu Ende, was unter anderem daran lag, dass die Fed die Zinsschraube angezogen hatte. Da ein Großteil der Immobilienkredite an den Leitzins gekoppelt war, gerieten viele US-Amerikaner in Zahlungsschwierigkeiten. Durch die fallenden Häuserpreise waren nicht nur Subprime-Kredite nicht mehr ausreichend abgesichert.

Banken blieben auf Forderungen sitzen, der Handel mit den auf Immobilien basierenden Wertpapieren kollabierte. Der Häusermarkt brach zusammen, die Abwärtsspirale drehte sich immer schneller. Bis zur Pleite von Lehman Brothers war es nicht mehr weit.

Quelle: n-tv.de

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