Wirtschaft

Aufschwung auf drei Beinen?Volkswirte zum Einzelhandel

01.09.2010, 10:49 Uhr

Während sich die deutsche Wirtschaft noch im Licht des unerwarteten Sommerhochs sonnt, bleibt die Stimmung im deutschen Einzelhandel verhalten. Volkswirte betrachten die Umsatzzahlen aus dem Juli mit Sorge.

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Die gute Stimmung erreicht die Kassen der Einzelhändler nur schleppend. (Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Einzelhandel kommt nach wie vor nicht so recht aus den Startlöchern. Im Juli sind die Umsätze des Einzelhandels im Vergleich zum Vormonat preisbereinigt um 0,3 Prozent gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Markterwartungen, die bei einem Anstieg um 0,5 Prozent lagen, wurden damit klar enttäuscht.

Im Jahresvergleich konnten die Einzelhandelsumsätze hingegen zulegen. Real kletterte der Juli-Umsatz 2010 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,8 Prozent, wobei Experten mit 1,2 Prozent einen höheren Zuwachs erwartet hatten. Nominal lag das Plus bei 2,4 Prozent. Die Ergebnisse basieren auf Daten aus sieben Bundesländern, in denen rund drei Viertel des Gesamtumsatzes im deutschen Einzelhandel gemacht werden.

Bereinigt um Kalender- und Saisoneffekte sank der reale Einzelhandelsumsatz im Juli im Vergleich zum Juni um 0,1 Prozent. Analysten hatten hier ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. "Auf dem ersten Blick ist das Ergebnis eine Enttäuschung", sagte HSBC-Trinkaus-Ökonom Stefan Schilbe. "Allerdings wurden die Vormonate kräftig noch oben revidiert, so dass das Ergebnis bei genauem Hinsehen besser ausfällt."

Klopfen am Standbein Nr. 3

"Wir haben ein Umfeld, in dem der private Konsum neben Exporten und Investitionen zum dritten Standbein des Aufschwungs werden kann", erklärte Schilbe in seiner ersten Reaktion. Dies habe schon das zweite Quartal gezeigt. Die Tendenz dürfte sich in den kommenden Quartalen fortsetzen, meinte Schilbe. "Dafür spricht für allem die sinkende Arbeitslosigkeit", hob er hevor. "Niedrige Zinsen kurbeln zudem den kreditfinanzierten Konsum an."

Auf die Bedeutung der Binnennachfrage in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechung ging SEB-Ökonom Klaus Schrüfer ein: "Der private Konsum hat im zweiten Quartal einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet", sagte Schrüfer.

Der Arbeitsmarkt sei weiter stabil, stellte Schrüfer fest. Das spreche dafür, dass sich der Einzelhandel in den nächsten Monaten etwas verbessert, schätzte der SEB-Experte. "In der Tendenz dürften wir vom privaten Konsum weitere Wachstumsbeiträge bekommen. Die Statistik wird aber üblicherweise stark revidiert, deswegen muss man alle Aussagen mit Vorsicht treffen."

Positive Perspektiven leitete Sal-Oppenheim-Expertin Ulrike Kastens aus den Zahlen ab: "Die Perspektiven für den Konsum hellen sich weiter auf. Das kann man am Konsumklima und der sinkenden Arbeitslosigkeit ablesen. Wir gehen davon aus, dass der private Konsum in den kommenden Quartalen moderat steigen und damit den Aufschwung stützen wird. Das Geld sitzt wieder lockerer, vor allem wegen des besseren Arbeitsmarktes. Einen Konsumboom werden wir aber nicht sehen. Das passt nicht zu uns Deutschen." (Konjunkturredaktion Berlin, redigiert von Christina Amann) REUTERS

Quelle: rts