Ökonomen-BarometerZuversicht auf Rekordniveau
Der Optimismus für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft wächst weiter. Das Ökonomen-Barometer von n-tv und Euro am Sonntag steigt im Februar auf einen neuen Höchststand.
Deutschlands führende Volkswirte
sind für die Konjunktur so zuversichtlich wie noch nie seit Einführung des Ökonomen-Barometers
im Dezember 2006. Im Februar legte der Erwartungswert um elf Prozent auf den neuen
Rekordstand von 81 Punkten zu und notierte damit deutlich über dem bisherigen Hoch
von 75,5 Punkten aus dem Juni 2007. Auch die Einschätzung der aktuellen Lage verbesserte
sich gegenüber dem Vormonat um 3,3 Prozent auf knapp 75 Punkte. Damit notierte das
Ökonomen-Barometer von Euro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv auf dem höchsten
Stand seit Juli 2007.
Die Zuversicht speist sich aus dem anhaltend guten konjunkturellen Umfeld, überwiegend
optmistischen Unternehmensausblicken, hoher Beschäftigung sowie einem starken privaten
Konsum. Zugleich traten die jüngsten Sorgen um einen möglichen Konjunkturrückschlag
wegen der desolaten Haushaltslage vieler EU-Mitgliedsländer in den Hintergrund.
Auf überraschende Zustimmung unter Volkswirten trafen Pläne von Bundeskanzlerin
Angela Merkel und des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zu einer engeren
Abstimmung der Wirtschafts- und Finanzpolitik innerhalb der EU. Jeder zweite Volkswirt
begrüßte die Initiative, 38 Prozent der befragten Experten lehnten den Vorstoß dagegen
ab. Nach den Vorstellungen sollen sich die Mitgliedsländer freiwillig auf die Einhaltung
von Sparregeln verpflichten. Außerdem sieht der "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit"
unter anderem eine Anhebung des Renteneintrittsalters, die Abschaffung inflationsgebundener
Lohnerhöhungen in einigen Staaten sowie eine Angleichung der Körperschaftssteuer
vor. "Von einer verbesserten Koordination der nationalen Wirtschaftspolitken
profitieren alle beteiligten Länder", sagte etwa Prof. Frank Bulthaupt.
Mit Skepsis betrachten viele Ökonomen indes die angedachte Selbstverpflichtung.
Ein solcher Pakt könne zwar helfen, Reformen anzustoßen, erklärte Friedrich Heinemann
vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Allzu viel solle man aber
von Selbstverpflichtungen nicht erwarten. "Im Zweifel sind innenpolitische
Befindlichkeiten wichtiger als vage europäische Selbstverpflichtungen".
Zudem warnten zahlreiche Ökomen vor möglichen Wettbewerbsbeschränkungen. Ein Pakt
für Wettbewerbsfähigkeit müsste bedeuten, dass alle EU-Mitglieder versuchen, "im
Wettbewerb zueinander komparative Vorteile zu produzieren", sagte Prof. Wolf
Schäfer, Emeritus der Bundeswehr-Uni in Hamburg. Durch eine Koordination würde dies
aber "geradewegs wegharmonisiert". Daraus entspringe "nicht mehr,
sondern weniger Wettbewerbsfähigkeit".
Auf breite Ablehnung trafen zudem Überlegungen zur Einführung einer Transaktionssteuer
auf Devisengeschäfte oder Aktienkäufe. In der EU zeichnet sich derzeit keine Mehrheit
für eine Transaktionssteuer ab. Daher erwägt die Bundesregierung gemeinsam mit Frankreich
und Österreich voranzugehen. Immerhin 80 Prozent der befragten Volkswirte halten
das für falsch. "Eine solche Maßnahme führt nur zu Verlagerung", sagte
Prof. Walter Krämer von der Uni Dortmund. Auch der Konjunkturchef des Deutschen
Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke, warnte vor den möglichen
Folgen: "Selbst eine EU-weite Transaktionssteuer ließe den bedeutenden Finanzplatz
außen vor, so dass große Kapitalbewegungen zu erwarten wären."