Wirtschaft

Ökonomen-BarometerZuversicht auf Rekordniveau

18.02.2011, 13:17 Uhr

Der Optimismus für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft wächst weiter. Das Ökonomen-Barometer von n-tv und Euro am Sonntag steigt im Februar auf einen neuen Höchststand.

Deutschlands führende Volkswirte

sind für die Konjunktur so zuversichtlich wie noch nie seit Einführung des Ökonomen-Barometers

im Dezember 2006. Im Februar legte der Erwartungswert um elf Prozent auf den neuen

Rekordstand von 81 Punkten zu und notierte damit deutlich über dem bisherigen Hoch

von 75,5 Punkten aus dem Juni 2007. Auch die Einschätzung der aktuellen Lage verbesserte

sich gegenüber dem Vormonat um 3,3 Prozent auf knapp 75 Punkte. Damit notierte das

Ökonomen-Barometer von Euro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv auf dem höchsten

Stand seit Juli 2007.

Die Zuversicht speist sich aus dem anhaltend guten konjunkturellen Umfeld, überwiegend

optmistischen Unternehmensausblicken, hoher Beschäftigung sowie einem starken privaten

Konsum. Zugleich traten die jüngsten Sorgen um einen möglichen Konjunkturrückschlag

wegen der desolaten Haushaltslage vieler EU-Mitgliedsländer in den Hintergrund.

Auf überraschende Zustimmung unter Volkswirten trafen Pläne von Bundeskanzlerin

Angela Merkel und des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zu einer engeren

Abstimmung der Wirtschafts- und Finanzpolitik innerhalb der EU. Jeder zweite Volkswirt

begrüßte die Initiative, 38 Prozent der befragten Experten lehnten den Vorstoß dagegen

ab. Nach den Vorstellungen sollen sich die Mitgliedsländer freiwillig auf die Einhaltung

von Sparregeln verpflichten. Außerdem sieht der "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit"

unter anderem eine Anhebung des Renteneintrittsalters, die Abschaffung inflationsgebundener

Lohnerhöhungen in einigen Staaten sowie eine Angleichung der Körperschaftssteuer

vor. "Von einer verbesserten Koordination der nationalen Wirtschaftspolitken

profitieren alle beteiligten Länder", sagte etwa Prof. Frank Bulthaupt.

Mit Skepsis betrachten viele Ökonomen indes die angedachte Selbstverpflichtung.

Ein solcher Pakt könne zwar helfen, Reformen anzustoßen, erklärte Friedrich Heinemann

vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Allzu viel solle man aber

von Selbstverpflichtungen nicht erwarten. "Im Zweifel sind innenpolitische

Befindlichkeiten wichtiger als vage europäische Selbstverpflichtungen".

Zudem warnten zahlreiche Ökomen vor möglichen Wettbewerbsbeschränkungen. Ein Pakt

für Wettbewerbsfähigkeit müsste bedeuten, dass alle EU-Mitglieder versuchen, "im

Wettbewerb zueinander komparative Vorteile zu produzieren", sagte Prof. Wolf

Schäfer, Emeritus der Bundeswehr-Uni in Hamburg. Durch eine Koordination würde dies

aber "geradewegs wegharmonisiert". Daraus entspringe "nicht mehr,

sondern weniger Wettbewerbsfähigkeit".

Auf breite Ablehnung trafen zudem Überlegungen zur Einführung einer Transaktionssteuer

auf Devisengeschäfte oder Aktienkäufe. In der EU zeichnet sich derzeit keine Mehrheit

für eine Transaktionssteuer ab. Daher erwägt die Bundesregierung gemeinsam mit Frankreich

und Österreich voranzugehen. Immerhin 80 Prozent der befragten Volkswirte halten

das für falsch. "Eine solche Maßnahme führt nur zu Verlagerung", sagte

Prof. Walter Krämer von der Uni Dortmund. Auch der Konjunkturchef des Deutschen

Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke, warnte vor den möglichen

Folgen: "Selbst eine EU-weite Transaktionssteuer ließe den bedeutenden Finanzplatz

außen vor, so dass große Kapitalbewegungen zu erwarten wären."

Quelle: Thomas Schmidtutz