Wirtschaft
Erst Spanien, nun Zypern: Zwei weitere Euro-Staaten kommen nicht mehr ohne EU-Hilfen über die Runden.
Erst Spanien, nun Zypern: Zwei weitere Euro-Staaten kommen nicht mehr ohne EU-Hilfen über die Runden.(Foto: dapd)

Griechenland lässt Banken wanken: Zypern flüchtet unter den Schirm

Wenige Tage vor der Übernahme des EU-Ratsvorsitzes schlüpft Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Weil die Banken des Landes wegen ihrer Verflechtungen mit Griechenland stark in Bedrängnis geraten, bittet Zypern nun als fünfter Staat um Hilfen von EFSF oder ESM. Bei den Ratingagenturen kommt Zypern über den Ramschstatus nicht hinaus.

Nun auch Zypern: Die kleine Republik flüchtet sich als fünfter von insgesamt 17 Euro-Staaten unter den Europäischen Rettungsschirm. Die Regierung ersuchte seine europäischen Partner um Hilfe aus den Krisenfonds EFSF oder ESM. Am selben Tag hatte auch Spanien seinen offiziellen Antrag auf Finanzhilfen gestellt. Während die Regierung in Madrid jedoch lediglich Rekapitalisierungshilfen für die Banken des Landes beantragte, stellte Zypern ein vollständiges Hilfsgesuch für das Land. Damit werden Gelder an Spar- und Reformauflagen für das gesamte Land geknüpft sein.

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Als Begründung für den Hilfsantrag verwies Zypern auf die Auswirkungen der Griechenland-Krise. Die Banken beider Länder sind stark miteinander verflochten. Zyprische Banken sind in großem Stil in Griechenland, insbesondere auch deren Staatsanleihen engagiert. Allein das zweitgrößte Institut Zyperns, die Cyprus Popular Bank, benötigt infolge von Abschreibungen 1,8 Mrd. Euro, um sich zu rekapitalisieren. Für das kleine Land sind solche Größenordnungen nicht aus eigener Kraft abzufedern, da allein dieser Finanzbedarf rund zehn Prozent der zyprischen Wirtschaftsleistung entspricht.

Auflagen voraus

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, begrüßte das Hilfegesuch aus Zypern. "Die Eurogruppe wird den Antrag nun rasch untersuchen und Zypüern eine formelle Antwort geben", erklärte Luxemburgs Premier. Er erwarte nun, dass die 17 Euro-Länder der EU-Kommission un der Europäischen Zentralbank den Auftrag erteilten, Auflagen für die Hilfen auszuarbeiten. Dabei gehe es vor allem um den Finanzsektor. "Ich gehe davon aus, dass Zypern sich mit starker Entschlossenheit an die nötigen politischen Handlungen macht", hieß es in Junckers Mitteilung weiter.

Schon am Vortag hatte der zyprische Regierungssprecher Stefanos Stefanou einen Antrag nicht ausgeschlossen. Es gehe nicht nur darum, ob Zypern seine Banken retten könne, sondern auch um "notwendige Reformen, die durchgeführt werden müssen", sagte er.

Das Hauptproblem des Inselstaates ist der eng mit den griechischen Geldhäusern verwobene Bankensektor. Fitch erklärte, die Herabstufung sei Folge eines wachsenden Kapitalbedarfs der großen Geschäftsbanken. Die Experten von Fitch gehen davon aus, dass die Geldhäuser weitere Kapitalspritzen in einer Höhe von bis zu vier Mrd. Euro benötigen könnten.

Ratingagenturen einig: Ramsch

Zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Landes bereits um eine Stufe auf die Note "BB+" herab. Damit setzte sie als letzte der großen drei Agenturen die Kreditwürdigkeit erstmals in den Bereich der hoch spekulativen Anlagen, gemeinhin als Ramschstatus bezeichnet. Fitch setzte den Ausblick für Zypern auf "negativ". Damit ist in den kommenden Monaten eine weitere Herabstufung möglich.

Russland hat sich bereits zu einem neuen Kredit über bis zu fünf Mrd. Euro für Zypern bereiterklärt. Dies werde jedoch in Brüssel nicht gern gesehen, hieß es aus Bankkreisen in Nikosia. Die Insel hat mit etwa 17,5 Mrd. Euro Wirtschaftsleistung eine der kleinsten Volkswirtschaften der Eurozone. Am 1. Juli übernimmt Zypern den EU-Ratsvorsitz.

Quelle: n-tv.de

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