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Wall Street deutlich im Plus: Dax beendet beste Börsenwoche seit 2011

Was für eine Woche für den Dax - beseelt von der Aussicht auf eine anhaltende Geldschwemme der EZB treiben Anleger den deutschen Leitindex kräftig nach oben. Auch die Notenbank Chinas spielt mit und schiebt mit einer Zinssenkung die Märkte zusätzlich an.

Die Aussicht auf massenhaft Notenbankgeld hat den deutschen Aktienmarkt erneut befeuert und dem Dax die beste Börsenwoche seit mehr als viereinhalb Jahren beschert: Der deutsche Leitindex legte fast drei Prozent zu und überschritt zwischenzeitlich sogar die 10.800er-Marke. Der technologielastige TecDax näherte sich seinem Jahreshoch vom 20. Juli bei 1840 Punkten. Getragen wurde er dabei durch Werte wie United Internet und Wirecard, die auf Allzeithochs notierten.

Ihn trieb weiterhin die Hoffnung auf eine Ausweitung der Geldschwemme im Euroraum: EZB-Chef Mario Draghi hatte nach der Ratssitzung in Malta angekündigt, im Dezember zu prüfen, ob die Geldpolitik die Konjunktur ausreichend stimuliere. Bereits am Donnerstag hatte der Dax 2,5 Prozent fester bei 10.492 Punkten geschlossen.

Rückenwind kam von einer geldpolitischen Entscheidung in Asien: Die Notenbank in China reihte sich in den Reigen der Notenbanken ein, der ihrer Wirtschaft mit Zinssenkungen unter die Arme greifen. Der Leitzins werde um 0,25 Prozentpunkte auf 4,35 Prozent gesenkt, teilte die Notenbank mit. "Nach den jüngst schwachen Wirtschaftsdaten aus China wurde auf solch einen Schritt bereits gesetzt", sagte ein Marktteilnehmer. "Nun dürfte es für die Fed zunehmend schwerer werden, im Dezember die Zinsen anzuheben", ergänzte er.

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Aber auch das Umfeld der Weltmärkte gestaltete sich günstig: "Die Risikobereitschaft nimmt zu", sagte ein Händler. Zudem stützten die neuesten Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone, die im Oktober besser ausfallen als erwartet.

In den Blick gerate nun die 200-Tage-Linie bei 11.033 Punkten. Bereits am Morgen hatten Händler auf die neue Relative Stärke des Dax gegen den Dow-Jones-Index verwiesen: "Sie deutet auf anhaltende Kapitalzuflüsse hin", sagte ein Marktteilnehmer. Besonders US-Anleger dürften nun wieder Geld in die Eurozone lenken. Dafür sprächen auch das zunehmende Momentum und die Trendstärke. Der steigende Umsatz gilt ebenfalls als Indiz, dass sich der Kursaufschwung fortsetzt.

Frankfurt: Autowerte drängeln sich an der Dax-Spitze

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Der Dax schloss am Ende 2,9 Prozent höher auf 10.795 Punkte, nachdem er sein Tageshoch zuvor bei 10.847 Punkten markiert hatte. Beim Nebenwerte-Index MDax zeigte sich ein Zugewinn von 2,6 Prozent auf 20.918 Zähler, um 2,0 Prozent nach oben ging es für den TecDax auf 1821 Punkte. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 stieg um 2,1 Prozent auf 3423 Punkte.

Weit oben im Dax standen die Autowerte: BMW legten 3,3 Prozent zu, Daimler 3,5 Prozent, Zulieferer Continental verbessert sich um 3,5 Prozent, Volkswagen legen 3,8 Prozent zu. Dax-Spitzenreiter waren jedoch Merck mit plus 6,5 Prozent.

K+S schlossen gegen den Trend im Minus, als einziger Dax-Titel. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Der Kurs war am Donnerstag überdurchschnittlich stark um knapp 5 Prozent gestiegen. Nun gab der Kurs um 1,8 Prozent nach. "Die Perspektiven sind unsicher", sagte ein Händler. Während Yara von einer besseren Nachfrage nach Dünger außerhalb Europas spricht, sehen andere Marktteilnehmer El Nino als Bremse. Das Wetterphänomen könnte vor allem die Nachfrage aus Indien bremsen.

Wall Street: Bilanzen und Notenbanken lassen Kurse steigen

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Überraschend starke Bilanzen von Konzernen wie Microsoft und Amazon elektrisieren die Wall Street. Für einen weiteren Schub sorgt eine Zinssenkung der chinesischen Notenbank. Investoren hoffen, dass dies hilft im Kampf gegen die Wachstumsschwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft hinter den USA.

Der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten schloss 0,9 Prozent stärker bei 17.647 Punkten. Beim breiter aufgestellten S&P 500 beträgt das Plus 1,1 Prozent auf 2075 Stellen, während der Nasdaq-Index sogar um 2,27 Prozent auf 5031 Zähler zulegte.

Investoren konzentrieren sich vor allem auf die Zahlen der Internet-Konzerne. So verzückte der weltgrößte Onlinehändler Amazon Anleger mit einem überraschenden Gewinn. Die Aktie stieg um 6,7 Prozent. Bei Microsoft und der Google-Mutter Alphabet lag der Überschuss jeweils über den Erwartungen. Die Anteilsscheine stiegen um 5,6 Prozent.

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In ihrem Sog steigen Facebook 2,5 Prozent und Twitter 3,8 Prozent. Facebook-Titel überspringen erstmals die Marke von 100 Dollar. Der Henkel-Konkurrent Procter & Gamble erwartet nach längeren Umsatzschwund eine Erholung im laufenden Quartal. Dank dieses Ausblicks steigt die Aktie fast drei Prozent.

Eine mögliche Übernahme durch den Cornflakes-Konzern Kellogg sorgt bei Diamond Foods für einen Kurssprung. Das kalifornische Unternehmen, das für Kartoffelchips der Marke Kettle bekannt ist, soll nach einem Bericht der "New York Post" für 1,5 Milliarden Dollar gekauft werden. Die Aktie steigt um 6,5 Prozent. Für Kellogg geht es dagegen um 0,43 Prozent bergab.

Asien: EZB beflügelt auch asiatische Börsen

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Die Aussicht auf weitere Konjunkturhilfen der Europäischen Zentralbank hat zum Wochenausklang auch die Aktienmärkte in Asien beflügelt. Die Tokioter Börse verbuchte ein Plus von mehr als zwei Prozent, und auch in China zeigten die wichtigsten Indizes nach oben. "Der Markt ist nach den Bemerkungen der EZB erleichtert", sagte der Investmentstratege Masaru Hamasaki vom Finanzhaus Amundi Japan.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 2,1 Prozent höher bei 18.825 Punkten. Der Aktienmarkt in Hongkong legte 1,4 Prozent zu. Die Börse in Schanghai und der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen notierten jeweils rund 1,2 Prozent höher. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans kletterte 1,7 Prozent.

In Japan gefragt waren insbesondere Exporttitel wie der Autobauer Honda, dessen Aktien gut vier Prozent zulegten. Auch Titel aus der Immobilien- und der Lebensmittelbranche fanden Gefallen der Anleger. In China trennten sich die Investoren dagegen von Aktien der Luftfahrtgesellschaften Air China und China Southern Airlines, nachdem die Unternehmen Medienberichte über einen Zusammenschluss zurückgewiesen hatten. Die Aktienkurse beider Konzerne gaben in Hongkong und Shanghai jeweils zwischen einem und drei Prozent nach.

Rohstoffe: Pekings Zins-Manöver löst Preissteigerung aus

Die erneute Zinssenkung in China lässt Anleger am Rohstoffmarkt auf eine Ankurbelung der Wirtschaft hoffen. Die Preise für konjunkturabhängige Metalle wie Kupfer und Zink schnellten am Freitag in die Höhe, nachdem die chinesische Zentralbank im Kampf gegen die Konjunkturabkühlung erneut die Zinsen senkte.

Kupfer verteuerte sich um bis zu 1,7 Prozent auf 5319 Dollar je Tonne, Zink legte ebenfalls bis zu 1,7 Prozent zu. Gold hielt sich trotz Dollarstärke wacker und stagnierte mit 1.165 Dollar je Feinunze mehr oder weniger auf Tagessicht. Auf Wochensicht verlor das Edelmetall allerdings 1,7 Prozent - soviel wie zuletzt im August. 

Belastet wurden die Ölpreise unter anderem von dem Umstand, dass sich die Anzahl der in den USA aktiven Bohrlöcher reduziert hatte. Um der Ölflut zu begegnen, müssten mehr Bohranlagen den Betrieb einstellen, hieß es. Letztlich schlossen die Ölpreise auf dem tiefsten Stand seit rund einem Monat. Das Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 1,7 Prozent auf 44,60 Dollar, Brent war mit 47,99 Dollar nur 0,2 Prozent günstiger zu haben. Zudem machte sich die Dollarstärke beim Ölpreis bemerkbar.

Die Währungshüter in Peking senkten den Leitzins mit einjähriger Laufzeit um einen Viertel Prozentpunkt auf 4,35 Prozent. Das Wirtschaftswachstum war zuletzt unter die magische Grenze von sieben Prozent gerutscht - das ist das niedrigste Quartalswachstum seit den Zeiten der globalen Finanzkrise Anfang 2009. Das Reich der Mitte gilt als einer der wichtigsten Verbraucher von Rohstoffen.

Devisen: Euro fällt deutlich

Die europäische Gemeinschaftswährung Euro fällt nach Draghis Ausführungen zeitweise auf 1,10 Dollar zurück, das war der niedrigste Stand seit Mitte August. Der Euro rauschte seit Donnerstag in der Spitze um rund zweieinhalb US-Cent in die Tiefe.

Neue Hinweise über den Zustand der Konjunktur in der Euro-Zone liefern am Vormittag die Einkaufsmanagerindizes für Oktober. Nach Einschätzung von Helaba-Analyst Ralf Umlauf wird auf breiter Front mit einer Abschwächung gerechnet, wobei sich der Dienstleistungssektor insgesamt besser schlagen sollte als die Industrie.

Quelle: n-tv.de

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