Essen und Trinken

Waidmänner und gepuderte Damen Es lauert immer und überall

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nicht nur beim ersten Besuch der Schwiegereltern in spe oder beim Versuch, der Gattin des Chefs ein Kompliment zu machen, lauert die Blamage. Es ist stets gegenwärtig - das Fettnäpfchen, in das man treten kann. Selbst in weltberühmten Opernhäusern steht es herum.

Es gibt wohl niemanden, der nicht schon mal mit beiden Beinen symbolisch drin stand in einem Fettnäpfchen, das mitunter gar kein kleiner Napf, sondern eher eine Tonne ist, in der man vor Scham versinken möchte. Die Redewendung, dass man "ins Fettnäpfchen tritt", wenn man etwas Peinliches sagt, ist noch gar nicht so alt, wie oft vermutet wird. Sie geht wohl auf das 19. Jahrhundert zurück.

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Heutzutage hängt die ganze Herrlichkeit nicht mehr in der Diele und tropft. "Fettnäpfchen" lauern dennoch auf uns.

(Foto: Paul-Georg Meister/pixelio.de)

In den Bauernhäusern wurde das von den an der Decke hängenden Würsten, Schinken und Speckseiten tropfende Fett in Näpfen aufgefangen, die darunter auf dem Boden standen. Den Familienmitgliedern waren die Standorte der Schüsseln natürlich gut bekannt - aber Fremden? In den ohnehin nicht sehr hellen Katen waren die "Fettnäpfe" kaum zu sehen - und Besucher tapsten vermutlich oft genug versehentlich in sie hinein. Doppelt peinlich: Schuhe und wahrscheinlich auch noch die Hosenbeine waren fettverschmiert, und das Fett war ebenso verdorben, weil verschmutzt oder gar ausgekippt.

Mitunter können schon kleine sprachliche Schnitzer zu großen Peinlichkeiten werden, dazu ist nicht einmal eine weite Reise in ein fremdsprachiges Land nötig. Es genügt schon, wenn der Bayer nach Berlin kommt oder der Berliner nach Bayern reist. Oder wenn "Piefke" sich in Österreich umtut. Dass man in einem Wiener Kaffeehaus keinen Kaffee bestellt, sollte sich schon herumgesprochen haben. Allerdings ist dieser Schnitzer nicht allzu bös, schlimmstenfalls trifft den deutschen Gast der geringschätzige Blick des Kellners, wenn er dann einen "Kleinen Braunen", "Großen Schwarzen" oder einen "Einspänner" bringt.

Vorsicht bei der Wortwahl

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Hat trotz aller Ehrwürdigkeit immer "a bisserl" Opernball-Atmosphäre, das "erste Haus am Ring" in Wien.

(Foto: picture alliance / dpa)

Um Längen peinlicher war vor Jahren mein "Auftritt" in der Wiener Staatsoper. Bei meinen ersten Besuch der österreichischen Hauptstadt führte mich mein guter alter Freund Fritz in "das erste Haus am Ring", und bevor mich Mimi in "La Bohème" zu Tränen rührte, brachte ich Fritz zum Weinen - vor Lachen! Vor uns in der Warteschlange an der Garderobe herausgeputzte Herrschaften, bodenlange und schulterfreie Taftkleider, aus denen ein Geruch stieg, der mich an einen Theaterfundus erinnerte - ein bisschen Schminke, ein bisschen Parfüm, ein bisschen Mottenpulver. Ich in meinem schlichten Hosenanzug war zwar nicht deplatziert gekleidet, aber zumindest nicht wienerisch. Ja, ja - in Wien ist Oper noch Oper! Und so flüsterte ich - ehrlich: Ich habe ganz, ganz leise geflüstert! - Fritz ins Ohr: "In einem Theater riecht es immer irgendwie nach gepuderten Damen."

Fritz erzählte später an der Uni: Hunderte (hunderte!!!) Operngäste erstarrten, gespenstische Stille breitete sich aus und alle, aber auch alle drehten sich zu mir um…

Bei der Story bog sich die halbe Wiener Universität vor Lachen, auf MEINE Kosten! Denn fast nichts davon stimmt! Wahr ist zwar meine (damalige) Unkenntnis  österreichischer "Spezialitäten"; wahr ist auch, dass sich einige (einige!) der vor uns stehenden Herrschaften umdrehten, aber ihre empörten Blicke galten Fritz und nicht mir, weil nämlich Fritz in den heiligen Hallen in ein wieherndes Gelächter ausgebrochen war und überhaupt nicht mehr aufhören konnte damit. Ich stand da wie Depp. Null Ahnung.

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Wer schön sein will, braucht Puder.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine halbe Ewigkeit und mehrere Lachsalven später sorgte Fritz für Aufklärung, was der Ösi unter "Pudern" versteht. Im deutschen Jargon gibt es dafür die Wörter, die mit "f" oder "v" anfangen. Aber Sie wissen das sicher … Dank meines Fauxpas’ wurde der Abend trotz der traurigen Geschichte von Mimi und Rodolfo noch ein sehr lustiger.

Bücher wie "Sprechen Sie Wienerisch?" (ein Geschenk von Fritz) helfen mir seither, weniger in deutsch-österreichische Fettnäpfchen zu stolpern.  Für meinen nächsten Wien-Besuch habe ich ein Mitbringsel für Fritz schon im Schrank: eine Streudose mit feinem Berliner "Puderzucker". Der wird in Österreich natürlich Staubzucker genannt. Was mich zu der Frage bringt: Heißt das Zeug, womit man sich man sich in deutschen Landen pudert, in Österreich "Gesichtsstaub"?

Ein Häferl und ein Buderl

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Die Soldatinnen im österreichischen Bundesheer bevorzugen Tarnfarben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht nur "pudern" ist typisch österreichisch, sondern auch Jagertee. Angesichts des auf uns zu eilenden Winters kann man schon mal prophylaktisch auf heiße Gedanken kommen. Die Bezeichnung Jagertee wurde zwischen Österreich und der EU per Vertrag als typisch österreichisches Produkt geschützt. (Bei "pudern" hat man das nicht versucht…) Konkrete Heimat des Jagertees sollen Tirol und Vorarlberg sein. Dort sollen schon im 19. Jahrhundert Jäger, Förster und Waldarbeiter im Winter den Tee zum Aufwärmen getrunken haben.

Der hat es mit 12 bis 15 Volumenprozent Alkohol auch ganz schön in sich. Vermutlich kennen Sie die Mischung aus Schwarzem Tee, Rum und Obstler längst aus Ihrem Winterurlaub aus Österreich. Aber haben Sie ihn schon mal selbst gebraut? Jagertee ist auf alle Fälle eine leckere Alternative zu üblichem Grog oder Glühwein. Es gibt im Handel auch fertige Jagertee-Mischungen zu kaufen. Nur österreichische Hersteller dürfen ihn als Jagertee, Jagatee oder Jägertee auf den Markt bringen, deutsche Konkurrenten nur als Hütten- oder Förstertee.

Egal, ob selbst gemischt oder fertig gekauft - Vorsicht ist geboten. Allerdings hat man bei der Selbstherstellung mit guten Zutaten eventuell die Chance, dass der Kater am nächsten Morgen nicht ganz so ruppig ausfällt. Außerdem lernt man beim selbstgemachten Jagertee, was ein "Buderl" und was ein "Häferl" ist:

Zutaten (pro Person):

schwarzer Tee
1 Buderl guter Obstler, z. B. Pflaume (ca. 20 ml)
1 Buderl Stroh-Rum (40 oder 80 Vol%)
Zucker und Zitronensaft nach Geschmack

Zubereitung:

Schwarzen Tee frisch aufbrühen. In ein Häferl, das ist eine große Kaffeetasse, hierzulande auch "Pott" genannt, je 1 Buderl (das ist eine kleine Schnapsflasche und entspricht etwa 20 ml) Obstler und Rum gießen und mit schwarzem Tee auffüllen. Mit weißem oder braunem Zucker (kein Puderzucker!) und Zitronensaft abschmecken.

Mitunter werden auch noch Rotwein, Orangensaft, Nelken und Zimt mit verwendet, aber mir schmeckt die einfache Mischung aus Obstler und Rum am besten.

Viel Spaß beim Mischen und beim Österreichisch lernen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de