Essen und Trinken

Hier wird nicht gefummelt! Kein Hohlkörper

Vielfältig und verschiedenartig wie die Landschaften zwischen Elbe und Erzgebirge ist die sächsische Küche. Am bekanntesten dürften wohl Dresdner Stollen und Leipziger Lerchen sein. Aber auch die herzhaften Seiten der sächsischen Küche sind Leckerbissen: Erzgebirgische Buttermilchgetzen, Vogtländische Kartoffelpuffer oder "Zibbel-Klump mit Halbseidenen". Bemerkenswert ist bei den meisten Gerichten ihre Einfachheit. Erzschürfer und Holzfäller, Strumfwirker und Posamentenmacher konnten sich jahrhundertelang nur die einfachsten Zutaten leisten. Aber daraus zauberten die Hausfrauen oft wahre Wunder.

Ein "Wunder" sind auch die so genannten Meißner Fummeln. Allerdings ist hierbei der Spaßfaktor höher als der Nährwert. Kurios (wenn nicht wahr, dann gut erfunden) ist die Entstehungsgeschichte: Zu Zeiten August des Starken war zwischen Meißen und Dresden täglich ein Depeschenreiter unterwegs, doch die Post kam meistens ramponiert und verspätet an. Der Kurfürst war sauer und davon überzeugt, dass der Reiter in den vielen kleinen Schenken entlang des Wegs zu sehr dem Meißner Wein zusprach. (August selbst zwar auch, aber der musste ja auch nicht arbeiten!)

Jedenfalls soll der Landesherr dem Zunftmeister der Meißner Bäckerinnung befohlen haben, ein sehr leichtes und zerbrechliches Gebäck herzustellen und besagtem Postreiter mit auf den Weg zu geben. Der wiederum hatte den Auftrag, das Gebäck unversehrt nach Dresden mitzubringen. Und so erfanden die Meißner Bäcker die "Fummel" - ein Gebäck aus leichtem Nudelteig, hauchdünn ausgerollt. Die Stücke werden mit Eigelb bestrichen, von den vier Ecken her zusammengeschlagen, umgedreht, mit einem Strohhalm angestochen und leicht aufgeblasen und dann im Ofen gebacken.

Auch heute gibt es die "Meißner Fummel". Einziger Hersteller ist wohl die Bäckerei Zieger, die offenbar so mutig ist, auch einen "Fummel-Versand" anzubieten. Viele Urlauber kaufen in Meißen eine Fummel als Mitbringsel. Hat der transportwillige Tourist die Fummel heil zu Hause angebracht und beißt in das Wunderwerk hinein, bleibt ihm eine herbe Enttäuschung nicht erspart: Im Gesicht klebt der Puderzucker und vor ihm liegt ein Haufen Krümel. Geschmack gleich Null.

Wollen Sie sich dies ersparen, genießen Sie lieber in Meißen lieber "e Stickchn Guchn zum Nachmiddachsgaffee". Und weil Sie sicher nicht sofort nach Meißen reisen können, verrate ich Ihnen ein Rezept von meiner Freundin Geli aus Dresden, die hat es von ihrer Freundin Moni, die es von ihrer Mutter geerbt hat, die das Rezept wiederum von ihrer Mutter übernahm, die es ... Nein, hier ist Schluss: Monis Oma war Bäckermeisterin in Meißen. Und von ihr stammt das Rezept "Eierschecke ohne trockenen Boden":

Zutaten für die untere Schicht:

750 g Quark
2 Eier
1 Pck Vanillepudding
150 g Zucker

Zubereitung:

Alles in eine Schüssel geben und mixen. Danach in eine gefettete Ringform füllen und glatt streichen.

Zutaten für die obere Schicht (Eierschecke):

1 Pck Vanillepudding
3/8 l Milch
150 g Zucker
100 g Butter
5 Eier

Zubereitung:

Von den 3/8 l Milch (kalt) 6 EL abnehmen und das Päckchen Vanillepudding darin verrühren. Die Milch (ohne Zuckerzugabe) aufkochen, aufgelöstes Puddingpulver einrühren und aufkochen. Erst danach 150 g Zucker zugeben. 100 g Butter in einem kleinen Topf zerlassen (nicht bräunen) und auch dazu geben.

Eiweiß vom Eigelb trennen, die 5 Eigelb mit in die Puddingmasse geben und mit Handrührgerät schön sämig mixen. Von den 5 Eiweiß Eisschnee (mit einer Prise Salz) schlagen und nach und nach mit dem Löffel unter die warme Puddingmasse heben.

Das Ganze nun als nächste Schicht in die Ringform geben.

Bei 200 Grad Ober-Unterhitze etwa 1 Stunde und 10 min backen oder bei 140 bis 160 Grad Heißluft etwa 1 Stunde auf unterem Einschub backen. Mit einem Holzspießchen probieren, ob der Kuchen nach dieser Zeit durchgebacken ist. Wenn nichts hängen bleibt, ist er fertig.

Tipp: Da die Eierschecke recht schnell braun wird, muss sie etwa in der Mitte der Backzeit mit einem Stück Pergamentpapier abgedeckt werden. Bitte nicht die Oberhitze ausschalten (so wie ich es tat bei meinem ersten Nachback-Versuch). Die Eierschecke wird während des Backvorgangs nämlich sehr hoch - fällt die Oberhitze weg, steigt sie noch höher. Ich musste bei dem Anblick an das Märchen von dem süßen Brei denken ... Es nahm kein Ende, und zum Schluss dauerte das Säubern des Herdbodens länger das Kuchenrühren. Aber der Geschmack ist unwiderstehlich!

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de