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"Eine Liebe im Schatten des Todes" Flucht aus Auschwitz als Comic

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(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Es ist eine Geschichte über die Liebe in Zeiten des Schreckens, über eine gescheiterte Flucht und den tragischen Tod zweier junger Menschen. Mala Zimetbaum war 26, Edward (Edek) Galinski 21 Jahre alt, als sie im Sommer 1944 im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau hingerichtet wurden. Das Schicksal der polnischen Jüdin und des nicht-jüdischen Polen ist ein winziges Kapitel in der Geschichte des Holocaust - jetzt soll diese Geschichte als Comic junge Leser motivieren, sich mit den unfassbaren Verbrechen der Nazis auseinanderzusetzen.

"Eine Liebe im Schatten des Todes" heißt der neue Comic, der die wahre Geschichte von Mala und Edek erzählt. Edek wird 1940 als politischer Häftling in einem der ersten Transporte nach Auschwitz verschleppt, Mala wird 1942 in Belgien festgenommen und in das deutsche Lager in Polen deportiert. Sie überlebt dort dank ihrer Sprachkenntnisse und arbeitet als Übersetzerin und Nachrichtenbotin für die Lagerverwaltung. Mala und Edek lernen sich in Auschwitz kennen und lieben, im Juni 1944 gelingt ihnen mit Hilfe des SS-Angehörigen Edward Lubusch die Flucht. Doch nach kurzer Zeit werden sie wieder gefasst, in das Lager zurückgebracht und dort gehenkt.

Nicht für Leser unter 16 Jahren

Hohe Haufen nackter, abgemagerter Leichen, der Sadismus der Wärter - erzählt wird die Geschichte in düsteren Bildern, die dem Leser nichts ersparen. Jungen Menschen unter 16 Jahren wird von der Lektüre des Comics abgeraten. Es sind die großen dunklen Augen der Heldin Mala, die etwas Wärme in den Comic bringen und die stellvertretend für die Menschlichkeit stehen, die sich die Gefangenen - und einige ihrer Wärter - in Auschwitz bewahren konnten.

"Wir glauben, dass die Geschichte der Lager den jungen Menschen nicht ausreichend vermittelt wird", sagt Beata Klos, Mitherausgeberin des Comics. "Und wenn, dann häufig auf eine wenig interessante Art und Weise." Unter dem Titel "Episoden aus Auschwitz" ist daher eine ganze Reihe von Comics geplant, die über die verschiedenen Aspekte des Lagerlebens informieren soll. Ein Auschwitz-Historiker hat zusammen mit einem ehemaligen Lagerhäftling jedes Detail des Comics überprüft.

Wahre Begebenheiten

Der Leiter des Museums Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, betont, die in "Eine Liebe im Schatten des Todes" erzählte Geschichte basiere vollständig auf wahren Begebenheiten - sonst würde das Museum die Comics gar nicht verkaufen. "70 Prozent unserer Besucher sind junge Menschen", sagt Cywinski. "Es ist schwierig, bei ihnen mit großen Geschichtsbüchern Interesse für das Thema zu wecken."

Auch der Großrabbiner von Polen, Michael Schudrich, zeigt sich angetan von dem Comic. "Solche Bücher finden sicherlich viel mehr junge Leser als ein klassisches Geschichtsbuch", sagt Schudrich. "Wenn sie gut gemacht sind, haben sie einen unglaublichen moralischen und erzieherischen Wert." Die wichtigste Botschaft sei, dass es das Ziel der Nazis gewesen sei, alle Juden zu töten, aber dass sie auch jede Form der Opposition vernichten wollten. "Die Juden waren die ersten auf der Liste des Völkermords, aber danach kamen die Polen." So seien etwa gleich viele jüdische wie nicht-jüdische Polen ermordet worden.

Nächster Band geplant

"Eine Liebe im Schatten des Todes" erscheint in einer englischen und einer polnischen Version mit einer Auflage von jeweils 2000 Stück. Der nächste Band wird die Geschichte des polnischen Widerstandskämpfers Witold Pilecki erzählen, der sich nach Auschwitz deportieren ließ und den Alliierten von den Gräueltaten der Nazis berichtete.

Quelle: n-tv.de, Ursula Hyzy, AFP

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