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Haus, Hund und HIV Frauen führen oft ein Doppelleben

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Theresa steht vor Bildern der Ausstellung "Schön sein? Frauenbilder mit HIV". ...

dpa

Wer an Aids denkt, hat oft Bilder von Fixern und Schwulen im Kopf. Nicht aber von Lehrerinnen und Bankkauffrauen. HIV-positive Frauen sind unsichtbar und führen oft ein Doppelleben.

An ihrem zweiten Leben liebt Theresa (43) die Normalität. Sie hat mit ihrem zweiten Mann in Osthessen ein Haus gebaut. Sie hat einen kleinen Sohn und einen Hund. Wenn sie "gut eingestellt" ist, also die 20 Tabletten am Tag in ihrem Körper wirken, ist das erste Leben weit weg. Das mit Aids. Ihr erster Mann, ein Bluter, hatte in den 80ern verunreinigte Konserven bekommen und sie angesteckt. Damals war HIV noch ein Todesurteil. "Ich hab' all mein Geld vom Sparbuch abgehoben und wollte noch ein letztes Mal shoppen gehen", erinnert sie sich an den Moment der Diagnose 1989.

1993 hatte Theresa, die ihren richtigen Namen nicht in den Medien lesen möchte, "Vollbild Aids". Sie rang mit dem Tod, sie bekam eine Art Chemotherapie, verlor ihre blonden Haare, und ihre Mutter nahm sie zum Sterben mit nach Hause. Die neuen Nachbarn wissen nichts von Theresas Krankheit, die man ihr - dank der Medikamente - nicht mehr ansieht. Sie sollen es auch nicht wissen. "Ich weiß nicht, wie man mit meinem Kind umgehen würde." Die Bankkauffrau im Frühruhestand erzählt den Nachbarn, dass sie bei einem Arzt arbeitet. In Wahrheit fährt sie alle drei Monate zum HIV-Center der Frankfurter Uni-Klinik zur Blutwerte-Kontrolle. Aus Scham führen viele HIV-positive Frauen ein Doppelleben. In Deutschland sind sie praktisch unsichtbar.

HIV ist In der Mitte der Gesellschaft angekommen

"HIV ist so was von in der Mitte der Gesellschaft angekommen, und diese Gesellschaft sieht das nicht", sagt Annette Haberl (48). Sie ist Ärztin an dem HIV-Center, spezialisiert auf die Betreuung von HIV-infizierten Schwangeren. Sie ist auch Theresas Ärztin. Wer an HIV denkt, denkt an schwule Männer. Oder an Fixer und Prostituierte. "Es könnte die Nachbarin oder die Lehrerin der Kinder sein", sagt Haberl. Zwar sind in Deutschland ohnehin nur 18 Prozent Frauen unter den HIV-Infizierten, aber von der Sichtbarkeit sind es noch weitaus weniger. Angesteckt haben sich die meisten beim Sex ohne Kondom, haben nur die Pille genommen. Die Diagnose bekommen viele in der Schwangerschaft.

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... Die Ärztin Annette Haberl hat das Projekt ins Leben gerufen.

(Foto: dpa)

Um etwas für die Wahrnehmung HIV-positiver Frauen zu tun, erarbeitete Haberl mit 14 Patientinnen und einer Fotografin auf einem Workshop eine Ausstellung. Der Titel: "Schön sein ­ Frauenbilder mit HIV". Die Patientinnen posieren selbst, sie sehen aus wie attraktive Frauen von nebenan. Darunter ist auch Theresa. HIV ist für die oft allein erziehenden Frauen ein Makel, das Selbstwertgefühl weg, das Virus durchdringt jeden Moment des Alltags. Die ästhetischen Bilder hängen nun auf den Fluren des HIV-Centers, frei für alle Besucher.

"Wir raten nicht zum Outing"

Einige "Models" zeigen mutig ihre Augen, auch wenn oft nur der engste Familienkreis Bescheid weiß; bei anderen sind die Augen überklebt. Wenn man immer dieses Doppelleben führt, was geht da verloren von einem selbst? Und was geht auch für die anderen Menschen verloren? "Aber wir raten nicht zum Outing", betont Haberl.

Wer heutzutage HIV früh diagnostiziert und behandelt bekommt, kann eine annähernd so hohe Lebenserwartung wie ein nicht Infizierter haben. Und wenn die HIV-Infektion vor der Schwangerschaft bekannt ist, kann mit der optimalen Therapie das Risiko einer Ansteckung des Kindes auf unter zwei Prozent gesenkt werden. Rund 300 Geburten HIV-positiver Mütter gibt es jährlich in Deutschland. Zwischen 30 und 40 davon in Frankfurt - das dortige Spezialzentrum ist eines der wichtigsten in Deutschland.

Nachdem Theresas erster Mann vor elf Jahren an Aids gestorben war und sie ihren zweiten Mann kennenlernte, bestand das Leben endlich nicht mehr nur aus dieser Krankheit. Es begann, sich leichter anzufühlen. Theresa genießt heute den Moment. Eine Garantie dafür, wie lange es ihr so gut gehen wird, gibt es nicht. Ihr Mann und sie entschieden sich bewusst für ein Kind, auch wenn die Schwangerschaft riskant war, weil Theresa Medikamente absetzen musste und andere nicht gleich anschlugen. Um ihren Mann nicht zu gefährden, schliefen sie mit Kondom miteinander, das Sperma daraus wurde dann eingeführt. Ihr Sohn, der bisher nur weiß, dass seine Mama viele, viele Pillen nimmt, ist heute acht. Theresa hat zig Fotos von ihm im Portemonnaie.

Bizarre Lüge

Ganz weit weg sind die Gedanken an ihr erstes Leben, als sie bei dem akuten Krankheitsausbruch eine geradezu bizarre Lüge erfand: Theresa erzählte ihren Kollegen und sogar Familienmitgliedern, dass sie Leukämie habe. Bis sie es sogar selbst glaubte.

Quelle: n-tv.de, Inga Radel, dpa

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