Panorama

Die Meisterleistung der Retter Für Westhauser standen Maultiere bereit

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Freiwillige Helfer aus mehreren Ländern waren an der Rettung beteiligt.

(Foto: Bergwacht Bayern/dpa)

Elf Tage nach seinem Unfall wird der Höhlenforscher Westhauser schwer verletzt aus der Riesending-Schachthöhle gerettet. Die Befreiung des Mannes aus rund 1000 Metern Tiefe war ein enormer logistischer und technischer Kraftakt.

Finsternis, Enge, Schlamm und Eiseskälte: Die Rettung des schwer verletzten Johann Westhauser aus den Tiefen der Riesending-Schachthöhle hat die internationalen Hilfsmannschaften in den vergangenen Tagen bis an ihre Belastungsgrenzen gebracht. Denn die Retter mussten zahlreiche Schwierigkeiten überwinden.

Dimensionen und Beschaffenheit der Höhle

Die Riesending-Schachthöhle ist ein 19 Kilometer langes und mehr als 1000 Meter in den Berg tiefes Labyrinth. Es besteht aus schmalen, sich windenden Gängen, aus über hunderte Meter senkrecht abfallenden Schächten und wasserführenden Canyons. Wer dort eine rund 100 Kilogramm schwere Trage mit einem Verletzten bewegen will, braucht enorme Ausdauer und alpines Fachwissen - etwa über den Aufbau von Seilbrücken, mobilen Flaschenzügen und Steinschlagsicherungen.

Schon den Höhleneingang zu erreichen, ist alles andere als einfach. Dieser liegt in etwa 1800 Metern Höhe in einem unwegsamen felsigen Karstfeld. Mit Autos ist das Gebiet gar nicht zu erreichen. Während der gesamten Hilfsaktion pendelten daher Tag und Nacht Hubschrauber zwischen Tal und Eingang. Anfangs ließen sie Menschen und Material mit Seilwinden hinab, später planierten Forstarbeiter und Bergwacht-Helfer einen Landeplatz.

Materialbedarf und Logistik im Hintergrund

Um die enormen Distanzen in der Höhle zu bewältigen und teils tagelang in ihr zu leben, brauchten die Retter Unmengen von Expeditionsausrüstung. In einer Gebirgsjäger-Kaserne in Bischofswiesen wurde eigens ein Logistikzentrum eingerichtet, von dem aus laut Bundeswehr unter anderem tausende Kletterkarabiner, kilometerweise Seile sowie medizinisches Material, Kleidung und Verpflegung zur Höhle geflogen wurden.

Die Kaserne war zugleich das Basislager für die 202 Höhlenretter aus Deutschland, Österreich, Italien, der Schweiz und Kroatien. Auch das Rote Kreuz und andere Hilfsdienste waren in deren Versorgung eingebunden, insgesamt gab es mehr als 700 Helfer. Hubschrauber stellten unter anderem Bundespolizei, Polizei und Bundeswehr. Für den Fall längerer Schlechtwetterphasen standen Maul- und andere Tragtiere der Gebirgsjäger bereit. Auch sie hätten Material auf den Berg gebracht.

Besondere medizinische Herausforderungen

Die Rettung des schwer am Kopf verletzten 52-Jährigen aus der Höhle war auch aus notfallmedizinischer Sicht absolutes "Neuland", wie die an der Aktion beteiligten Ärzte und Bergwacht-Helfer betonten. An der Oberfläche wäre der Mann binnen kürzester Zeit auf eine Intensivstation gebracht worden, im Inneren des Berges aber war das unmöglich. Erst drei Tage nach seinem Unfall erreichte ihn überhaupt ein Mediziner.

Anschließend musste er trotz Schädel-Hirn-Trauma und damit einhergehenden Komplikationsgefahren tagelang auf einer Trage über unwegsamstes Gelände nach oben bugsiert werden. Dabei war er mit einem speziellen Körpergerüst fixiert. Unterkühlung war eine weiteres Risiko. In der Höhle liegen die Temperaturen kaum über dem Gefrierpunkt, es besteht schnell Lebensgefahr. Die Retter hatten ein Spezialgerät dabei, um Westhauer zu wärmen: Es verbrennt Kohlestäbe und leitet die Hitze mit einem Ventilator über Schläuche an den Körper.

"Verkehrsmanagement" und Kommunikation in der Höhle

Jeder Schritt der Rettungs-Spezialisten in der Tiefe musste schon aus profanen Gründen genauestens überlegt sein: Stollen und Felsvorsprünge sind nach Angaben der Bergwacht teils so schmal, dass auf- und absteigende Teams unmöglich aneinander vorbei passen. Nötig war daher laut Einsatzleitung exaktes "Verkehrsmanagement".

Das wiederum setzte zunächst die Installation eines speziellen Kommunikationssystems voraus, weil Funk und Mobiltelefone in der Höhle nicht funktionieren. Schon in den ersten Tagen bauten italienische Höhlenretter ein sogenanntes Cave-Link-System auf. Es nutzt Strom, der durch den Fels geleitet wird. Später installierten die Höhlenretter ein zweites Cave-Link-System als Reserve und verlegten Kabel für ein Höhlentelefon in die Tiefe.

Quelle: n-tv.de, Sebastian Bronst, AFP

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