Politik

Präsident in Gefangenschaft? Berichte über Militärputsch in Guinea

a76258f9094a97130ccf743ad87af1eb.jpg

Ein Militärfahrzeug in Kaloum am Tag des mutmaßlichen Putsches.

(Foto: REUTERS)

Sie wollen Präsident Condé in ihrer Gewalt und die Regierung aufgelöst haben: Teile des Militärs in Guinea verbreiten in einem Video die Nachricht eines erfolgreichen Putsches. Doch das Verteidigungsministerium widerspricht - der Angriff sei gestoppt worden.

Im westafrikanischen Guinea haben Teile des Militärs gegen die Regierung geputscht und nach eigenen Angaben Präsident Alpha Condé gefangen genommen. Spezialkräfte der Armee hätten die Regierung "aufgelöst", hieß es in einem Video der Putschisten. Das Verteidigungsministerium erklärte dagegen, ein Angriff auf den Präsidentensitz durch Spezialkräfte sei zurückgeschlagen worden.

Nach der Gefangennahme des Präsidenten sei beschlossen worden, die Verfassung außer Kraft zu setzen und die Institutionen aufzulösen, hieß es in dem Video der Putschisten. "Wir haben auch beschlossen, die Regierung abzusetzen und die Grenzen zu schließen", sagte der Chef der Spezialkräfte, Oberstleutnant Mamady Doumbouya. Später wurde Doumbouyas Erklärung auch im Staatsfernsehen gezeigt, wo er in eine guineische Flagge gehüllt "Misswirtschaft" anprangerte.

dc7ec2302e091d5a4ef830f54b4bc5b2.jpg

Seit 2010 an der Macht: Präsident Condé.

(Foto: AP)

Auch Präsident Condé in der Gewalt der Putschisten ist in einem Video zu sehen. Das Staatsoberhaupt - in Jeans und Hemd auf einem Sofa sitzend - weigert sich darin, auf die Frage der Putschisten zu antworten, ob er misshandelt worden sei.

Das Verteidigungsministerium erklärte, "die Aufständischen" hätten in der Hauptstadt Conakry Angst und Schrecken verbreitet und den Präsidentenpalast angegriffen. Die Präsidentengarde, unterstützt von den Verteidigungs- und Sicherheitskräften, hätte die Angreifer jedoch zurückgedrängt.

"Die Soldaten waren alle vermummt"

Aus Conakry waren zuvor Schusswechsel gemeldet worden. Das Militär war vor allem auf den Straßen der Halbinsel Kaloum zu sehen, wo sich das Präsidialamt und zahlreiche Regierungsinstitutionen des westafrikanischen Landes befinden. "Ich habe eine Kolonne von Militärfahrzeugen mit Soldaten gesehen, die in die Luft schossen und militärische Parolen riefen", sagte eine Bewohnerin. "Die Soldaten waren alle vermummt."

Ein westlicher Diplomat sagte, er habe "keine Zweifel", dass ein Putschversuch im Gange sei, der von Spezialkräften angeführt werde. Der Diplomat, der anonym bleiben wollte, vermutete als Ursache Spannungen zwischen der Regierung und dem Kommandeur der Spezialeinheit, die über bessere Ressourcen als andere Sicherheitskräfte verfügt. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte "jegliche Übernahme der Regierung durch Waffengewalt". Er forderte auf Twitter die sofortige Freilassung des Präsidenten Alpha Condé.

Auch die Afrikanische Union verurteilte in einer Mitteilung "jegliche gewaltsame Machtübernahme" und forderten die sofortige Freilassung Condés. Der britische Botschafter David McIlroy erklärte, man rufe alle Parteien zu einem friedlichen und konstruktiven Dialog auf. An diesem Montag sollte in Conakry eigentlich ein Qualifikationsspiel zwischen Marokko und Guinea für die Fußball-WM 2022 stattfinden. Aufgrund der "sehr volatilen" politischen Situation und Sicherheitslage werde das Spiel verschoben, teilte die FIFA mit.

Kritik an autoritärem Führungsstil Condés

Condé hatte vergangenes Jahr eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglichte. Im Oktober wurde der heute 83-Jährige zum Sieger der von Gewalt begleiteten, umstrittenen Wahl erklärt, was zu Massenprotesten führte. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden damals Dutzende Menschen getötet.

Nach Jahrzehnten der Diktatur war Condé 2010 der erste demokratisch gewählte Präsident Guineas. Menschenrechtsaktivisten kritisierten jedoch den zunehmend autoritären Führungsstils des Staatsoberhauptes. Condé hingegen rühmt sich, die Menschenrechte vorangebracht und das Land wieder aufgebaut zu haben.

Quelle: ntv.de, mbe/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen