Politik

Erfolglos im braunen Sumpf "Die wollen sich nicht ändern"

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Demo und Gegendemo in Berlin: Die NPD kommt in der Breite nicht an.

(Foto: Reuters)

Außer Spesen nichts gewesen: Die NPD kann den Erfolg anderer rechter Parteien in Europa nicht imitieren. Jetzt bekommt sie sogar Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Autor Robert Ackermann untersucht, warum rechts nicht überholt werden kann. Seine Antwort: Unfähigkeit und Hitlers Schatten.

n-tv.de: Herr Ackermann, Sie haben für Ihre Untersuchung der NPD deren gesamte Führungsspitze interviewt. Welchen Eindruck hatten Sie?

Robert Ackermann: Inhaltlich sind das auf jeden Fall knallharte Nazis. Das ist eine ganz radikale Ideologie, die da transportiert wird. Aber mir gegenüber im persönlichen Gespräch waren sie gar nicht so aggressiv – und genau das könnte sie gefährlich machen. Mit Udo Voigt, dem ehemaligen Parteivorsitzenden, habe ich mich zum Beispiel in einem Berliner Biergarten getroffen, und der hat da eher den kumpelhaften Typ raushängen lassen. Aber hinter seiner bürgerlich-netten Maske verbirgt sich eben diese hasserfüllte Ideologie. Aber es haben auch nicht alle einen auf Gut-Freund gemacht – Udo Pastörs, NPD-Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern, zum Beispiel, hat einen anderen Duktus. Der wirkt provokativer.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die NPD in Deutschland keine Chance auf Erfolg habe, anders als einige andere rechtsradikale Parteien in Europa. Warum?

Natürlich sind in Deutschland die Bedingungen anders, durch die Erfahrung mit dem historischen Nationalsozialismus. Aber ich glaube, einen großen Anteil an ihrer Erfolglosigkeit hat auch die NPD selbst. Die Partei hat einfach eine andere Ausrichtung als die erfolgreichen Rechtsaußenparteien in Europa. Zum Beispiel hält sie immer noch an einem starken Bezug zum Nationalsozialismus fest und ist weiterhin stark antisemitisch. Andere Parteien am rechten Rand orientieren sich hingegen stärker in Richtung anti-islamischer Propaganda, da versprechen sie sich mehr Erfolg. Der NPD fehlt auch eine starke Führungsfigur. Die haben keinen Geert Wilders wie die PVV in den Niederlanden oder keine Marine Le Pen wie der Front National in Frankreich. Aber wahrscheinlich hätte so eine Figur bei der NPD auch gar keine Chance, in den deutschen Medien zu strahlen. Der aktuelle NPD-Chef Holger Apfel jedenfalls ist so oder so kein Charismatiker.

Ausgerechnet bei den Nazis klappt also das „Führer-Prinzip“ nicht mehr?

Also, dass Holger Apfel für die NPD keine Integrationsfigur ist, zeigt ja jetzt die Gründung der neuen Partei „Die Rechte“. Christian Worch, ein Kameradschafts-Nazi aus der freien Szene, hat sie gegründet. Angeblich weil es Apfel nicht schafft, das rechtsextreme Wählerpotential zu mobilisieren.

Sie schreiben, dass gerade die NS-Nostalgie der NPD im Weg steht. Ist denen das nicht auch klar?

Es gibt Teile der Partei, die wissen, dass ihnen das schadet, und sie versuchen, das zu vertuschen. Es gibt sogar einen internen Argumentationsleitfaden, wonach jede Frage nach der NS-Zeit mit einem Verweis auf die größere Bedeutung von Gegenwartsthemen beantwortet werden soll. Aber ein Großteil der Ideologie speist sich eben doch aus der Nazi-Zeit. Ich habe Udo Voigt gefragt, ob ihm nicht klar sei, dass offener Antisemitismus der NPD schadet. Und er sagte: „Ja, aber manche Aussagen sind eben emotional bedingt.“ Die NPD-Aktivisten glauben wirklich das, was sie da verbreiten. Die sind so wirr.

Wirr ja, aber nach der NSU-Mordserie diskutiert die Politik trotzdem sehr intensiv über ein Verbot der NPD. Wie schätzen Sie das nach Ihrer Recherche ein?

Die NPD ist auf der Straße eine gefährliche Partei – aber in den Parlamenten werden sie keine Erfolge feiern können. Trotzdem sollte man sie verbieten, einfach, weil der Staat nicht seine Feinde finanzieren sollte. Die NPD bekommt jährlich zwischen 1 und 1,5 Million Euro aus der Parteienfinanzierung, das halte ich nicht für richtig.

Gerade hat Andreas Molau, ein früher prominenter NPD-Mann, der rechten Szene den Rücken zugekehrt. Auch ihn haben Sie interviewt. Wie bewerten Sie seinen Abgang?

Molau war eher untypisch für einen NPD-Kader und mir gegenüber damals erstaunlich reflektiert. Er war da schon aus der NPD und der DVU ausgetreten und bei Pro NRW untergekommen, die die anti-islamistischen Parteien aus dem Ausland imitieren. Vielleicht war er deswegen der NPD gegenüber eher kritisch eingestellt. Dort wurde er ja sogar als „Achteljude“ diskriminiert.

Das heißt, sein Weggang aus der rechten Szene ist kein Anzeichen für ein Zerbrechen der NPD?

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Robert Ackermann, Jahrgang 1984, studierte Politikwissenschaft, Medienwissenschaft und Anglistik.

Er war ja schon länger bei der NPD raus… Die Demontage besorgt die Partei schon seit Jahren selber. Finanziell steht sie extrem schlecht da, die Mitgliederzahlen sind in den letzten Jahren gesunken, und die Neugründung der Partei „Die Rechte“ zum Beispiel führt ja zu einer weiteren Zersplitterung der rechten Szene.

Könnte nicht diese neue Partei am rechten Rand nicht doch erfolgreicher sein als die NPD, wenn sie anders auftritt?

Also, ich glaube, die Partei „Die Rechte“ wurde von den Medien hoch geschrieben. Die hat aktuell null Bedeutung. Ihre einzige Innovation ist der Name, und selbst der war ja schon mal für die NPD angedacht worden. Und man muss wissen: Der Gründer, Christian Worch, ist ein knallharter Kameradschaftsnazi aus der so genannten freien Szene, der polarisiert. Damit kann er auch nicht alle Rechtsaußen hinter sich vereinen. Das Ganze ist eher eine Luftnummer.

Jetzt könnte sich natürlich die NPD Ihr Buch zur Orientierung nehmen, um sich eventuell zu reformieren. Ist Ihnen dieser Gedanke beim Schreiben mal gekommen?

Ich habe mich natürlich gefragt, ob man diese Untersuchung so machen kann. Schließlich sollte das keine Anleitung für die NPD werden. Aber den NPD-Kadern ist eben auch sowieso klar, was sie anders machen als die sehr viel erfolgreicheren Rechtsaußen-Parteien in Europa. Und die wollen sich nicht ändern, sie sind von ihrem NS-Irrsinn überzeugt. Holger Apfel hat sich im Gespräch über den Wahlkampf der FPÖ in Österreich bewundernd geäußert. Aber das betraf nur die Form, nicht die Inhalte. Deswegen haben die hier in den Parlamenten keine Chance.

Die Braunen stecken also in ihrem braunen Sumpf fest.

(lacht) So kann man das sagen, ja. Trotzdem soll mein Buch auch eine Warnung sein: Die anderen Rechtsaußenparteien in Europa haben unter anderem mit ihrer anti-islamischen Haltung einen Weg gefunden, Erfolg zu haben. Und nicht zuletzt die Sarrazin-Debatte hat gezeigt, dass es ein ausländer-, speziell islamfeindliches Potential in Deutschland gibt. Da müssen wir aufpassen, dass nicht auch bei uns eine entsprechende Strömung entsteht.
 

Mit Robert Ackermann sprach Sebastian Schöbel

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Quelle: ntv.de