Politik
Soldaten an einer Radiostation in der Hauptstadt.
Soldaten an einer Radiostation in der Hauptstadt.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 22. März 2012

Präsident vertrieben: Mali rutscht in Staatskrise

Militärs verüben in Mali einen Staatsstreich. Hintergrund sind Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen im Norden des Landes. Der gestürzte Präsident Touré muss sich mit seiner Garde zurückziehen. Die Internationale Gemeinschaft bekennt sich zu ihm.

Ein Militärputsch mit dutzenden Verletzten hat das westafrikanische Mali in eine schwere Krise gestürzt. Nach Angaben der in der Hauptstadt Bamako meuternden Soldaten wurden "alle Institutionen" des Landes aufgelöst, eine Ausgangssperre verhängt und die Grenzen geschlossen. Der Staatsstreich, bei dem nach Angaben eines Armeevertreters auch ein Mensch starb, löste international Besorgnis aus.

Die Verfassung sei außer Kraft und das "inkompetente Regime" abgesetzt, weil es "unfähig" sei, mit der Rebellion im Norden des Landes umzugehen, teilten die Putschisten mit. Sie bezeichneten sich selbst als Nationales Komitee für die Errichtung der Demokratie und die Wiederherstellung des Staates.

Präsident Amadou Toumani Touré ist offenbar abgesetzt.
Präsident Amadou Toumani Touré ist offenbar abgesetzt.(Foto: dpa)

Der malische Präsident Amadou Toumani Touré befand sich nach dem Putsch nach Angaben seiner Anhänger auf einer Militärbasis in Bamako. Aus regierungstreuen Militärkreisen und dem Umfeld des Präsidenten verlautete, dass er sich gemeinsam mit seiner Garde dort aufhalte.

Ein Putschist sei bei den Kämpfen getötet worden und ein weiterer verletzt worden, sagte ein Militärangehöriger. Das Rote Kreuz in Mali teilte mit, es habe rund 40 Menschen wegen Verletzungen behandelt. Wie viele Menschen auf Seiten der Regierungstruppen getötet oder verletzt wurden, war unklar.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich angesichts der Gewalt laut einem Sprecher "zutiefst besorgt". In Kürze will der Sicherheitsrat die Vorgänge diskutieren. US-Regierungssprecher Jay Carney versprach "der rechtmäßig gewählten Regierung" Malis die Solidarität der USA.

Der Präsident der Afrikanischen Union, Jean Ping, verurteilte den Staatsstreich "scharf" und forderte die meuternden Soldaten auf, "ihre Aktion zu beenden". Frankreichs Außenminister Alain Juppé erklärte, sein Land setze die Zusammenarbeit mit Mali aus, leiste aber weiterhin humanitäre Hilfe. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte, die konstitutionelle Ordnung müsse schnellstmöglich wiederhergestellt werden.

Der Putsch ereignete sich nach einem seit mehr als zwei Monaten andauernden bewaffneten Konflikt der malischen Armee gegen Tuareg-Rebellen im Norden Malis und einen Monat vor den für den 29. April geplanten Präsidentschaftswahlen, bei denen Touré nach zwei Amtszeiten planmäßig abtreten wollte.

Quelle: n-tv.de