Politik

Gaddafis Aufruf zum Dschihad Schweiz reagiert gelassen

Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi ruft zum Heiligen Krieg gegen die Schweiz auf. Grund: Die Schweizer hatten sich per Volksabstimmung gegen den Neubau von Minaretten ausgesprochen. Die Eidgenossen reagieren demonstrativ gelassen.

2pho2453.jpg4423398725160023516.jpg

Gaddafi rief die Muslime in aller Welt zum bewaffneten Kampf gegen die Schweiz auf.

(Foto: dpa)

Der Aufruf des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi zum Dschihad gegen die Schweiz ist bei den Eidgenossen mit demonstrativer Gelassenheit aufgenommen worden. Die Präsidentin des Außenausschusses im Berner Parlament, Christa Markwalder, sprach sich in der Zeitung "Der Bund" dafür aus, nicht auf die Äußerungen zu reagieren. Auch die Regierung lehnte eine Stellungnahme ab.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bedauerte den Dschihad-Aufruf Gaddafis. "Der Generalsekretär hat es als unglücklich bezeichnet, dass diese Angelegenheit eskaliert ist", erklärte sein Sprecher in New York. "Er glaubt sehr fest daran, dass unterschiedliche Meinungen friedlich durch einen Dialog gelöst werden können."

Experten relativierten die Bedeutung der Aussagen. Der libysche Staatsführer hatte die Muslime in aller Welt zum bewaffneten Kampf gegen die Schweiz aufgerufen. Das Land sei ein Staat der Ungläubigen, in dem Moscheen zerstört würden. "Jeder Muslim in der Welt, der mit der Schweiz zusammenarbeitet, ist ein Abtrünniger und gegen (den Propheten) Mohammed, Gott und den Koran", sagte Gaddafi in Benghasi bei einer Versammlung zu einem religiösen Feiertag, an der auch zahlreiche Gesandte anderer muslimischer Länder teilnahmen. Die Muslime sollten überall in der islamischen Welt Schweizer Flugzeuge an der Landung und Schweizer Schiffe am Anlegen hindern sowie den Verkauf von Produkten aus dem Land stoppen. Der Kampf müsse mit allen Mitteln geführt werden. "Lasst uns kämpfen gegen die Schweiz, den Zionismus und ausländische Aggression", sagte er.

Beziehungen gelten als "belastet"

2phl3616.jpg4114781555577877432.jpg

Im November 2009 hatten sich die Schweizer gegen den Neubau von Minaretten ausgesprochen.

(Foto: dpa)

Mit der Behauptung, in der Schweiz würden Moscheen zerstört, spielte Gaddafi auf die Volksabstimmung vom November an, bei der sich die Mehrheit der Eidgenossen für ein Minarett-Bauverbot ausgesprochen hatte. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern werden seit fast anderthalb Jahren vom Streit über zwei Schweizer Geschäftsleute belastet. Sie waren im Juli 2008 in dem nordafrikanischen Land festgesetzt worden, nachdem Gaddafis Sohn Hannibal und dessen Frau kurzzeitig in Genf festgenommen worden waren. Libyen bestreitet einen Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen. Einer der beiden Geschäftsmänner durfte das Land kürzlich verlassen, der andere musste diese Woche eine viermonatige Haftstrafe antreten, nachdem Libyen erzwungen hatte, dass er die Schweizer Botschaft verließ.

Gaddafi "markiert den harten Mann"

Nationalrätin Markwalder begründete ihr Plädoyer zur Gelassenheit damit, dass Gaddafi schon einmal in vergleichbarer Weise provoziert habe, als er sich dafür aussprach, die Schweiz aufzuteilen. Auch Fachleute maßen den Äußerungen nur begrenzte Bedeutung bei. Der Entwicklungsspezialist und frühere Politiker Jean Ziegler argumentierte laut "Bund", die Äußerungen seien innenpolitische motiviert. Gaddafi markiere den harten Mann, um seinen pro-westlichen Sohn und designierten Nachfolger Saif al-Islam gegenüber der Opposition besser zu positionieren. Die Islamisten seien dagegen die Todfeinde Gaddafis.

Der Genfer Islam-Experte Hasni Abidi betonte, Muammar Gaddafi sei aus religiöser Sicht gar nicht berechtigt, zum Dschihad aufzurufen. Auch hätten die Worte des libyschen Machthabers kein Gewicht in der arabischen Welt, sagte der Leiter des Forschungszentrums für arabische Länder in Genf der Nachrichtenagentur SDA.

Quelle: n-tv.de, rts

Mehr zum Thema