Politik

"Faschisten, Faschisten!" Separatisten führen Gefangene vor

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Die gefangenen Soldaten werden von Bewaffneten zum zentralen Leninplatz gebracht.

(Foto: dpa)

Keine Entspannung in der Ukraine, stattdessen Muskelspiele auf beiden Seiten: Während Tausende Ukrainer in Kiew mit großem Pomp den Unabhängigkeitstag feiern, stellen prorussische Separatisten in Donezk ihre Gefangenen zur Schau. Auf ihrem Marsch zum zentralen Leninplatz werden sie übel beschimpft.

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Die Militärparade soll keine Siegesparade sein, so Poroschenko.

(Foto: dpa)

Während im Zentrum von Kiew 1500 Soldaten unter den Augen von Oberbefehlshaber und Staatspräsident Petro Poroschenko aufmarschierten, um die Unabhängigkeit des Landes zu feiern, haben prorussische Separatisten dutzende gefangene ukrainische Soldaten öffentlich in der ostukrainischen Großstadt Donezk vorgeführt. Die bei der Armeeoffensive gegen die Aufständischen gefangen genommenen Soldaten wurden auf den zentralen Leninplatz gebracht, wo Einwohner sie mit Rufen wie "Faschisten! Faschisten!" beschimpften.

Die Ankunft der Gefangenen wurde über Lautsprecher angekündigt: "Wir sehen jetzt die Leute, die geschickt wurden, um uns zu töten", hieß es. "Wir sind Russen." Aus der Menschenmenge wurden die erschöpft wirkenden Männer mit Flaschen beworfen. Ihnen wurde zugerufen: "Auf die Knie". Hinter den Gefangenen fuhren Straßenkehrwagen.

Die öffentliche Zurschaustellung von Kriegsgefangenen ist weithin geächtet und wird in der Genfer Konvention von 1949 ausdrücklich verboten. Zuvor hatten die Aufständischen bereits zerstörtes Militärgerät der Regierungssoldaten im Zentrum von Donezk ausgestellt und damit ihre Gegenveranstaltung zu den Feiern in Kiew eingeläutet.

Waffenschau auf dem Maidan

Auf dem Maidan wiederum ließ die Kiewer Führung die Muskeln spielen. Dutzende gepanzerter Fahrzeuge und Raketenwerfer rollten durch die Hauptstadt: Inmitten des blutigen Konflikts mit Separatisten feiert die Ukraine demonstrativ mit einer Militärparade den 23. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Zwar betonte Poroschenko, die Ukraine wolle keinen Krieg: "Der Krieg ist nicht unsere Initiative. Er wurde uns von außen aufgedrängt. Wir wählen den Frieden."

In derselben Rede kündigte der Staatschef jedoch auch an, dass er den Militärhaushalt aufstocken wolle. Zur Stärkung der Armee sollten 2015 bis 2017 umgerechnet mehr als 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, so Poroschenko. "Damit können wir Flugzeuge, Hubschrauber und Kriegsschiffe modernisieren oder kaufen." Aber auch jetzt sei in die Armee investiert worden. Eine Kolonne mit neuer Ausrüstung sei unterwegs in die Kampfgebiete im Osten der Ukraine, sagte der Präsident vor der jubelnden Menge.

Für die erste ukrainische Militärparade seit 2009 war die Prachtstraße Kreschtschatik festlich in den Nationalfarben Gelb und Blau geschmückt. Auch Bürgermeister und Ex-Boxchampion Vitali Klitschko verfolgte die Waffenschau. "Die Vorgänge der vergangenen Monate sind für uns wenn auch nicht zu einem erklärten, aber zu einem wirklichen Krieg geworden", sagte Poroschenko in seiner Rede. Die Separatisten seien "brutale Terroristen".

Quelle: ntv.de, dsi/vpe/dpa/AFP