Politik

Das Rätsel bleibt Warum starb Jassir Arafat?

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Viele Palästinenser verehren noch immer Arafat wie einen Volkshelden.

(Foto: dpa)

Noch immer blühen die Verschwörungstheorien: Auch zehn Jahre nach Arafats Tod rätseln viele, woran der Palästinenserchef tatsächlich starb. War es Krankheit, Altersschwäche - oder etwa Gift?

Am 11. November 2004 starb der legendäre Palästinenserführer Jassir Arafat, und noch immer ist unklar: War es auf natürliche Weise? Zwar scheint der Verdacht, er könne mit Polonium radioaktiv vergiftet worden sein, inzwischen weitgehend ausgeräumt, die jahrelangen Ermittlungen geben aber Anlass zu Spekulationen, dass Krankheit und Altersschwäche nicht ursächlich waren. Feinde mit Tatmotiven hatte der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde nicht nur in Israel. Eine endgültige Klärung aller Fragen scheint unwahrscheinlich. Und damit wird das Rätselraten um Arafats Tod Teil seiner Biografie.

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Zuletzt wirkte Arafat äußerst gebrechlich.

(Foto: dpa)

Schuld daran ist aus heutiger Sicht wohl vor allem die Eile, mit der seinerzeit alle die Beerdigung hinter sich bringen wollten. Arafat hatte in seinen letzten Jahren und nach langer Belagerung durch die israelische Armee in der Mukataa, seinem Hauptquartier in Ramallah, so müde und gebrechlich gewirkt, dass Palästinenser und Israelis sofort den Blick auf eine hoffnungsvollere Ära im Nahostkonflikt richteten - die aber nicht eintrat.

Niemand verlangte eine Autopsie. Und auch das französische Militärhospital, in das Arafat zwei Wochen vorher wegen starker Unterleibsschmerzen ausgeflogen worden war, sah keine Notwendigkeit, mögliche Beweismittel aufzubewahren. Im ärztlichen Todesbefund war von einer Vergiftung keine Rede. Nur Arafats bei den Palästinensern höchst unbeliebte Witwe Suha hegte in ihrer Villa auf Malta weiter Zweifel.

Witwe lässt Zahnbürste analysieren

Erst am 3. Juli 2012 machte die These von Arafats Ermordung global Schlagzeilen: Der arabische TV-Sender Al-Dschasira sendete eine Dokumentation, die sich auf eine Untersuchung von Radiophysikern der Universität von Lausanne stützte. Suha Arafat hatte den Forschern am Genfer See Gegenstände übergeben, die ihr Mann im Hospital zuletzt gebraucht hatte, darunter die Zahnbürste und eine Unterhose. Die Schweizer Wissenschaftler meldeten den Fund "einer anormal hohen Menge von Polonium-210", einer hochgiftigen Substanz.

Die hartnäckige Witwe erstattete in Frankreich sofort Anzeige gegen Unbekannt. Am 27. November des gleichen Jahres wurde Arafats Grabstätte neben der Mukataa geöffnet; 60 Proben wurden entnommen und auf drei Forensiker-Teams in der Schweiz, Frankreich und Russland aufgeteilt. Knapp ein Jahr später, am 7. November 2013, bestätigten die Schweizer den Befund ihrer Landsleute: Der Polonium-Gehalt sei zwanzigfach höher, als zu erwarten sei. Die These einer Vergiftung werde dadurch "stichhaltiger", beweise aber letztlich nicht, dass sie die Todesursache sei.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte, eine internationale Untersuchungskommission einzusetzen. Israel sah sich gezwungen, erneut jegliche Verwicklung in Arafats Tod zu bestreiten. Der damalige israelische Präsident Schimon Peres erklärte, wenn Israel Arafat hätte töten wollen, "wäre das mit Kugeln doch viel leichter zu erledigen gewesen".

Am 3. Dezember 2013 veröffentlichten die französischen Forensiker die mit Spannung erwarteten Ergebnisse ihrer Proben: Eine Vergiftung sei ausgeschlossen. Auch die russischen Wissenschaftler bestätigen dieses Resultat drei Wochen später ohne Wenn und Aber. Die Schweizer mutmaßen, es seien "politische Erklärungen" im Spiel. Und die Öffentlichkeit darf weiter rätseln.

Quelle: ntv.de, Clemens Wortmann, AFP

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