Politik

Atommülllager soll schließen Zustand in Asse "unzumutbar"

Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz schlägt angesichts der Zustände im niedersächsischen Atommüllager Asse Alarm: Täglich dringe Grundwasser in das ehemalige Bergwerk ein, es sei nicht klar, wie lange die Sicherheit noch gewährleistet werden könne. Am Dienstag wurden erneut radioaktiv belastete Laugen an zwei Stellen gefunden.

AP080710037633.jpgDer Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, hat den Zustand im niedersächsischen Atommülllager Asse als unzumutbar bezeichnet. Täglich dringe Grundwasser in das Lager ein, sagte König im Deutschlandfunk. Vor diesem Hintergrund sei nicht klar, wie lange die Standsicherheit des Bergwerks noch gewährleistet sei. Ziel müsse nun eine geordnete Schließung des Lagers sein, hob König hervor.

Am Dienstag waren in dem maroden Lager erneut radioaktiv belastete Lauge gefunden worden. Nach Angaben des BfS bestehe aber durch die Kontamination keine Gefährdung des Betriebspersonals und der Umgebung der Asse. Bei einem Kontrollgang der Schachtanlage Asse II sei an der tiefsten Stelle des Schachtes 2 in 950 Meter Tiefe eine Ansammlung von neuen Salzlösungen festgestellt worden. Eine weitere Stelle wurde auf der 925-Meter-Sohle gefunden. Die verseuchten Laugen stammt wahrscheinlich aus dem so genannten Tiefenaufschluss. "Die Lösungen sind ausgepresst worden, weil die Hohlräume im Gebirge zusammengedrückt werden", teilte das Bundesamt für Strahlenschutz mit.

Nach Angaben des BfS wurden in den Lösungen Werte für Cäsium 137 von 121 Becquerel pro Liter festgestellt und für Tritium von 27.000 Becquerel pro Liter. Beide Werte lägen unterhalb der Freigrenzen der Strahlenschutzverordnung. Das Bundesamt habe Strahlenschutzmaßnahmen veranlasst.

126.000 Müll-Behälter

Bis 1978 wurden 126.000 Behälter mit schwach- und 1300 mit mittelradioaktivem Müll unter die Erde gebracht. Was genau eingelagert wurde, ist bis heute unklar. Die Asse war das weltweit erste unterirdische Lager für Atommüll. Die Genehmigung verlief problemlos, ein Planfeststellungsverfahren war gesetzlich damals noch nicht vorgeschrieben. Das alte Salzbergwerk wurde nach dem weniger strengen Bergrecht betrieben.

2l9l3650.jpg1140633074349409288.jpgNach etlichen Pannen und Versäumnissen ist dem ehemaligen Betreiber, der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF), die später im Helmholtz-Zentrum München aufging, zum Jahresbeginn 2009 die Verantwortung entzogen worden. Seit Januar ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS/Salzgitter) zuständig, das direkt dem Bundesumweltministerium untersteht. Mit dem Betreiberwechsel ging einher, dass die Schachtanlage Asse nun auch unter Atomrecht fällt.

Krümmel stört Gorleben

Unterdessen wurde bekannt, dass der Störfall im Atomkraftwerk Krümmel auch den Betrieb im Endlager-Erkundungsbergwerk Gorleben erheblich gestört hat. Die Panne in dem schleswig-holsteinischen AKW habe die Arbeit in dem Bergwerk ganze drei Tage lang lahm gelegt, berichtete die "Frankfurter Rundschau". Durch den Stromausfall wurden demnach für den Betrieb notwendige Daten gelöscht. Das Erkundungsbergwerk ist als Endlager für Atommüll im Gespräch.

Im benachbarten Zwischenlager Gorleben, in dem - anders als im Endlagerbergwerk - bereits hochradioaktiver Müll deponiert ist, fiel der Strom dem Bericht zufolge hingegen nicht aus. Es sei nachträglich zwar ein minimaler Spannungsrückgang registriert worden, der habe aber "keinerlei Auswirkungen" gehabt, sagte ein Sprecher des Zwischenlagerbetreibers der Zeitung.

Quelle: n-tv.de, tis/dpa

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