Sport

Gefälschtes ImpfzertifikatEntlassener Schweizer Eishockey-Trainer spaltet die Eidgenossen

20.04.2026, 13:05 Uhr
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Patrick Fischer entzweit die Schweizer (Foto: picture alliance/KEYSTONE)

Um bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking dabei zu sein, fälscht der Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft ein Corona-Impfzertifikat. Erst schützt ihn der Verband, dann wirft er ihn raus. Der Skandal schlägt in der Schweiz hohe Wellen.

Alles war vorbereitet: Die Heim-WM sollte der krönende Abschluss für den erfolgreichsten Eishockey-Nationaltrainer der Schweiz werden - womöglich mit dem Weltmeistertitel als Abschiedsgeschenk. Dann holte Patrick Fischer die Vergangenheit ein.

Mit einem gefälschten Impfzertifikat war der schillernde Coach zu Olympia 2022 in Peking eingereist, ein Jahr später dafür mit einer Geldstrafe belegt worden. Jetzt wurde der Skandal öffentlich, der 50-Jährige, der mit der "Nati" gerade zum ersten WM-Vorbereitungsspiel in die Slowakei gereist war, entlassen. Und die eishockeyverrückte Schweiz diskutiert seitdem aufgeregt über das Ego eines außergewöhnlichen Trainer, Moral und Ethik im Sport - und die Rolle der Medien.

Denn Fischer hatte seine Verfehlung einem Reporter des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders SRF verraten - ausgerechnet in einer Drehpause zu einer filmischen Hommage auf den 50-Jährigen, der die Schweiz seit seinem Amtsantritt im Dezember 2015 zu drei WM-Silbermedaillen führte. Die zu den Fischer-Festspielen bei der Weltmeisterschaft in Zürich und Fribourg (15. bis 31. Mai) aufgeführt werden sollte. 

Impfskeptiker feiern Fischer

Der SRF recherchierte, und Fischer kam einer Veröffentlichung zuvor, indem er sich selbst mit einem Handyvideo zu Wort meldete, um Verzeihung bat und von einer "persönlichen Notlage" sprach. Er habe sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen, deshalb bestellte er im Internet ein gefälschtes Zertifikat, wie die Staatsanwaltschaft Luzern schon 2023 befand und einen Strafbefehl wegen Urkundenfälschung in Höhe von 38.910 Franken ausstellte.

Zwei Tage lang hielt der Schweizer Verband noch an ihm fest, dann feuerten die Funktionäre Fischer, weil sie "Vertrauen und Integrität", also "Werte und Respekt", die zentral seien, verletzt sahen. Die Szene der Impfskeptiker feierte Fischer als Märtyrer, eine Online-Petition für die Rücknahme der Kündigung sammelte nach eigenen Angaben 250.000 Unterschriften, der SRF-Journalist wurde bedroht, ein semiprominenter Schauspieler und Maler, der als Zirkusclown reüssierte, kündigte an, die Spiele des Erstligisten Rapperswil-Jona zu boykottieren, weil der Reporter dort Stadionsprecher ist.

Fischers Kritiker werfen ihm vor, er habe "sein Ego über die Interessen des Teams" gestellt - wie die "NZZ" kommentierte, und "die Kabine verraten". Der ehemalige Nationalspieler, der erst mit 31 Jahren den Sprung in die NHL wagte, ist nicht nur der erfolgreichste Schweizer Coach, sondern auch einer der schillerndsten weltweit. Gerne inszenierte sich der äußerst selbstbewusste Fischer als Mann der Extreme, erzählte von seiner Reise zu Indigenen im peruanischen Dschungel, die sein Leben umkrempelte, ihm aber auch den Ruf eines Esoterikers einbrachte.

Er habe dort gelernt, dass es nicht entscheidend sei, "was die Leute über mich denken. Sondern, was für mich stimmt." Es sei sein Leben, "ich kam allein auf die Welt und werde allein wieder gehen." Klingt egoistisch - und erklärt womöglich vieles.

Quelle: ntv.de, mar/sid