Desaster für KielPfosten entscheidet Abstiegsthriller beim letzten Wurf

Für Rekordmeister THW Kiel endet die Handball-Saison im Desaster, für Altmeister GWD Minden mit einem Drama: Kiel spielt die schlechteste Runde seit Jahrzehnten, Minden steigt mit dem letzten Wurf der Saison ab.
Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat eine schwache Saison mit einem weiteren Rückschlag beendet und wird wohl erstmals nach 33 Jahren das internationale Geschäft verpassen. Die Kieler verloren am letzten Spieltag der Bundesliga das "Endspiel" um Platz fünf gegen den TBV Lemgo-Lippe 31:34 (15:16) und wurden damit Sechster in der Endabrechnung - schlechter schnitt der THW zuletzt 1992/93 mit Rang sieben ab.
Zweiter Absteiger ist nach einem Herzschlagfinale GWD Minden. Der Tabellenvorletzte verlor bei Schlusslicht SC DHfK Leipzig 25:26 (14:18) und bleibt damit hinter der punktgleichen HSG Wetzlar, die Meister SC Magdeburg 30:31 (17:17) unterlag. Minden, das über nahezu die komplette Spielzeit einem Rückstand hinterherlief, bekam Sekunden vor dem Abpfiff bei einem Tor Rückstand den Ball, der Ausgleich hätte den Klassenerhalt bedeutet. Einen Wimpernschlag vor der Schlusssirene landete der Ball bei Rechtsaußen Jakub Sterba - und der Tscheche haute den letzten Wurf der Saison aus schwerem Winkel an den Pfosten.
Das Spiel war aus, Altmeister Minden steigt nach einer Saison direkt wieder in die zweite Liga ab. Und ein paar Hundert Kilometer weiter westlich brach in Wetzlar trotz der knappen Niederlage grenzenloser Jubel aus. "Ich hatte sofort Gänsehaut. Es ist alles abgefallen. Das war ein schönes Gefühl", sagte Wetzlars Rückraumspieler Dominik Mappes. Aktuell fühle er ziemliche Lehre und Erleichterung zugleich. "Es war so viel Druck, es war Kopfkino. Wir haben das ausgeschaltet und eine unserer besten Saisonleistungen gezeigt", sagte er.
Gidsel mit Rekord
Vizemeister Füchse Berlin setzte sich in einem Offensivspektakel 43:38 (22:20) gegen den Tabellendritten SG Flensburg-Handewitt durch. Welthandballer Mathias Gidsel erzielte 18 Tore und stellte mit am Ende 317 Feldtoren eine neue Bestmarke auf: Noch nie in der Geschichte der Bundesliga hat ein Spieler mehr als 300 Tore ohne Siebenmeter geworfen.
Ob Kiel, das vor dem Spiel die Vertragsverlängerung mit Nationalspieler Lukas Zerbe bis 2029 verkündete, damit wirklich nicht wenigstens in der European League dabei sein kann, ist noch nicht abschließend gesichert, aber unwahrscheinlich. Nach aktuellem Stand erhält die Bundesliga sechs internationale Startplätze.
Meister Magdeburg und Vize Berlin treten ebenso in der Champions League an wie voraussichtlich die in der Bundesliga nur siebplatzierte MT Melsungen als Sieger der European Leage. Für die European League qualifizierten sich über die Bundesliga Flensburg (3.) und der VfL Gummersbach (4.) sowie der Bergische HC (14.), der das Pokalfinale gegen Berlin verloren hat. Nur bei einer kurzfristigen Regeländerung oder einem Verzicht des BHC dürfen Lemgo und Kiel noch hoffen.