Bobanschieberin Yvonne Cernota ist bei einem Trainingsunfall auf der Kunsteisbahn in Königssee am Freitag ums Leben gekommen. Die 24-Jährige vom SC Oberbärenburg saß selbst an den Lenkseilen, als der Schlitten in der Echokurve umkippte und aus der Bahn geschleudert wurde. Mitfahrer Stefan Grandi (27), der aus der Nähe von Murnau kommt, zog sich eine Armverletzung zu und liegt im Krankenhaus Berchtesgaden.
Yvonne Cernota und Nachwuchsfahrer Stefan Grandi absolvierten am Donnerstag und Freitag eine so genannte Bob-Schule, in der interessierte Athleten zu Piloten ausgebildet werden.
Wie es zu dem tragischen Unfall auf der als weniger schwierig geltenden Bahn kommen konnte, war zunächst unklar. Die Polizei Traunstein nahm die Ermittlungen auf. "Materialfehler oder Manipulation sind schon fast völlig auszuschließen. Es war also ein Fahrfehler", sagte Polizeisprecher Johann Bohnert. Erfahrene Piloten in Königssee hielten es "praktisch nicht für möglich", dass ein Bob aus der Bahn geschleudert wird.
Die beiden Athleten waren gegen 10.30 Uhr in der Echowand umgekippt, zunächst gegen die Innenbande gekracht und dann aus der Bahn geschleudert worden. Nach Angaben des Bayerischen Roten Kreuzes wurde der Bob regelrecht zerrissen. Drei Notärzte hätten sich sofort um die Verletzten gekümmert. Yvonne Cernota sei auf dem Flug mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gestorben.
"Dieser Unfall ist höchst bedauerlich. Mein tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen, dem Bob-Club und dem Landesverband. Es zeigt aber einmal mehr, dass Bobfahren ein Rennsport ist, bei dem immer ein Risiko dabei ist. Gerne wird dies unterschätzt, vor allem wenn man eine unfallfreie Weltmeisterschaft hinter sich gebracht hat", sagte der Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), Klaus Kotter. Der anwesende Frauen-Bundestrainer Wolfgang Hoppe, mit 33 internationalen Medaillen der erfolgreichste Pilot der Welt, war angesichts der Tragödie nicht in der Lage, sich zu äußern.
Die Biochemie-Studentin aus Halle/Saale gehörte zum Team der sächsischen Pilotin Cathleen Martini. Beide sollten bei der Sächsischen Sportgala in Riesa an diesem Samstag als zweitbeste Mannschaft des Jahres geehrt werden. Das Duo war bei der WM im Februar auf der Bahn am Königssee Vierter geworden. Zuvor gewannen sie in Sigulda die Europameisterschaft. 2003 gelang mit der WM-Bronzemedaille in Winterberg der Durchbruch in die Weltelite.
Der bislang letzte tödliche Unfall im Bobsport ereignete sich 1990 in Altenberg. Der Zinnwalder Pilot Peter Förster verunglückte bei Trainingsfahrten mit seinem Zweierbob im Zielbereich. Yvonne Cernota, die von den Kollegen nur "Lütte" genannt wurde, ist das 42. Todesopfer im Bobsport seit der Aufnahme ins Olympische Programm 1924.