Fariba Hashimi war noch eine Teenagerin, als sie sich als Mann verkleidete. Nicht aus Spaß oder weil sie sich so fühlte. Nein, sie musste. Nur so konnte sie ihrer Liebe für den Radsport in Afghanistan nachgehen, zuvor war sie dafür mit Steinen beworfen worden. Heute lebt die 23-Jährige weit entfernt in Italien - und gewinnt Medaillen für ihre alte Heimat. "Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen", sagte Hashimi, nachdem sie am Dienstag Silber im Straßenrennen bei den Asienspielen in Japan geholt hatte: "Diese Silbermedaille zeugt von der großen Widerstandsfähigkeit der afghanischen Frauen, und ich freue mich sehr darüber."
Als die Taliban im Jahr 2021 in Afghanistan die Macht zurückerlangten, schränkten sie den Zugang von Frauen zu Bildung und zum öffentlichen Leben, einschließlich des Sports, drastisch ein. Hashimi flüchtete mit der Hilfe der früheren Weltmeisterin Alessandra Cappellotto in deren italienische Heimat, wo sie lebt und trainiert.
"Ich bin in einem Land geboren, in dem Frauen, die Träume haben, angegriffen werden, und ich bin wirklich froh, dass ich dagegen gekämpft habe", sagte Hashimi, die gemeinsam mit ihrer Schwester Yulduz, ebenfalls Radprofi, an den Olympischen Spielen 2024 in Paris teilgenommen hatte. Nach ihrem Erfolg bei den Asian Games in der japanischen Präfektur Aichi und deren Hauptstadt Nagoya dankte Hashimi besonders dem japanischen Team, das ihr bei der Wartung ihres Rades geholfen habe.