Das Spiel war längst entschieden, da kulminierte die Stimmung im Aztekenstadion, als hätte Mexiko ein Tor geschossen. Dabei trug sich beim letzten Vorrundenspiel des WM-Gastgebers gegen Tschechien nur die Einwechslung eines Toreverhinderers zu. Guillermo Ochoa durfte bei seiner sechsten WM-Teilnahme den Platz zwischen den Pfosten von Stammkeeper Raúl Rangel einnehmen. Die 80.000 Fans kreischten, johlten und tobten. Denn Guillermo Ochoa ist eben nicht irgendein Torwart. Der 40-Jährige ist ein mexikanisches Nationalheiligtum, ein Kulttorwart in bester Jorge-Campos-Tradition.
Es wurde eine große Fiesta. Mexiko hatte das Spiel gegen Tschechien locker im Griff, führte mit 2:0, als Ochoa den Rasen der Fußball-Kathedrale betrat. Das 3:0 von Álvaro Fidalgo (90.+4) leitete er mit einem langen Abstoß ein, riss anschließend beide Arme in den Himmel und feuerte die Menge an. "Mein erstes Spiel war im Aztekenstadion, mein letztes Spiel war im Aztekenstadion. Es war ein wunderschönes letztes Kapitel meiner Karriere. Vielen Dank an alle", sagte Ochoa. Nach der XXL-WM ist für ihn in der Nationalmannschaft Schluss. 2006 hatte er in Deutschland erstmals an einer Weltmeisterschaft für sein Land teilgenommen, aber erst 2014 in Brasilien stand er erstmals bei einer WM-Endrunde im Kasten - und wurde zur Ikone.
Chávez trifft und verwandelt das Aztekenstadion in ein Tollhaus

Ochoa ließ einst Neymar und die DFB-Elf verzweifeln
Sein vielleicht bestes Spiel machte Ochoa 2014, als der Tormann mit den Locken und dem Strinband die Brasilianer um Superstar Neymar reihenweise verzweifeln ließ. Sein mexikanischer Wikipedia-Eintrag wurde kurzfristig ergänzt - um "mexikanischer Jesus". Im Netz machte eine Fotomontage die Runde, auf der Ochoas Kopf auf die Christusstatue von Rio gepflanzt war. Auch vier Jahre später war Ochoa in Form. Beim 1:0-Sieg der Mexikaner zum Gruppenauftakt gegen Deutschland in Russland leitete er das spätere DFB-Debakel mit ein.
"Er ist eine Legende des Weltfußballs und er ist Mexikaner", schwärmte Nationaltrainer Javier Aguirre, der Ochoa auch bei jedem anderen Spielstand eingewechselt hätte: "Memo musste unbedingt spielen. Er steht früh auf, geht ins Fitnessstudio, gibt nie auf und motiviert seine Teamkollegen. Er ist wirklich besser als je zuvor."
Ochoa genoss seine letzte Sternstunde im Nationaltrikot in vollen Zügen. Das Ergebnis war wunderbar, die Atmosphäre großartig", sagte: "Die ganze Zuneigung ist da, und das ist das Wichtigste, was ich mitnehme: die Freundschaft, die Wertschätzung und all die positiven Dinge."
