Entgegen Trumps RatIraner haben kurz vor WM-Start endlich US-Visa

Während sich WM-Gastgeber USA und die Islamische Republik Iran bekriegen und um einen Deal ringen, müssen die iranischen Nationalspieler lange auf ihre US-Visa warten. Kurz vor Turnierstart sind die Papiere zur Einreise da.
Einer Teilnahme der iranischen Nationalmannschaft an der WM 2026 in den USA, in Kanada und Mexiko steht nichts mehr im Wege. Wie Tom Barrack, US-Botschafter in der Türkei, via X mitteilte, haben die Iraner ihre Visa zur Einreise in die USA bekommen. "Sport kennt keine Grenzen, und wir freuen uns darauf, Wettkämpfer und Fans aus aller Welt willkommen zu heißen", twitterte Barrack.
Zuvor hatte die Auswahl Irans bereits mexikanische Visa erhalten. Die Iraner bereiten sich zurzeit noch in Antalya in der Türkei auf das Turnier in Nord- und Mittelamerika vor. Danach schlägt "Team Melli" sein Trainingslager in Tijuana an der mexikanisch-kalifornischen Grenze auf. Eigentlich hatte der iranische Verband geplant, in Arizona zu gastieren. Wegen des US-israelischen Krieges gegen die Islamische Republik und weil sich die Ausstellung der US-Visa verzögerte, verlegte der Iran sein Camp nach Mexiko. Ein US-Beamter bestätigte, dass alle Spieler nun Visa bekommen hätten.
Mehrere Funktionäre haben laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim keine Visa erhalten. Demnach wurde unter anderem Verbandspräsident Mehdi Tadsch, dem Teammanager, den Vertretern des Außenministeriums und der Sicherheitsabteilung sowie dem Pressechef der Mannschaft die Einreise in die USA verweigert. Insgesamt sollen zwölf Visum-Anträge abgelehnt sein. Der Fußball-Verband Irans hat dies bisher nicht bestätigt.
Kommt es zum direkten Duell mit dem "Satan"?
Ohne die Einreisepapiere hätte Iran - sportlich souverän qualifiziert - die WM abhaken können. Die Mannschaft bestreitet ihre ersten beiden Spiele in Inglewood nahe Los Angeles. Am 15. Juni trifft Iran auf Neuseeland, sechs Tage später auf Belgien. In der Metropole an der Westküste leben hunderttausende Perser, die Stadt wird unter Iranern spaßeshalber "Tehrangeles" genannt. Das letzte Vorrundenspiel in Gruppe G bestreiten die Iraner am 27. Juni in Seattle gegen Ägypten.
US-Präsident Donald Trump hatte Iran im März noch abgeraten, an der WM teilzunehmen. Diese sei "unangemessen", außerdem habe er Bedenken bezüglich der Sicherheit der Spieler. Der iranische Verband reagierte umgehend und erklärte, niemand könne das Team von der WM ausschließen.
Wie es der Spielplan will, könnten der Iran und die USA bei der WM im direkten Duell aufeinandertreffen. Beenden beide Mannschaften ihre Vorrundengruppe auf Rang zwei, würden sie am 3. Juli in Arlington/Texas im Sechzehntelfinale gegeneinander spielen.
Die USA sind für die Islamische Republik qua Doktrin Staatsfeind, werden von den herrschenden Mullahs als "Großer Satan" bezeichnet. Der Amerika-Hass korrespondiert allerdings nicht mit dem US-Bild eines Großteils der iranischen Bevölkerung, die die Islamische Republik mehrheitlich ablehnt. Beim letzten WM-Spiel zwischen den Ländern bei der WM 1998 in Frankreich setzten die Teams ein beeindruckendes Zeichen für den Frieden. Vor dem Anpfiff stellten sie sich für ein gemeinsames Foto auf. Beim obligatorischen Wimpelaustausch überreichte der iranische Kapitän seinem US-Pendant sogar einen Blumenstrauß.