Die brasilianische Nationalmannschaft liegt am Boden: Das Aus im WM-Achtelfinale gegen Norwegen (1:2) ist für den Rekord-Weltmeister (fünf Titel) ein Desaster. 24 Jahre nach dem letzten Triumph (2:0 im Finale von Yokohama gegen Deutschland) ist das Land der Superstars Neymar und Vinicius Jr. nur noch ein Schatten einstigen Glanzes. Nur haut ein Weltmeister noch ordentlich drauf.
"Wir reden über Brasilien, und wenn man Brasilien spielen sieht, möchte man am liebsten kotzen. Ich meine, Neymar, 35 Jahre alt, kehrt nach fünf Jahren Pause zurück und schafft es endlich, etwas zu kreieren, aber wo sind die anderen? Wo sind die technisch begabten Brasilianer", schimpfte Youri Djorkaeff, 1998 Weltmeister mit Frankreich.
"Es ist absurd"
Und der einstige Offensivstar legte nach: "Ihr werdet mir doch nicht etwa Paquetá oder wen auch immer verkaufen, oder? Im Ernst, es ist absurd. Wenn ich von Qualität spreche, geht es nur um Kontrolle, nur um Kontrolle. Nehmen wir zum Beispiel Brasilien gegen Norwegen: das zweite Tor. Haaland bekommt den Ball, kontrolliert ihn - habt ihr gesehen, wie lange er dafür gebraucht hat? Dann schießt er ihn rein, fertig, simpel."
Unfassbarer Haaland-Hammer beendet Brasiliens WM-Traum

Glanz konnte das Team von Startrainer Carlo Ancelotti während seiner fünf WM-Spiele seltenst versprühen: Schon im Sechzehntelfinale mühte man sich arg, ehe Gabriel Martinelli tief in der Nachspielzeit mit seinem Siegtreffer den 0:1-Halbzeitrückstand gegen Außenseiter Japan endgültig repariert hatte. Eine Runde später reichte es nun nicht mehr.
Gegen Norwegen, das erstmals seit 1998 überhaupt bei einer Weltmeisterschaft dabei ist, hatte Brasilien früh einen Elfmeter verschossen, dazu durch Endrick eine Großchance vergeben. Der 19-Jährige von Real Madrid, der aus kurzer Distanz an Norwegens Torwart Örjan Nyland gescheitert war, bekam persönlich sein Fett weg: "Ich mag Endrick und er wird uns viel Freude bereiten, aber gegen Norwegen war er furchtbar. Dann heißt es immer: 'Ach, er ist noch jung.' Was soll der Quatsch! Er muss endlich dieses verdammte Tor schießen! Jung, mittelalt, alt - mir egal", wütete Romario, der Brasilien 1994 zum WM-Titel geschossen hatte.
Nach einem Doppelpack von Topstürmer Erling Haaland konnte der eingewechselte Superstar Neymar in der zehnten Minute der Nachspielzeit nur noch den Anschlusstreffer erzielen.
Zoff nach letztem Neymar-Tor für Brasilien

"Brasilien war eine kleine, feige, dominierte und lächerliche Mannschaft. Das ist der größte Misserfolg in Ancelottis Karriere", schrieb das Portal "UOL" zur Vorstellung Brasiliens.
Außenseiter Norweger durfte wieder seinen ikonischen Ruder-Jubel zelebrieren, die mit höchsten Ambitionen gestarteten Brasilianer dagegen gingen baden. Mal wieder.


