"Beschissenes Gefühl"

Weinender Courtois drückt Belgiens patzenden Ersatz-Torwart ganz fest

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11.07.2026 | 06:14 Uhr
Nur ein Torwart weiß, wie sich das anfühlt: Belgiens Thibaut Courtois nimmt seinen Stellvertreter Senne Lammens nach dessen folgenschweren Patzer in den Arm. Mehr kann er nach dem Drama nicht tun. Seine Zukunft lässt Courtois offen.

Noch schlimmer als für Thibaut Courtois war das belgische Torwart-Drama beim Viertelfinal-Aus gegen Spanien nur für seinen Ersatzmann. Nach 71 Minuten musste der Torhüter von Real Madrid gegen seinen Willen den Platz verlassen ("Ich wollte noch fünf oder zehn Minuten spielen") - Stellvertreter Senne Lammens von Manchester United patzte dann in der 88. Minute und ermöglichte dem Europameister das Siegtor zum 2:1. Lammens verschätzte sich bei einem Weitschuss, ließ den Ball nach vorne abprallen, Spaniens Superjoker Mikel Merino staubte ab.

"Armer, armer, armer Senne Lammens – das wünscht man wirklich niemandem, wenn die Augen der ganzen Welt auf einen gerichtet sind", schrieb das belgische Portal "Sporza" mitfühlend.

"Ich habe ihn fest umarmt. Mehr kann ich im Moment nicht tun. Für einen Torwart ist das ein beschissenes Gefühl", sagte Courtois und leistete erste Aufbauhilfe für seinen betrübten Kollegen: "Er ist ein fantastischer Torhüter mit einer vielversprechenden Zukunft. Dieser Moment wird ihn stärker machen. Kein Problem."

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"Letztlich war es die Entscheidung des Trainers"

"Das war nicht der einfachste Ball, der springt direkt vor ihm auf. Als Abwehrspieler können wir ihm da vielleicht auch mehr helfen. Er muss daraus lernen und wir als Gruppe müssen füreinander da sein und uns helfen", nahm auch Belgiens Verteidiger Brandon Mechele den Tormann in Schutz und sich und seine Abwehrkollegen in die Pflicht.

Courtois war im Los-Angeles-Stadion mit Tränen in den Augen zu sehen. "Die Tränen kamen aus Frustration, weil ich in so einem Spiel ausgewechselt werden musste, obwohl ich mich gut fühlte und nach dem 1:1 einige wichtige Paraden gemacht hatte. Das ist schade. Aber letztlich war es die Entscheidung des Trainers", sagte der 34-Jährige. Er habe "starke Schmerzen im Quadrizeps gespürt", erläuterte Courtois seine Probleme. "Aber ich hatte kein Problem, im Tor zu bleiben, nur bei langen Pässen. Am Ende hat der Trainer beschlossen, mich rauszunehmen, weil er nur Spieler auf dem Platz haben wollte, die bei 100 Prozent sind. Das ist kein Problem, denn das Team geht über alles." 

Courtois muss unter Tränen raus - mit dramatischen Folgen

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Auf 21 WM-Spiele kommt Courtois, nur Manuel Neuer hat unter den Torhütern weltweit mit 23 Einsätzen noch häufiger bei Weltmeisterschaften auf dem Platz gestanden. Ob der Einsatz gegen Spanien sein letzter war als Nationaltorwart Belgiens, wusste Courtois selbst nicht. "Das ist etwas, worüber ich mit dem Trainer und (Sportdirektor, Anm.) Vincent Mannaert sprechen muss", sagte er.

Courtois lässt Zukunft in Belgiens Nationalteam offen

Die Nations League würde er gerne aussetzen, "danach könnte ich für die Qualifikation und möglicherweise die Europameisterschaft zurückkehren". Das sei aber eine Entscheidung des Trainers und des Verbands, sagte Courtois. "Wenn sie das nicht so sehen, muss ich darüber nachdenken, ob ich weiter zur Nationalmannschaft kommen kann oder nicht. Sonst war das heute vielleicht mein letztes Spiel."

Belgien musste zuvor schon kurzfristig den Ausfall von Youri Tielemans verkraften. Der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler von Aston Villa hatte sich beim Aufwärmen verletzt. Nach dem Kreuzbandriss von Amadou Onana, der sich beim Achtelfinal-Sieg gegen die USA verletzt hatte, war es der nächste schwere Rückschlag für die Belgier.

"Gegen so eine Mannschaft darf man keine Fehler machen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, vor allem, als wir ausgeglichen hatten. Manchmal zählen die Details, es hat heute einfach nicht gereicht", sagte Belgiens Coach Rudi Garcia und beklagte die Verletzten: "Das war natürlich nicht vorteilhaft für uns."

Verwendete Quellen: ntv.de, mar/dpa