"Brutale Gewalt" in MagdeburgDutzende verletzte Polizisten nach Ausschreitungen im Ost-Derby

Ein Fußball-Fest hätte es sein können. In Magdeburg kommen 28.000 zum Ost-Duell in der 2. Liga gegen Magdeburg. Am Tag danach herrscht Ernüchterung. Mehr als 60 Polizisten wurden bei Ausschreitungen verletzt, manche von ihnen schwer.
Im Umfeld des Zweitligaspiels zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden sind bei Ausschreitungen Dutzende verletzt worden. Die Beamten seien mit Pyrotechnik beschossen, mit Absperrgittern und Steinen beworfen sowie mit einem Gullydeckel und Gehwegplatten angegriffen worden, teilte das Innenministerium in Magdeburg mit. Dabei wurden mindestens 64 Einsatzkräfte verletzt, manche von ihnen schwer. Innenministerin Tamara Zieschang verurteilte die Ausschreitungen "von angeblichen Fußballfans des 1. FCM" und sprach von brutaler Gewalt. Den Verletzten wünschte sie baldige Genesung. Ob auch Fans verletzt wurden, sagte das Ministerium nicht.
Eine Sprecherin der Polizei hatte zuvor bestätigt, dass FCM-Fans versucht hätten, in Richtung des Gästeblocks vorzudringen. Am Samstag waren mehrere hundert Beamtinnen und Beamte aus verschiedenen Bundesländern sowie Kräfte der Bundespolizei in Magdeburg im Einsatz gewesen. In der Vorwoche hatte es auch beim Topspiel Hertha BSC gegen Schalke 04 Ausschreitungen und Verletzte gegeben - von den 21 verletzt gemeldeten Polizisten litt die Mehrheit jedoch laut "Tagesspiegel" unter den Folgen des eigenen massiven Pfefferspray-Einsatzes.
Am Samstagabend waren im Ost-Duell in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt Magdeburg und Dresden aufeinandergetroffen. Die Sachsen gewannen im mit 28.000 Zuschauern ausverkauften Elb-Clásico nach nach Rückstand mit 2:1.
Polizeigewerkschaft spricht Fans das Fan-Sein ab
Bereits während des Spiels kam es zu ersten Zwischenfällen. Aufgrund der starken Rauchentwicklung nach dem Abbrennen von Pyrotechnik im Gästeblock kurz nach der Pause wurde die Partie neun Minuten lang unterbrochen. Zuvor war es nach Ministeriumsangaben bereits in der Halbzeitpause im Außenbereich des Stadions zu Ausschreitungen durch Magdeburg-Anhänger gegenüber den Polizeibeamten gekommen. Wie es weiter hieß, kommen die verletzten Beamten allesamt aus Sachsen-Anhalt. Einsatzkräfte anderer Länderpolizeien oder der Bundespolizei wurden nach derzeitigem Stand nicht verletzt.
Weiterhin kam es laut der Polizei im Magdeburger Stadtgebiet zu weiteren Straftaten wie zu einer räuberischen Erpressung und Sachbeschädigungen. Die Ermittlungen zu allen Sachverhalten dauern an, hieß es.
Die Gewerkschaft der Polizei in Sachsen-Anhalt verurteilte die Ausschreitungen. "Fußball soll Menschen zusammenbringen – nicht Einsatzkräfte, Fans oder Unbeteiligte in Gefahr bringen", hieß es in einer Erklärung. "Wer Pyrotechnik in dicht gefüllten Blöcken zündet, Raketen und Böller in Menschenmengen wirft oder Polizeikräfte angreift, hat jedes Recht verwirkt, sich Fan zu nennen. Hier reden wir über Straftäter."