Elfer-Ärger getrotzt

Superstars schießen Frankreich ins WM-Halbfinale

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10.07.2026 | 00:01 Uhr
Der große Titelfavorit Frankreich steht im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. Superstar Kylian Mbappé verschießt beim 2:0 gegen Marokko erst einen Strafstoß und trifft dann doch. Wenig später erzielt Weltfußballer Ousmane Dembélé den Endstand.

Traumtor nach Elfmeter-Patzer: Kylian Mbappé hat Top-Favorit Frankreich bei der Fußball-WM als erstes Team ins Halbfinale geführt. Nach einem wunderschönen Schlenzer seines Superstürmers besiegte das französische Starensemble Afrikameister Marokko in einem einseitigen Spiel mit 2:0 (0:0) und kann nun Geschichte schreiben. Der Traum vom dritten WM-Titel nach 1998 und 2018 lebt.

Die Franzosen mussten trotz drückender Überlegenheit lange warten, unter anderem, weil Mbappé mit einem Strafstoß an Yassine Bounou scheiterte (28.). Die Situation sorgte für reichlich Ärger: "Für mich ist das ein Witz, dass der Mbappé vor dem Elfmeter so lange warten musste", wütete ARD-Experte Bastian Schweinsteiger angesichts der mehrminütigen Wartezeit zwischen Pfiff und Ausführung. Auch Mbappé, der lange am Elfmeterpunkt warten musste, bis er schießen durfte, diskutierte mehrmals mit Schiedsrichter Trello aus Argentinien.

Mbappé setzt wunderschönen Schlenzer ansatzlos ins Netz

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Seinen Fehlschuss machte der Torjäger dann aber mit dem erlösenden Führungstreffer nach einer Stunde wett (60.). Dem achten Turniertreffer, ein Traumtor von der Strafraumgrenze und zugleich das 20. des Ausnahmekönners im 20. WM-Spiel, ließ Ousmane Dembélé mit seinem fünften Turniertor das 2:0 folgen (66.).

"Wir haben noch einen langen Weg vor uns, es wird härter werden, aber wir sind bereit, das anzunehmen", sagte Mbappé, der kurz für Sorgenfalten bei den Franzosen gesorgt hatte: Nach seiner vom Jubel der französischen Anhänger begleiteten Auswechslung (77.) legte er einen Eisbeutel auf seinen rechten Fuß, gab aber nach dem Schlusspfiff Entwarnung: "Mir geht es gut, ich habe einen Schlag auf die Ferse bekommen, aber es geht gut." Auch Deschamps betonte: "Das ist nichts Ernstes."

Frankreichs Chancenwucher

Marokkos Mauertaktik hatte in der Neuauflage des WM-Halbfinals von 2022 (2:0 für Frankreich) nur eine Stunde lang Erfolg. Immer wieder scheiterten Frankreichs Angreifer zunächst auch an Bounou. Die beste Gelegenheit zur früheren Führung vergab Mbappé, als er einen Foulelfmeter direkt in die Arme des Torhüters schob. Am Ende durften Les Bleus in Foxborough, dem Ort des deutschen Fiaskos gegen Paraguay, dennoch jubeln.

Superstar Mbappé vergibt Elfmeter extrem kläglich

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Allerdings zeigten sich auch Sorgenfalten bei den Franzosen: Mbappé musste in der 77. Minute vom Feld, danach musste sein Knöchel mit Eis gekühlt werden.

Im Halbfinale geht es für die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps, der mit seinem 25. WM-Spiel am Donnerstag mit Helmut Schön als Rekordtrainer gleichzog, nun am Dienstag (21 Uhr MESZ) in Dallas gegen Spanien oder Belgien. Dann winkt das dritte WM-Endspiel hintereinander - ein Final-Hattrick, der bislang nur Deutschland (1982 bis 1990) und Brasilien (1994-2002) gelungen ist. 

Eiskalter Dembélé schlägt aus der Distanz zu

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Marokko völlig chancenlos

Für Marokko geriet das Rendezvous mit der eigenen Geschichte zum Albtraum. Statt zum zweiten Mal in Serie in die Runde der letzten Vier einzuziehen, zerschellten die Hoffnungen auf den ersten WM-Triumph einer afrikanischen Mannschaft erneut an Frankreich. Ausgerechnet an der früheren Kolonialmacht, dem Land, in dem sechs Spieler des aktuellen marokkanischen Kaders geboren wurden. Mit den "Löwen vom Atlas" schied auch das letzte afrikanische Team aus dem Wettbewerb aus.

Eine schlechte Nachricht hatte Marokko bereits vor dem Anpfiff zu verdauen. Für Bayerns Star-Neuzugang Ismael Saibari kam der Frankreich-Showdown noch zu früh. Mit drei Treffern hatte Saibari sein Team ins Achtelfinale geführt, doch eine Muskelverletzung aus dem Achtelfinale (3:0 gegen Kanada) machte einen Einsatz in der Startelf unmöglich. Bei Frankreich saß Mittelfeldstar Aurélien Tchouaméni nach seinem Achtelfinal-Ausfall zunächst nur auf der Bank.

Auch wenn Marokkos Trainer Ouahbi die Stimmung vor der Partie mit markigen Worten noch einmal einheizte ("Wir spielen mit dem Messer zwischen den Zähnen") - die erste Halbzeit gehörte einzig der Équipe Tricolore. Erst ließ Mbappé einen Warnschuss aus gut 18 Metern los, nach dem anschließenden Eckball köpfte der völlig freistehende Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano aus vier Metern viel zu unplatziert (4.). 

Bounou rettet Marokko nicht

Und Marokko? Fand im Gillette Stadium bei Boston offensiv über weite Strecken überhaupt nicht statt. Alle elf Akteure standen enorm tief und lauerten im erst zweiten Pflichtspiel der beiden Teams auf Umschaltmomente - die nicht kamen. Im Gegenteil. Frankreich blieb gefährlich, und zwar nicht bloß beim vom Ex-Münchner Noussair Mazraoui verursachten Elfmeter.

"Wir sind sehr enttäuscht. Aber wir müssen versuchen, unsere Köpfe hochzunehmen, denn wir haben alles gegeben", sagte Marokkos Nationaltrainer Mohamed Ouahbi: "Wir müssen anerkennen, dass wir gegen eine großartige Mannschaft gespielt haben, sie hätten früher treffen können. Uns hat beim Umschalten etwas gefehlt."

Dembelé verfehlte das Ziel mit einem Schlenzer (33.), wenig später fand auch Desiré Doué nach einem feinen Dribbling seinen Meister in Bounou (35.). Einen Fernschuss von Lucas Digne lenkte der marokkanische Schlussmann in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit an die Latte (45.2).

Apropos Bounou. Mit dem parierten Strafstoß gegen Mbappé schraubte der Keeper seine atemberaubende Quote weiter nach oben. Von neun Strafstößen (einschließlich Elfmeterschießen) bei Weltmeisterschaften hat Bannou nur zwei Gegentore kassiert. Doch es half alles nichts. Gegen Doué (55.) parierte Bannou zwar noch einmal glänzend, dann traf Mbappe traumhaft.

Verwendete Quellen: ntv.de, ter/sid